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Automobilzulieferer:Leoni kämpft ums Überleben

Ladekabel von Leoni: Aus dem im vergangenen Jahr angekündigten Verkauf der Kabelsparte wird vorerst nichts.

(Foto: oh)

Dem fränkischen Konzern macht nicht nur die Corona-Krise zu schaffen.

Der börsennotierte Nürnberger Autozulieferer Leoni ist ein Sanierungsfall - auch ohne Corona-Krise. Allerdings verschärfen die Folgen der Pandemie die Lage des Konzerns dramatisch, der Kabel, Drähte und elektronische Bordnetze für Fahrzeuge herstellt. Nun soll der Staat helfen, das Unternehmen mit seinen 4700 Beschäftigten in Deutschland sowie 95 000 Mitarbeitern weltweit vor dem Zusammenbruch zu retten. "Wir beantragen staatliche Finanzhilfen, um den Fortbestand von Leoni zu sichern", sagte Vorstandschef Aldo Kamper, als er die Bilanzzahlen für 2019 präsentierte.

Jahrelange Managementfehler haben die Firma, die vor wenigen Jahren noch als mustergültiges Beispiel für seriöses Wirtschaften galt, in die Bredouille gebracht. Immer wieder scheiterten die Anläufe neuer Produkte und sorgten für teils chaotische Zustände in den jeweiligen Fabriken und für gigantische Mehrkosten. Und nun auch noch das Corona-Virus, das die Geschäfte auch in Folge des Produktionsstopps bei Kunden wie VW und BMW in vielen Regionen zum Erliegen bringt.

Zum Überleben benötigt der Konzern nach Angaben von Finanzvorständin Ingrid Jägering "einige Hundert Millionen Euro." Man bewerbe sich um Darlehen im Rahmen des Großbürgschaftsprogramms, bei dem der Bund und das Land Bayern zusammen 90 Prozent des Ausfallrisikos übernehmen. Mehrere Leoni-Werke in Europa, Nordafrika und den USA wurden bereits geschlossen; vorübergehend, heißt es. Bis zu 80 Prozent der deutschen Mitarbeiter sollen in Kurzarbeit gehen.

Doch bereits vor der Corona-Krise liefen die Geschäfte miserabel. 2019 sank der Umsatz von 5,1 auf 4,8 Milliarden Euro. Schlimmer ist aber, dass Leoni nach einem Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 144 Millionen Euro im Jahr 2018 im vergangenen Jahr mit einem Minus von 384 Millionen Euro in die Verlustzone stürzte. Die Summe der Nettofinanzschulden bewegt sich bei knapp 1,2 Milliarden Euro. Ein Schuldschein über 170 Millionen Euro konnte vor Kurzem nur zurückgezahlt werden, indem das Unternehmen auf einen Betriebsmittelkredit zurückgriff.

Pläne, die Kabel- und Drahtsparte zu verkaufen, um sich in Zukunft ganz auf das Geschäft mit Bordnetzen zu konzentrieren, scheitern an den schlechten Rahmenbedingungen an den Kapitalmärkten, sagte Vorstandschef Aldo Kamper. Er sieht Fortschritte bei der Umsetzung eines Restrukturierungsprogrammes. Ein Gutachten bescheinigt Leoni eine grundsätzlich gesunde Substanz und eine Perspektive für die Zukunft. Einher mit alledem verliert die Firma aber an Wert. Seit Mitte Februar hat sich der Aktienkurs fast halbiert. Am Montag schlugen Verluste von gut zwei Prozent zu Buche.

© SZ vom 31.03.2020
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