Babbel:Börsengang abgesagt

Pressebild Babbel Sprachen lernen

Sprachkurs am Smartphone: Viele Menschen nutzen die Zeit zu Hause, um Fremdsprachen zu lernen.

(Foto: oh)

Der Sprachlern-Anbieter profitierte von der Krise und wollte an die Börse. Nun macht er einen Rückzieher.

Der geplante Börsengang des Sprachlern-Anbieters Babbel ist überraschend abgesagt worden. Das Berliner Unternehmen gab am Dienstagabend bekannt, den geplanten Börsengang am Freitag wegen ungünstiger Marktbedingungen zu verschieben. Dies habe man gemeinsam mit den Investoren entschieden. Dennoch werde mittelfristig eine Notierung an der Frankfurter Börse angestrebt.

Bis zu 13 Millionen Aktien in einer Preisspanne von 24 bis 28 Euro hatte das Berliner Unternehmen an der Börse angeboten. Mit dem maximalen Erlös von 364 Millionen Euro sollte der Ausbau des Unternehmensgeschäfts sowie die internationale Expansion vorangetrieben werden. Außerdem strebte Babbel eine Börsenbewertung von bis zu 1,26 Milliarden Euro an.

Erst kürzlich hat der Sprachlern-Anbieter die Geschäftszahlen zum ersten Halbjahr 2021 veröffentlicht. Demnach stieg der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 18 Prozent auf 83 Millionen Euro. Im Corona-Jahr 2020 hatte das Unternehmen einen Erlös von 147 Millionen Euro erzielt. Babbel konnte dabei stark von der Pandemie profitieren. Viele Menschen nutzen die Zeit zu Hause, um Fremdsprachen zu lernen. "Wir haben ein Umdenken gesehen, was digitales Lernen angeht. Wir müssen jetzt niemandem mehr erklären, dass Sprachen lernen online auch funktionieren kann", sagt Babbel-Chef Arne Schepker. Laut Schepker handelt es sich dabei um eine nachhaltige Veränderung, die sich auch nach der Pandemie fortsetzen wird: "Wir sehen, dass auch in Ländern, die mit dem Impfen schon weiter sind und in denen es wenig bis keine Restriktionen mehr gibt, das digitale Sprachenlernen auf einem hohen Niveau bleibt."

Neben den Online-Sprachkursen bietet Babbel auch Sprachreisen an. Diese musste das Unternehmen in der Corona-Krise stornieren und das Geld an die Kunden zurückzahlen. Nach der Pandemie sollen die Sprachreisen wieder angeboten werden.

Bisher finanziert sich die Firma, die im Jahr 2007 gegründet wurde, hauptsächlich über Abo-Erlöse: Mehr als zehn Millionen Abonnements hat Babbel nach eigenen Angaben bisher verkauft. Die Anzahl der aktiven Abos nennt das Unternehmen jedoch nicht. Englischsprachige Nutzer, die Spanisch lernen, seien die wichtigste Zielgruppe des Unternehmens, sagt Babbel-Chef Schepker. Zum größten Einzelmarkt haben sich die USA entwickelt.

Der dortige Konkurrent Duolingo ist Babbel voraus: Er ist bereits im Juli an die Börse gegangen und wurde an der Wall Street mit 6,5 Milliarden Dollar bewertet. Die Sprachlern-Plattform erwirtschaftete im ersten Halbjahr 2021 einen Umsatz von etwa 114 Millionen Dollar, umgerechnet rund 96 Millionen Euro. Auch Duolingo hatte von der Corona-Pandemie profitiert und den Umsatz im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahr sogar verdoppelt.

© SZ vom 23.09.2021 / SZ
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