bedeckt München

BMW:Die Eroberung des Reichs der Mitte

BMW will ab Herbst Autos in China bauen. Der am schnellsten wachsende Automarkt der Welt wird heiß umkämpft.

BMW will noch in diesem Monat mit einem Gemeinschafts-Unternehmen den Automarkt im Reich der Mitte erobern. Das geplante Joint Venture mit dem chinesischen Minibus-Hersteller Brilliance China Automotive werde am 27. März in Chinas Hauptstadt Peking unterzeichnet, sagte BMW-Chef Helmut Panke am Freitag in München.

Der Staatsrat der Volksrepublik habe die Machbarkeitsstudie genehmigt. "Jetzt ist die Sache sicher", sagte Panke, "wir haben grünes Licht." Im Herbst soll die Fertigung von 3er-BMW im nordostchinesischen Shenyang beginnen.

Der wichtigste Wachstumsmarkt

"Für uns ist das ein fundamentaler Schritt nach vorne in einem der wichtigsten Automärkte der Welt", sagte der BMW-Boss. Langfristiges Ziel sei eine ähnlich erfolgreiche Entwicklung wie in den USA.

"Das Wachstum im Automarkt wird in den nächsten Jahren in Asien statt finden", sagte Panke. BMW wolle seinen Absatz dort in den nächsten fünf Jahren verdoppeln auf 150.000 Fahrzeuge.

Ab Sommer 2004 würden auch 5er-BMW in Shenyang gebaut. Bis 2006 will das Münchner Unternehmen die Produktion in China auf 30.000 Wagen steigern und 3000 Mitarbeiter beschäftigen.

Bislang ist BMW nur als Importeur in China aktiv und verkaufte im vergangenen Jahr rund 6700 Autos, 61 Prozent mehr als 2001. Das Marktpotenzial für die Premium-Klasse sieht der BMW-Vertriebschef für Asien, Lüder Paysen, jedoch bei bis zu 500.000 Wagen.

Das Ziel ist die Nummer eins im Premium-Berich

An dem auf 15 Jahre befristeten Joint Venture mit Brilliance, dem chinesischen Marktführer im Bereich Minibusse, hält BMW 50 Prozent. Eine höhere Beteiligung ist nach chinesischem Recht nicht möglich.

In den kommenden Jahren will BMW rund 225 Millionen Euro in Shenyang investieren. "Dort nutzen wir eine bestehende Brilliance-Fabrik, daher kann die Produktion auch so schnell starten", sagte Panke.

Die BMW werden jedoch zunächst nur zu rund 40 Prozent in China gefertigt und angelieferte Teile aus Deutschland dort zusammengebaut. "Wir wollen jedoch eine Vollproduktion in Shenyang aufbauen."

Das Ziel sei, im Reich der Mitte langfristig führender Premium-Anbieter zu werden. "Denn China wird in Zukunft der größte Automarkt weltweit sein." Panke rechnet in den nächsten zehn Jahren mit Wachstumsraten von jeweils zehn Prozent.

Die Konkurrenz ist ebenfalls da

Wie BMW sehen auch andere deutsche Automobilkonzerne in China enorme Chancen. DaimlerChrysler denkt über den Bau eines eigenen Werkes nach und will in Zukunft vier Mal so viele Wagen verkaufen wie zur Zeit.

Audi produziert bereits den A6 in China, und ab April sollen dort auch der A4 vom Band rollen. Für Volkswagen gilt China als wichtigster Auslandsmarkt.

(sueddeutsche.de/dpa/AP)

Zur SZ-Startseite