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Börsen:Plackerei am Parkett

Markets React To UK Government Proroguing Parliament

Die Eingangshalle der Londoner Börse: Manchem Händler sind die Arbeitszeiten dort zu lang.

(Foto: Getty Images)

Zwei Lobbyverbände fordern kürzere Handelszeiten an Europas Börsen. Der Grund: Die Händler arbeiten zu viel.

Kein Bock mehr auf den Börsen-Stress: Vielen britischen Händlern ist ihr Arbeitstag offenbar zu lang. Zwei Lobbyverbände der Finanzwirtschaft fordern deswegen nun kürzere Börsenzeiten. Ginge es nach den Vorstellungen der Investment Association und der Association for Financial Markets in Europa, würden die Londoner Handelszeiten um 90 Minuten gekürzt. "Wir haben viele bewegende Geschichten gehört, wie die mentale Gesundheit und das Privatleben der Händler von ihren Arbeitszeiten beeinflusst wird", sagt Galina Dimitrova von der Investment Association, die Banken und Fonds vertritt.

Denn die Händler verbringen den ganzen Tag an ihren Tischen, Entspannen ist kaum möglich. Höchstens zwischendurch genehmigen sich Banker und Börsianer mal einen Sandwich oder einen Joghurt. Viele Bedienstete "in der City" stehen bereits um 04.30 Uhr auf, machen eine ausgiebige Presseschau, und hängen nach dem Handel auf Kundenveranstaltungen fest. "In London fangen die Händler aus Tradition tatsächlich einfach schon sehr früh an", sagt Thomas Posovatz vom Münchener Wertpapierhandelshaus MWB Fairtrade, der selbst in London gearbeitet hat.

In Shanghai haben Händler sogar Mittagspause

Statt der aktuellen Öffnungszeiten von acht Uhr bis 16.30 Uhr, soll die Londoner Börse nach den Vorstellungen der beiden Lobbyverbände eine Stunde später öffnen und eine halbe Stunde früher schließen. Aus dem Börsenhandel könnte dann zumindest formell ein Nine-to-four-Job werden. Der Vorteil: Die Händler müssten nicht mehr mitten in der Nacht aufstehen und könnten sich etwa besser um ihre Kinder kümmern. Das würde den Job auch für Frauen attraktiver machen, die an der Börse oft unterrepräsentiert sind. An anderen Handelsplätzen weltweit sind in der Tat kürzere Arbeitszeiten üblich: An der New Yorker Börse wird nur sechseinhalb Stunden gehandelt. In Shanghai hat die Börse sogar nur fünfeinhalb Stunden geöffnet, in denen noch opulente anderthalb Stunden Mittagspause liegen.

Die Londoner Finanzverbände fordern aber nicht nur Änderungen auf der Insel, auch auf dem Kontinent soll die Börsenglocke den Handel später einläuten und früher beenden. Statt von acht Uhr morgens bis 20 Uhr würden Aktien am Frankfurter Parkett dann von zehn Uhr morgens bis 17 Uhr nachmittags gehandelt. Die Deutsche Börse wollte den Vorstoß der Lobbyorganisationen nicht kommentieren. Andere Börsianer dagegen haben eine klare Meinung: "So einen Vorstoß kann ich nicht akzeptieren", sagt Robert Halver von der Baader-Bank, deren Mitarbeiter in den Rondellen auf dem Frankfurter Parkett Kurse stellen. Bei der Baader-Bank arbeiten die Händler schließlich bereits im Zweischicht-System. Darüber können die Londoner ja mal nachdenken.

© SZ vom 13.11.2019
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