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Adyen :Eine Schwäche für Deutschland

Alexa von Bismarck ist seit Mai Chefin bei Adyen Deutschland und konzentriert sich seither auf den Mittelstand und Start-ups.

Von Nils Wischmeyer

Nach dem erfolgreichen Börsengang soll Adyen weiter wachsen, nicht zuletzt auch in Deutschland. Zur Bundesrepublik hat der niederländische Zahlungsanbieter seit jeher eine besondere Beziehung.

Alexa von Bismarck, seit Mai neue Deutschland-Chefin bei Adyen, sitzt im Berliner Büro am Hackeschen Markt und nennt Deutschland gar den "Sweet Spot", also den Lieblingsplatz der Niederländer. Immerhin war der erste größere Kunde des Zahlungsdienstleisters die Berliner Firma "CityDeals", die später von der US-Rabatt-Plattform Groupon gekauft wurde. Sie war es, die dem damals noch jungen Start-up Vertrauen schenkte und ihm half, überhaupt Fuß zu fassen.

Seither habe sich das Geschäft gut entwickelt, sagt Alexa von Bismarck, auch wenn es Aufholpotenzial gebe. Traditionell hat Adyen immer auf große Unternehmen geschaut und versucht, sie als Partner zu gewinnen. In Deutschland aber wich Adyen von dieser Strategie ab. "Wir konzentrieren uns bei neuen Kunden neben internationalen Unternehmen auch auf den Mittelstand und deutsche Tech-Firmen", sagt von Bismarck. Gerade aus der florierenden Start-up-Szene in Berlin kommen zunehmend Anfragen.

Diese und natürlich auch die größeren Unternehmen begleite man innerhalb der Bundesrepublik, aber vorrangig, wenn sie ins Ausland expandieren. Es gehe mehr darum, mit den bestehenden Kunden zu wachsen, als zwangsläufig neue zu gewinnen.

Auf der anderen Seite sind Bismarck und ihr Team aus 20 Mitarbeitern auch daran beteiligt, wenn Firmen aus dem Adyen-Kosmos nach Deutschland expandieren wollen.

Der deutsche Markt an sich ist nämlich speziell. Die Konsumenten in Deutschland haben viele verschiedene Präferenzen, wenn es ums Bezahlen geht: Sepa-Lastschrift, die Girokarte, Überweisungen, Paypal, Paydirekt und Kreditkarten würden die Deutschen eigentlich standardmäßig erwarten. "Einfach ist der Markt definitiv nicht", sagt Bismarck. "Aber davon profitieren wir dank unserer breiten Angebotspalette sogar."

In den vergangenen Jahren ist es für Adyen einfacher geworden, seine Präsenz in Deutschland auszubauen, auch und gerade weil das Unternehmen inzwischen bekannter ist. Das hat zum einen mit größeren Deals zu tun, etwa dass Adyen den US-Konkurrenten Paypal als Zahlungsdienstleister bei Ebay abgelöst hat. Zum anderen trägt der Börsengang dazu bei, dass Adyen bei mehr Firmen auf den Radar kommt. Das sei aber nicht ausschlagend für den Bekanntheitsgrad in Deutschland gewesen, so Bismarck.

© SZ vom 01.08.2018
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