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Skatbank:Deutschlands radikalstes Geldinstitut 

Eine Bank fuer jeden Skatverein

Die Skatbank will noch weitere Asse aus dem Ärmel ziehen: Sie denkt über pfiffige Angebote bei Ratenkrediten oder Dispozinsen nach.

(Foto: Michael Klug/dapd)

Als erste Bank schaffte die Skatbank den Dispozins ab - wer ist diese Bank?

Von Meike Schreiber und Heinz-Roger Dohms, Frankfurt

Ein Dispo ohne Zins - darauf muss man erst mal kommen. Noch verblüffender als die Idee ist allerdings, wer sie sich ausgedacht hat. Nicht die ING Diba, die sich gern als Avantgarde in Bankendeutschland sieht. Nicht die Commerzbank mit ihrer "Wir haben verstanden"-Attitüde. Und auch nicht die Deutsche Bank mit ihrer großen Marketingabteilung, sondern die Skatbank mit einer Bilanzsumme von gerade einmal 558,5 Millionen Euro und acht Mitarbeitern.

Es dauert ein paar Tage, bis man Holger Schmidt, den Vorstandschef, endlich am Telefon hat. Es gibt bei der Skatbank nämlich keinen Pressesprecher. Und auch die Marketingbeauftragte ist nicht immer greifbar - sie arbeitet nebenher als Textildesignerin. Hat man Schmidt schließlich am Telefon, sagt er lapidar: "Die Idee kam von den Mitarbeitern. Die haben immer wieder gute Ideen." Es klingt derart beiläufig, dass man ihm nicht mal Koketterie unterstellen mag. Als ob Schmidt gar nicht bewusst wäre, welchen Coup er da gelandet hat.

Die Skatbank sorgt für Aufsehen, weil sie sich mehr traut als andere Banken

Es ist nicht der erste. Im Gegenteil, seit Jahren erregt die Skatbank immer wieder Aufsehen, weil sie sich Sachen traut, die sich andere Banken nicht trauen - und sie damit das Selbstverständnis der ganzen Branche infrage stellt. Im Sommer 2008 zum Beispiel bot das bis dahin unbekannte Institut plötzlich 4,75 Prozent Zinsen aufs Festgeld. Klang wie ein unseriöser Marketing-Gag. Hatte aber zur Folge, dass potenzielle Kunden in ganz Deutschland auf die Skatbank aufmerksam wurden. Den gleichen Effekt mit einer Werbekampagne zu erzielen, wäre deutlich teurer gekommen.

Einen noch größeren Aufschrei verursachte die Skatbank im vergangenen Herbst. Da verhängte sie als erstes hiesiges Finanzinstitut einen Strafzins auf große Spareinlagen. Tagelang war die Branche damit beschäftigt, in der Öffentlichkeit klarzustellen, dass der Minuszins nur die spinnerte Idee einer unbedeutenden Minibank sei. Doch dann taten es andere Institute plötzlich der Skatbank gleich, sogar die große Commerzbank. Der Außenseiter war zum Vorreiter mutiert.

Angefangen hat alles 2007. Damals stellte sich der Vorstand der VR-Bank Altenburger Land - einer stinknormalen Volksbank in der thüringischen Provinz - die Frage, wie man auf lange Sicht noch wachsen kann. Da die Jungen in die Städte ziehen, hat das Altenburger Land wie viele ländliche Regionen demografische Probleme. So verfielen Schmidt und seine Kollegen auf die Idee, eine Onlinebank zu gründen. Die würde ihre Dienste schließlich deutschlandweit anbieten können. Der Name Skatbank war schnell gefunden. "Das lag nah, schließlich ist Altenburg die Skatstadt", sagt Schmidt. Mehr als 15 000 Kunden hat das Institut seitdem gewonnen, quasi ohne jede Werbung.

Warum die Thüringer gerade unter aufgeklärten Bankkunden als Geheimtipp gelten, lässt sich anhand von zwei Beispielen illustrieren. Beispiel eins: Zu den sinnvollsten Riester-Produkten zählen Verbraucherschützern zufolge sogenannte Banksparpläne. Sie werfen allerdings kaum Provisionen ab - weshalb die wenigsten Institute das Produkt überhaupt anbieten. Die Skatbank dagegen tut dies sehr wohl. Und wurde Ende 2013 von der Stiftung Warentest zum besten überregionalen Anbieter ausgerufen.

Beispiel zwei: Während das private Girokonto bei vielen Banken wie selbstverständlich kostenlos ist, bietet kaum ein deutsches Geldinstitut ein kostenloses Geschäftskonto an. Auch in diese Lücke stieß die Skatbank, weshalb sich unter ihren Kunden inzwischen mehr Freiberufler und Gewerbetreibende befinden als Privatleute. Diese Klientel umgarnen die Thüringer übrigens auch mit einem Direktkredit von bis zu 100 000 Euro für den Kauf einer Maschine oder die Anschaffung der Büroausstattung. Das Produkt ist in der deutschen Bankenlandschaft ein ziemliches Unikat.

Manchmal macht die Skatbank den Eindruck eines unbedarften Skatnovizen, der mal eben einen Grand ohne Buben spielt. Harakiri aber, so versichert Schmidt, betreibe sein Institut nicht. Das Girokonto mit zinsfreiem Dispokredit bis 2500 Euro zum Beispiel sei "sauber durchkalkuliert, es rechnet sich besser als das kostenlose Konto der Commerzbank mit Begrüßungsgeld". Der Grund: Die Skatbank verlangt für das Konto eine monatliche Pauschalgebühr von 7,50 Euro.

Aus Kundensicht mag man das üppig finden. Man kann aber auch sagen, dass so eine Flatrate letztlich fairer und transparenter ist als ein Konto, das auf den ersten Blick kostenlos daherkommt, den Kunden dann aber beim Dispo oder mit irgendwelchen Gebühren abkassiert. Was als nächstes kommt? "Im Bereich der Dispozinsen und auch der Ratenkredite wird sich noch einiges tun", sagt Schmidt. Und wenn er sich schon mal in die Karten blicken lässt: Einen neuartigen "Familienkredit" wolle die Skatbank demnächst auch anbieten.

© SZ vom 25.03.2015
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