Arbeitssuche Schmerzhaft nachgetreten

Wenn Mitarbeiter im Netz motzen, sehen viele Jobsuchende von der Bewerbung ab. Das ist nicht nur für die Firmen schlecht, sondern auch für diejenigen, die einen neuen Arbeitgeber suchen. Worauf man achten sollte.

Von Larissa Holzki

Arbeitsatmosphäre? "Druck bis zum Umfallen." Vorgesetztenverhalten? "Rückgratlos, falsch - das Allerletzte." Work-Life-Balance? "Kann man mehr oder weniger vergessen." Wenn Ex-Angestellte und frustrierte Mitarbeiter im Netz ihre Arbeitgeber bewerten, sind die Kommentare oft böse. Für Unternehmen wird das zunehmend zum Problem: Immer mehr Jobsuchende schauen sich auf den öffentlichen Bewertungsportalen um, zeigt eine Studie des Digitalverbands Bitkom.

Demnach geben 45 Prozent der berufstätigen Internetnutzer an, sich schon mal auf Portalen wie Kununu und Jobvote und informiert zu haben. Acht von zehn wechselwilligen Interessenten lassen sich davon in ihrer Entscheidung beeinflussen. Und bei mehr als der Hälfte von ihnen sind die gelesenen Meinungen schon ein Grund gewesen, sich gegen einen Arbeitgeber zu entscheiden.

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Aber lässt sich aus den Beiträgen tatsächlich auf die Qualität des Arbeitsplatzes schließen? Kritiker bemängeln, dass zufriedene Arbeitnehmer keinen Anreiz haben, Erfahrungsberichte zu schreiben. Für Angestellte, die sich mit dem Chef überworfen haben, sind sie hingegen eine Möglichkeit nachzutreten. Und sehr gute Beurteilungen könnten auch gekauft sein.

Bei den Anbietern der Bewertungsportale glaubt man an den aufklärerischen Geist der Arbeitnehmer. "Aus der Forschung wissen wir: Unsere Nutzer wollen Erfahrungen teilen, ihre Arbeitsbedingungen verbessern oder einfach Feedback an den Arbeitgeber geben", sagt Johannes Prüller von Kununu. Karriereberater sehen die Bewertungen und ihre Aussagekraft kritischer: "Da verschaffen sich hoch entrüstete Menschen Luft", sagt Bewerbungshelfer Gerhard Winkler. Ein Erkenntnisinteresse werde eher nicht bedient. "Ziehen Sie keine Bewertung zur Entscheidungsfindung heran, in der unter massivem Gefühlseinsatz irgendein Arbeitnehmer-Unrecht aufgearbeitet wird", rät er.

Auch Karrierecoach Bernd Slaghuis mahnt: "Eine schlechte Bewertung auf Kununu sollte kein K.-o.-Kriterium für die Bewerbung sein." Trotzdem empfiehlt er Klienten, sich die Kommentare anzuschauen. Was wird häufig kritisiert? Womit sind viele Mitarbeiter zufrieden? "Wenn unter hundert Bewertungen immer wieder Aussagen wie ,keine richtige Führungshaltung' und ,Führungskräfte sind eine Katastrophe' auftauchen, ist das ein Hinweis", sagt Slaghuis. In einem Gespräch sollten Bewerber auf solche Themen besonders achten: "Fragen Sie sich, woran Sie bemerken würden, dass sich die Meinungen im Netz bestätigen."

Besonders bei kleineren Firmen können die Reaktionen der Arbeitgeber aufschlussreicher sein. Die Unternehmensberater Sascha Theisen und Manfred Böcker haben sich angeschaut, wie Firmen mit der öffentlichen Kritik auf Kununu umgehen: Viele sind tapfer und bieten Gespräche an - sogar dann, wenn die Arbeitsbedingungen als "Käfighaltung in veralteten Büros" beschrieben werden. Fast acht Prozent der Antworten stufen die Berater aber auch als zumindest unterschwellig aggressiv ein. Mehr als die Hälfte dieser ruppigen Reaktionen hätten Geschäftsführer selbst verfasst, sagt Theisen und zeigt ein Beispiel: "Wenn es denn soooo schlimm in unserem Unternehmen für Sie ist, wieso kündigen Sie nicht einfach."

In solchen Fällen wird auch für Bernd Slaghuis der Einzelfall interessant: "Personalleiter und Geschäftsführer prägen eine Unternehmenskultur zentral, gerade bei einem kleinen Mittelständler", sagt er. Ihre Einstellung, einfach mal zurückzuschießen, sollte ein Signal für den Jobsuchenden sein: "Guck dir genau an, wie die Kultur im Unternehmen aussieht."

Den Lieblingsflop von Theisen und Böcker hat sich allerdings ausgerechnet ein großes Telekommunikationsunternehmen geleistet: Auf den Vorwurf, der Arbeitgeber sei herzlos geworden, antwortete eine leitende Mitarbeiterin, erst kürzlich hätten alle Mitarbeiter Markenturnschuhe geschenkt bekommen.

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