Audi Warten auf den Wechsel

Rupert Stadler, 55, ist seit mehr als einem Jahrzehnt Vorstandschef des Autobauers Audi. Im Zuge des Dieselskandals wird gegen ihn wegen Betrugsverdachts ermittelt. Er sitzt derzeit in Augsburg in Untersuchungshaft.

(Foto: Andreas Arnold/dpa)

Audi bereitet sich auf die Zeit nach Rupert Stadler vor, der seit Monaten in Untersuchungshaft sitzt. Helfen könnte dabei der FC Bayern. Es geht nicht nur um Stadler, sondern auch um einen alten Weggefährten von VW-Chef Diess.

Von Max Hägler

Eigentlich ist dieser Montag sowieso schon recht kurzweilig für die Leute bei Audi: Der Autobauer aus Ingolstadt stellt in Kalifornien den ersten Elektro-Wagen vor, E-Tron genannt. Der Aufbruch in ein neues Zeitalter soll damit begonnen werden. Wie es aussieht, könnte das auch auf die Unternehmensführung zutreffen. Der Mutterkonzern Volkswagen kommt am Montag jedenfalls in Wolfsburg zu einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung zusammen. Dabei soll es vor allem um den anstehenden Börsengang der Lastwagen-Sparte gehen, aber auch, wie verschiedene Seiten bestätigten, um die Zukunft von Audi-Chef Rupert Stadler. Oder besser gesagt: sein Ausscheiden.

Seit beinahe drei Monaten sitzt Audi-Chef Rupert Stadler in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft München II wirft ihm vor, er solle erwogen haben, einen Mitarbeiter beurlauben zu lassen, der Staatsanwälten bei Dieselermittlungen geholfen haben soll. Das wäre Verdunkelung; wegen Betrugsverdachts wurde bereits zuvor ermittelt. Stadler widerspricht den Vorwürfen - doch das hat ihm noch nicht zur Freiheit verholfen. Und in Ingolstadt wie in Wolfsburg sind deshalb mittlerweile viele Aufsichtsräte der Überzeugung: Genug ist genug. Auch wenn es derzeit keine Anklage gegen Stadler gibt und die Unschuldsvermutung gelte, könne er nicht mehr zurückkehren auf den Chefposten, heißt es von verschiedenen Seiten - nachdem man anfangs nach der Verhaftung noch sehr klar festgehalten hatte an Stadler.

Am deutlichsten formulieren das die Arbeitnehmervertreter, die von der Notwendigkeit eines Neuanfangs sprechen und den Niederländer Bram Schot als Interimschef durchsetzten. Am Montag soll nun beraten werden, wie ein solcher Neustart aussehen soll. Kann man Stadler kündigen? Tritt er vielleicht selbst zurück, wenn die Rahmenbedingungen passen? Kein einfaches Prozedere, zumal, wie so oft, die Haltung der Eigentümerfamilien Porsche und Piëch noch nicht völlig geklärt scheint.

Und eine wichtige Anschlussfrage ist ebenfalls unbeantwortet: Wann kann Wunschkandidat Markus Duesmann als Audi-Chef nachfolgen? VW-Konzernchef Herbert Diess, der zugleich Audi-Aufsichtsratschef ist, kennt ihn vom gemeinsamen vormaligen Arbeitgeber BMW. Seit diesem Juli will Diess den Ex-Kollegen nachziehen. Duesmann aber ist bis September 2019 an BMW gebunden, und sein Vertrag untersagt danach für ein weiteres Jahr die Arbeit bei einem Konkurrenten.

Sein bisheriger Arbeitgeber macht keine Anstalten, Duesmann früher gehen zu lassen. Im Gegenteil sind sie immer noch einigermaßen vor den Kopf gestoßen vom abrupten Wechselwunsch des Spitzenmanagers. Jedenfalls heißt es aus der BMW-Zentrale: "Es gibt keine Gespräche mit dem Volkswagen-Konzern über Duesmann." Doch das könnte sich ändern. Wie im Fußball geht es um die Frage: Was wäre eine schöne Ablösesumme? Und Fußball könnte dabei tatsächlich Teil der Lösung sein. Seit Monaten schon wird geredet, dass sich der FC Bayern und BMW zusammentun wollen - und dafür Audi als Sponsor weichen soll. Laut Bild am Sonntag sind sich der Fußballverein und der Münchner Autobauer nun weitgehend einig. BMW würde demnach mehr als 100 Millionen Euro für die 8,33 Prozent der FC-Bayern-Anteile zahlen, die Audi derzeit hält; und dazu jährlich einen zweistelligen Millionenbetrag für das Sponsoring. Kommentiert wird das nicht von den Genannten, allerdings hört man aus dem VW-Konzern und der Markentochter Audi: Unser Sponsoring-Vertrag mit dem FC Bayern läuft bis zum Jahr 2025, daran halten wir bis zur letzten Minute fest.

Es sei denn, schwingt da mit, man bekomme etwas geboten, was einen früheren Vertragsausstieg schmackhaft machen würde. Fußballclub-Anteile gegen Spitzenmanager? Zumindest denken einige über diese kuriose Lösung nach. Max Hägler