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Anlageverhalten:Mehr Risiko

Geschichte über die Bauabteilung der Schlösserverwaltung, Schloss Nymphenburg. Wiedereröffnung der nördlichen Appartements nach einjähriger Restaurierung (Apartement des Kurfürsten).

Goldenes Schlüsselloch an einer Schublade eines Sekretärs im Schloss Nymphenburg. Der Zugang zu vermögenden Kunden will gepflegt sein.

(Foto: Florian Peljak)

Wegen der Folgen der Pandemie verändern vermögende Kunden ihr Geldanlageverhalten. Dafür wollen sie mehr Beratung.

Von Christiane Kaiser-Neubauer

Diskretion und exklusive Betreuung - dafür stehen Privatbanken, die ihre Dienste vermögenden Kunden anbieten. Insgesamt gibt es hierzulande noch 275 dieser Traditionshäuser, die teils mit Gründungsdaten im 16., 17. und 18. Jahrhundert schon so manche Kriege und Krisen überstanden haben. Das Jahr 2020 wird dennoch in die Geschichte eingehen. Zunächst wurde mit dem Bankhaus Lampe eines der letzten deutschen Institute mit persönlich haftenden Bankiers just zu Beginn der Pandemie von der Familie Oetker an Hauck & Aufhäuser, Frankfurter Bank mit chinesischem Eigentümer, verkauft. Was danach folgte, war selbst für die altehrwürdigen Institutionen eine Zäsur.

Laut Klaus Vikuk, Vorstand der Fürstlich Castell'schen Bank, ist Corona hinsichtlich seiner Auswirkungen mit nichts vergleichbar. "Im März sind ausnahmslos alle Märkte in einer starken negativen Abwärtsbewegung gewesen, das war bei anderen Krisen anders. Neben dem Aktienmarkt waren Anleihen und Gold als Alternative ausgeschieden", sagt Vikuk. Es folgten schwierige Tage. Trotz hoher Nervosität blieb der Großteil der Kunden der fürstlichen Familien Castell-Rüdenhausen und Castell-Castell ruhig, sicherte sich gegen weitere hohe Verluste ab und konnte spätere Kursgewinne verbuchen.

Weiter südlich in Augsburg verdoppelte die Fürst-Fugger-Privatbank ihre Beratungszeit. "Der Gesprächsbedarf unserer Kunden ist durch die Pandemie deutlich gestiegen, und dem sind wir auch nachgekommen. Es war nicht so, dass viele Kunden in diesem Jahr gesagt hatten, wir gehen jetzt raus aus der Vermögensverwaltung und lösen alles auf, im Gegenteil", sagt Martin Fritz, Vorstandsvorsitzender der Fuggerbank. Zum Halbjahr lag das Neukundenvolumen der einstigen Bank des Hauses Habsburg doppelt so hoch wie im Vorjahr. "Es ist ein Trend feststellbar, früher investierten unsere Kunden überwiegend im konservativen und defensiven Bereich und im offensiven mit bis zu 100 Prozent Aktien so gut wie niemand. Das hat sich komplett umgedreht", sagt Fritz. Nur sehr wenige der rund 2000 Kunden in der Vermögensverwaltung hätten heute ein reines Renten-Portfolio.

Teuer, aber unverzichtbar: Banken brauchen kompetente Kundenberater

Oliver Geiseler stellt den Instituten kein schlechtes Zeugnis aus. "Bei den Hauptertragsquellen gab es speziell im März und April auch größere Rückgänge zu sehen, die dann aber durch das insgesamt gestiegene Transaktionsvolumen mehr als kompensiert wurden", sagt Geiseler, Partner der Beratungsfirma Capco. Solange Bewegung in den Depots ist, verdienen die Banken, egal ob Kurse steigen oder fallen. Das Geschäftsumfeld ist schwierig. Die Niedrigzinspolitik der EZB verschlechtert die Ertragslage. "Wenn sie keine Skaleneffekte, schlanke Prozesse und über ein günstiges, effizientes Backoffice verfügen, ist das Geschäft nicht besonders profitabel zu betreiben. Und der Druck wird noch stärker werden", sagt Geiseler.

Die Fürstlich Castell'sche Bank schloss im Vorjahr drei unrentable Filialen. "Die Margen halten wir aktuell konstant. Aufgrund weiter steigender regulatorischer Anforderungen ist mit steigenden Kosten zu rechnen. Wir investieren in interne Prozessverschlankungen und unser digitales Angebot, um dem entgegenzuwirken", sagt Vikuk. Eine neues Software-System schlug mit einem mittleren sechsstelligen Betrag zu Buche. Ein großer Kostenblock sind die hoch bezahlten Mitarbeiter, doch sind sie im Beziehungsmanagement der anspruchsvollen Kunden unverzichtbar.

Zur Abwicklung des Zahlungsverkehrs und anderer Dienste nutzen die Häuser Castell und Fugger das Rechenzentrum der Genossenschaftsbanken Fiducia. Zusätzlichen Mehraufwand bringen die EU-Vorgaben für Eigenkapital, Vermögensberatung und zur Dokumentationspflicht. "Die Formalismen, die man in der Beratung einhalten muss, erschweren uns das Geschäft und bestärken den Trend weg von der aktiven Anlageberatung hin zur Vermögensverwaltung. Das mandatierte Geschäft macht mit über 75 Prozent einen hohen Anteil aus, und damit sichern wir uns nachhaltige Erträge", sagt Fritz.

Das Eigenkapital der Bank, heute Tochter der Nürnberger Versicherung, lag vor 15 Jahren um rund 30 Prozent niedriger als heute. "Dieses Geld müssen sie erst einmal verdienen. Da haben sie schon ordentlich Druck auf der Ertragsseite", sagt Fritz. Die Vermögensverwaltung bringt der Fuggerbank konstante Einnahmen. Im Gegensatz zu den großen Geschäftsbanken haben die auf Geldanlage spezialisierten Privatbanken wenig Spielraum, um dem Margenrückgang durch eine Ausweitung ihrer Kreditbücher zu begegnen. "Wir machen nur Vermögensverwaltung, konzentrieren uns darauf und verzetteln uns nicht mit anderen Dingen. Für einige Kunden bieten wir auf Wunsch auch Finanzierungen an", sagt Fritz. Bereits 1999 trennte sich die Bank vom Firmenkundengeschäft.

Wie die UBS berechnen hierzulande etwa Berenberg und Bethmann Negativzinsen. "Wir verlangen Verwahrentgelte nur in Einzelfällen, dabei finden wir gemeinsam mit unseren Kunden individuelle Lösungen. Derzeit planen wir keine einheitliche Einführung eines Verwahrentgeltes, beobachten aber die Entwicklungen am Markt", so Vikuk. Der Gebührentrend dürfte sich noch spürbar beschleunigen. Die betuchte Klientel goutiert dies nicht, wie Mittelabflüsse von rund 700 Millionen Euro bei der Bethmann-Bank zeigen.

Trotz negativer Tendenzen übt das deutsche Geschäft hohe Anziehungskraft aus. "Die Margen sind im Vergleich mit anderen Märkten noch verhältnismäßig gut, und es gibt eine große Anzahl an Private-Banking-Kunden. Nicht ohne Grund sagt eine Consorsbank der BNP Paribas, sie will jetzt stärker ins Vermögensverwaltungsgeschäft eintreten", sagt Experte Geiseler. Um das Bankhaus Lampe hatten sich auch die Großbanken UBS und ABN Amro bemüht. Die Konsolidierung dürfte weitergehen.

© SZ vom 23.09.2020
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