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Alles wird teurer:Luxusware Gummibärchen

Rohstoffe zur Herstellung von Nahrungsmitteln werden weltweit immer knapper und verteuern deshalb die Produkte

Die Ankündigung von satten Preiserhöhungen für viele Nahrungsmittel, für Bier und auch für Süßwaren haben die Verbraucher aufgeschreckt. Milch und Milchprodukte sollen bis zu 50 Prozent, Fleisch bis zu 30 Prozent und die Süßwaren mehr als 10 Prozent teurer werden.

Schon sehen Verbraucherschützer und einige Politiker Abzocker am Werk. Doch in Wirklichkeit wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Zwar sind die Erzeugerpreise der Landwirtschaft im ersten Halbjahr um durchschnittlich 9,7 Prozent gestiegen. Beim Verbraucher angekommen sind bis August indessen "nur" 2,4 Prozent.

Gedämpft wurde der Preisanstieg durch den harten Wettbewerb in der Ernährungsindustrie und im Lebensmittelhandel. Hersteller und Handel stehen im Herbst vor einem neuen Machtkampf, wenn es darum geht, die Preise für die letzten Monate dieses Jahres, vor allem aber für 2008 auszuhandeln. Folgt man Branchensprechern beider Seiten, muss der Verbraucher keine unliebsamen Überraschungen mehr befürchten.

Die Deutschen lieben es preiswert

Um die 3 Prozent dürfte sich die Preiserhöhungen bei den Nahrungsmitteln für dieses Jahr einpendeln, schätzt Sabine Eichner Lisboa, die Geschäftsführerin der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie.

Nicht so günstig davon kommen könnten allerdings die Liebhaber von Süßem. Die Süßwarenindustrie schließt nicht aus, dass eine Reihe von Unternehmen das Weihnachtsgeschäft zu deutlichen Preiserhöhungen nutzt. In jedem Fall steht eine Preisrunde Anfang 2008 ins Haus.

Gut elf Prozent geht in Deutschland vom Haushaltseinkommen für Nahrungsmittel und Getränke drauf. Dabei haben es die Bundesbürger besser als die meisten anderen EU-Bürger. Das Leben ist hierzulande im Schnitt um sechs Prozent billiger als im EU-Durchschnitt. Der deutsche Verbraucher ist nach Darstellung des Lebensmittelhandels aber auch "ausgesprochen preissensibel". Für die Geschäfte sei es undenkbar, ihre Kostensteigerungen einfach weiter zu geben.

Verhindert wird eine solche Preispolitik schon durch den Wettbewerb im Handel, der nirgendwo so knochenhart ausgetragen wird wie in Deutschland. So gibt es in keinem anderen Land so viele Discountmärkte. Sie haben bei den Nahrungsmitteln einen Marktanteil von fast 42 Prozent. Allein in diesem Jahr kommen 800 neue Billigläden dazu.

Den Preisdruck sieht die Nahrungsmittelindustrie als ein globales Problem. Die Zeit von Butterbergen und Milchseen sei vorbei. Weltweit steige die Nachfrage nach hochwertigen Lebensmitteln, und westliche Ernährungsgewohnheiten würden andernorts übernommen, sagte Branchensprecherin Eichner. Die Weltbevölkerung wachse, das Angebot an landwirtschaftlichen Flächen sei jedoch begrenzt. Die Industrie drängt darauf, Pflanzen primär für die Herstellung von Lebensmitteln und nicht für die Gewinnung von Biosprit zu nutzen. Diese "Konkurrenz" treibe die Preise zusätzlich.

© SZ vom 27.9.2007
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