Betrügerische Geldtransporte Heros: Neunzig Millionen gesucht

Die spektakuläre Peite der größten deutschen Geldtransportfirma Heros hat ein langes Nachspiel - die Eigner der Firma sind in erster Instanz zu langen Haftstrafen verurteilt worden, aber 90 Millionen Euro bleiben verschwunden. Eine exorbitante Belohnung soll sie zu Tage befördern.

Von Harald Schwarz

Für den Millionenbetrug bei dem ehemals größten deutschen Geldtransport-Unternehmen Heros muss die Firmenspitze mit langjährigen Gefängnisstrafen büßen. Das wegen Untreue in einem besonders schweren Fall und Bankrott zu zehn Jahren Haft verurteilt. Er und drei weitere Manager hatten Supermärkte und Banken systematisch betrogen.

Strafrechtlich ist die erste Etappe der spektakulären Pleite des Geldtransporteurs Heros bewältigt. Wegen "gewerbsmäßiger Untreue" und im Fall von Exchef Karl-Heinz Weis auch wegen schweren Bankrotts und Insolvenzverschleppung hat das Landgericht Hildesheim die Führungsriege der Firma zu Haftstrafen zwischen sechseinhalb und zehn Jahren verurteilt. Die Haupttäter haben allerdings alle Revision eingelegt. Es wird also eine weitere strafrechtliche Etappe in diesem Skandal geben.

Zivilrechtlich greift Heros-Insolvenzverwalter Manuel Sack von der Hannoveraner Kanzlei Brinkmann & Partner gemeinsam mit der Frankfurter Kanzlei Görling tief in die juristische Trickkiste, um die Suche nach verschwundenen etwa 90 Millionen Euro voranzutreiben. Sack einigte sich mit den Gläubigerausschüssen, eine hohe Belohnung auszuschreiben, um Hinweise zum Verbleib des Geldes zu bekommen.

Bis zu 18 Millionen Euro oder ein Fünftel der gesuchten Summe stehen für Tippgeber parat. Das Angebot richtet sich an Personen aus dem Umfeld der Täter, also etwa an Familienangehörige, Freunde und Bekannte, Geschäftspartner oder Mitarbeiter von Firmen, die wissentlich oder auch ahnungslos an den Machenschaften bei Heros beteiligt waren.

Denn Sack zufolge können Beträge in dieser Höhe "erfahrungsgemäß nicht ohne die Hilfe Dritter beiseitegeschafft werden". Laut Rechtsanwalt Helmut Görling ist die ausgeschriebene Belohnung die höchste, die es jemals in einem Kriminalinsolvenzfall in Deutschland gegeben hat.

Zehn Jahre, schätzt Sack, werde er mit der Heros-Insolvenz noch beschäftigt sein. Derzeit werde gegen mehr als 50 potentielle Zielpersonen ermittelt. Bei etwa 450 Millionen Euro liege der verursachte Schaden; 200 Millionen davon flossen in den Weiterbetrieb des hoch defizitären Geschäfts der Firma. Weitere Beträge wurden für private Zwecke veruntreut.

Bei der Suche nach den verschwundenen 90 Millionen Euro gibt es Anhaltspunkte dafür, dass die Täter Geld und Sachwerte in Deutschland und im Ausland versteckt haben, etwa in Bulgarien, Österreich, der Schweiz, der Slowakei und in Spanien. Sack geht davon aus, dass es sich "um eine größere Zahl von kleineren Beträgen" handelt, die aufgespürt werden soll, um das Geld in die Insolvenzkasse fließen zu lassen.

Um möglichen Tippgebern den Entschluss zu erleichtern, sich zu melden, hat der Insolvenzverwalter im Fall Heros den Rechtsanwalt Wolfgang Gerhards von der Kanzlei Görling zum Ombudsmann bestellt. Ombudsleute werden eingesetzt, um Wirtschaftskriminalität in Firmen zu bekämpfen.

Weil Hinweisgeber meist um ihre persönliche oder berufliche Existenz fürchten, brauchen diese eine Anlaufstelle, die ihnen garantiert, dass ihre Auskünfte absolut vertraulich bleiben.

Gerhards, bis zum Jahr 2005 Justizminister in Nordrhein-Westfalen, sagt mit Blick auf den Fall Heros: "Es ist zu vermuten, dass manche Personen ihr Wissen bisher zurückgehalten haben, weil sie ihre Identität nicht preisgeben wollen. Für all diese Personen stehe ich nun als Ombudsmann zur Verfügung." Er sei zur Verschwiegenheit "gegenüber jedermann" verpflichtet, auch gegenüber staatlichen Behörden.

Sollten vertrauliche Hinweise eine Belohnung wert sein, wird die Auszahlung ebenfalls über den Ombudsmann abgewickelt. Gerhards versichert, er wisse Bescheid über die Vorgänge bei Heros vor, während und nach dem Zusammenbruch der Unternehmensgruppe im Februar 2006.

Gerhards: "Vor allem aber weiß ich um die Bereitschaft mancher Täter, an der Wiedergutmachung des Schadens aktiv mitzuwirken, oder um die Versuche anderer, die Tatbeute mit allen Mitteln zu verteidigen. Deshalb bin ich mir sicher, dass ich Hinweise von Mitwissern in die richtigen Zusammenhänge einordnen kann..."

Mögliche Tippgeber können sich bei ihm auch schriftlich melden. Telefonische Hinweise können abgegeben werden unter der folgenden Hotline-Rufnummer: 069 / 25 78 07 90. Diese Leitung ist ab sofort freigeschaltet.