Neue Louboutin-Kollektion:In Haut und Farbe

Neue Louboutin-Kollektion: Nudepumps sind in - nicht zuletzt aufgrund der Vorliebe von Herzogin Catherine von Cambridge. Diese trägt die Schuhe regelmäßig zu offiziellen Anlässen, hier etwa 2012 in Singapur.

Nudepumps sind in - nicht zuletzt aufgrund der Vorliebe von Herzogin Catherine von Cambridge. Diese trägt die Schuhe regelmäßig zu offiziellen Anlässen, hier etwa 2012 in Singapur.

(Foto: dpa)

Hautfarben bedeutet in der Mode bisher: in der Farbe weißer Haut. Schuhdesigner Christian Louboutin ändert das und bringt Pumps auf den Markt, die für die Haut aller Ethnien passende Töne beinhaltet - von Hellbeige bis Kastanie. Er schließt damit eine Marktlücke.

Von Christina Metallinos

Beige, Champagner oder Eierschale? Farbverwirrte konnten vor drei Jahren aufatmen, denn all diese Farbtöne der Modebranche wurden plötzlich in einem neuen Trend zusammengefasst. Fortan hießen Stücke in diesen Farben nur noch nude, also nackt, und beschrieben Modestücke in allen Schattierungen der Haut. Also, der Haut weißer Menschen.

Schon als Michelle Obama 2010 in der neuen, trendigen Nichtfarbe zu sehen war, entbrannte eine Diskussion darüber, ob Nude-Mode rassistisch sein könnte. Bei einem Dinner im Weißen Haus trug die Gattin von Barack Obama ein Kleid der Designerin Naeem Khan.

Diese bezeichnete ihre Kreation als "nudefarbenes, trägerloses Abendkleid" - obwohl es sich von Michelle Obamas Haut deutlich unterschied. Auch der Bericht der Agentur AP machte das Dilemma nicht besser. In einem Bericht vermieden die Autoren zwar den Nude-Begriff, bezeichneten das Kleid aber stattdessen als "flesh", was so viel wie fleischfarben heißt.

Nude für Alle

Drei Jahre später ist Nude nicht mehr revolutionär, aber etabliert. Zum Beispiel bei Pumps. Absatzschuhe in Hauttönen gehören inzwischen zu den Allzweckwaffen im Schuhschrank. Kein Wunder, passen sie doch zu jedem Abendkleid und scheinen die Beine zu verlängern.

Auch Schuhdesigner Christian Louboutin hat, natürlich, seit Jahren Nude-Pumps im Sortiment. Seine neueste Kollektion scheint jedoch endlich einen ersten Schritt in Richtung Lösung der Nude-Frage für alle Ethnien zu sein. Fortan bietet Louboutin in den Vereinigten Staaten Nude-Pumps in fünf verschiedenen Farben an. Diese sollen zu jedem Hautton passen - von Hellbeige bis Kastanie.

Damit Kundinnen den perfekten Ton für ihre Schuhe herausfinden, hat die Marke eine eigene App herausgebracht, mit der man seine Füße fotografiert. Mit Hilfe der App soll man dann herausfinden, welcher der neuen Nude-Töne der passende ist. Offenbar hat Louboutin eine echte Marktlücke entdeckt und - dank klugen Marketing - diese zumindest für die kaufkräftigen Frauen geschlossen. Die beiden dunklen Modelle "Ada" und "Safki" sind bereits ausverkauft. Ein Paar kostet umgerechnet etwa 450 Euro.

Neben der reinen Namensgebung hat die Debatte um Nude-Mode aber einem ganz alltäglichen Problem nichtweißer Frauen eine Öffentlichkeit verschafft: Während es für europäische und nordamerikanische Frauen ein Leichtes ist, hautfarbene BHs und Unterhosen zu finden, stehen viele Frauen afrikanischer, asiatischer oder lateinamerikanischer Herkunft vor dem Problem, keine "unsichtbare" Wäsche kaufen zu können. Die Amerikanerin Tara Raines hat deshalb auf Facebook die Kampagne "What's your Nude?" gegründet.

Sie fordert damit Unterwäschehersteller auf, auch braune BHs in ihre Kollektionen aufzunehmen. Vielleicht setzt Louboutin damit nach seinen roten Sohlen einen weiteren Trend.

© Süddeutsche.de/leja
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