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Börsenbarometer:Klein, aber oho

FC Schalke 04 - Borussia Dortmund

Die Aktien von Borussia Dortmund werden im S-Dax notiert. Der BVB wird von Ausrüster Puma ausgestattet, der im M-Dax gelistet ist.

(Foto: Guido Kirchner/dpa)

Der Aktienindex Dax ist eine Marke, seine Ableger kennen die Deutschen jedoch kaum. Eine teure Wissenslücke.

Quizmaster Stefan Raab hatte seine Frage nicht einmal zu Ende gestellt, da posaunte sein Gast in der Fernsehshow schon die Antwort heraus. "Welches Tier steht an der Börse...?", fragte Raab. Da fuhr der Quizgast dem Moderator in die Parade, schlug auf den Buzzer und rief: "Der Dax."

Die Blitzreaktion in kaum einer Sekunde zeigt, wie gut die Deutschen mit ihrem Leitindex vertraut sind. In inzwischen 31 Jahren hat die Deutsche Börse das wichtigste hiesige Börsenbarometer populär gemacht. Der Dax? Klar, das sind die 30 gewichtigsten deutschen Börsenunternehmen. Man könnte sagen: Der Dax ist in bekannt wie ein bunter Hund.

Zur zweiten und dritten Börsenliga, zu M-Dax und S-Dax, haben die Deutschen jedoch offenbar kein Verhältnis aufbauen können. Eine Umfrage der Wirtschaftsforschungsgesellschaft Dr. Doeblin fördert ein erstaunliches Bild zutage: Während 71 Prozent der Deutschen den Dax kennen, ist der M-Dax nur bei 24 Prozent bekannt. Jener Aktienkorb also, der 60 mittelgroße Unternehmen von A wie Aareal Bank bis Z wie Zalando enthält. Der S-Dax für 70 kleine Börsenunternehmen ist sogar noch unbekannter, ihn kennen kaum 15 Prozent der Deutschen. Die Dax-Brüder stehen im Schatten des Leitindex. Anlageexperten halten das für einen schweren Fehler, denn sie setzen auf die Kraft der Kleinen.

"Kleiner ist besser"

So hat der M-Dax in den vergangenen fünf Jahren um 67 Prozent zugelegt, während der Dax um 43 Prozent geklettert ist. Über die vergangenen zehn Jahre klafft die Lücke zwischen den Dax-Geschwistern sogar noch weiter auseinander: Während der Dax in diesem Zeitraum um 133 Prozent zulegte, hat der M-Dax sogar ein Plus von 270 Prozent aufs Parkett gelegt. "Kleiner ist besser", sagt daher Experte Patrick Kümmel von Lunis Vermögensmanagement.

Dass sich der M-Dax dynamischer zeigt als der deutsche Leitindex Dax hat Gründe: Zum einen sind kleinere Firmen im Management oft wendiger als große Schlachtschiffe. Und häufiger als im großen Dax sorgen im M-Dax Übernahmespekulationen für steigende Kurse. Anleger sollten jedoch nicht blindlings in Nebenwerte investieren, denn sie stehen im Ruf, stärker zu schwanken. "Die Entwicklung bei kleineren und mittlerem Unternehmen ist deutlich volatiler", sagt Anlageexperte Patrick Kümmel. Wenn es an den Börsen rumpelt, verkaufen Anleger oft die als riskanter wahrgenommenen Nebenwerte - bevor sie Titel aus dem Leitindex abstoßen. Anleger sollten also nur einen Teil ihres Geldes in Nebenwerte stecken. In der Quizshow bei Stefan Raab war das gesuchte Börsentier übrigens mitnichten der "Dax". Sondern der Bär, der am Parkett für fallende Kurse steht. Die Fixierung der Deutschen auf den Dax kann also Geld kosten - im Depot wie in der Quizshow.