Aeroflot soll Alitalia helfen Ciao, Towarisch!

Wladimir Putin besucht Silvio Berlusconi in dessen Villa auf Sardinien - und nach einem kleinen Gespräch auf Augenhöhe steht die russische Aeroflot zur Rettung der maroden Alitalia bereit.

Seinen Freund Wladimir Putin empfing der frischgewählte italienische Ministerpräsident Berlusconi als ersten internationalen Staatsgast in seiner Villa in Porto Rondo auf Sardinien.

Die großen alten Männer greifen ins Drama um die italienische Alitalia ein - Russlands Präsident Putin zu Gast bei Silvio Berlusconi.

(Foto: Foto: Reuters)

Der scheidende russische Präsident und der Italiener gelten als enge Freunde und natürlich fanden sie warme Worte füreinander: Italiens Stimme habe Gewicht in der EU, sagte Putin. Moskau zähle auf die Unterstützung durch Rom in der Union.

Berlusconi, der im Mai das Amt des Ministerpräsidenten zum dritten Mal offiziell antreten wird, erklärte, er wolle sich für eine Abschaffung der Visumspflicht zwischen Russland und der EU einsetzen. Auch die russische Gazprom und der italienische Energiekonzern Eni sollen verstärkt zusammenarbeiten.

Vor allem aber wollen die beiden Freunde die Kooperation ihrer Länder im Luftfahrtsektor verstärken. Die russische Fluggesellschaft Aeroflot stehe bereit, die Alitalia vor dem Ruin zu retten, versicherte Präsident Putin am Freitag auf der Mittelmeerinsel - der Chef der Aeroflot habe ihm die Bereitschaft zu neuen Verhandlungen versichert.

Halbstaatlicher Retter aus Russland

Darauf kann man sich verlassen, sollte man meinen - die Aeroflot gehört zu 51 Prozent dem russischen Staat. Andererseits störte die Zeitung Il Giornale die italienischen Hoffnungen mit der Meldung, dass Aeroflot-Chef Waleri Okulow einen Zusammenschluss mit Alitalia bereits ausgeschlossen habe.

Im Drama um die Übernahme der Alitalia liegen die Verhandlungen zwischen der italienischen Fluggesellschaft und Air France-KLM derzeit wegen Differenzen der Franzosen mit den italienischen Gewerkschaften auf Eis. Nun scheint der neue alte Ministerpräsident Italiens noch vor seinem Amtsantritt für neue Bewegung in dem Debakel sorgen zu wollen - indem er seine internationalen Kontakte spielen lässt.

Und Hilfe ist nötig, denn die Alitalia fliegt täglich einen Verlust von einer Million Euro ein. Und die Finanzspritzen vom italienischen Staat werden wohl bald schwieriger werden - die EU-Kommission in Brüssel machte klar, dass Italiens eigene Möglichkeiten bei einer Rettung der Fluggesellschaft stark eingeschränkt sind: Neue Beihilfen erlaube das EU-Recht nicht, sagte ein Sprecher, weil sie den Wettbewerb verzerren.

Das schert die Italiener wenig, wenn man Zeitungsberichten glauben darf. Die Regierung habe Pläne, Alitalia eine Kreditlinie von 100 bis 150 Millionen Euro einzuräumen. Damit soll Zeit gewonnen werden, einen Käufer zu finden, berichteten italienische Tageszeitungen am Freitag. Die Regierung sei bereit, dafür auch Sanktionen auf EU-Ebene einzugehen. Staatspräsident Giorgio Napolitano, der das Dekret gegenzeichnen müsste, lehne die Regierungspläne allerdings ab.

Die Verzweiflung muss groß sein: Der italienische Staat versucht schon seit längerem, sich von seinem Anteil von 49,9 Prozent an der Verlust-Airline zu trennen. Die fünftgrößte europäische Fluggesellschaft mit ihren 20.000 Beschäftigten gilt weithin als Sanierungsfall, der ohne einen drastischen Abbau von Arbeitsstellen nicht zu retten ist.

Was von den italo-russischen Plänen zu halten ist, bleibt unsicher. Aeroflot hatte bereits im vergangenen Jahr zu den Kaufinteressenten des knapp 50-prozentigen Staatsanteils an Alitalia gehört, sich dann aber im vergangenen November zurückgezogen. Und nach den Worten Berlusconis soll vor der Aufnahme von Gesprächen mit den Russen zunächst der Ausgang der Verhandlungen mit Air France-KLM abgewartet werden. Möglicherweise dient der halbstaatliche Werber Aeroflot nur als Appetitanreger für die Franzosen.