Kurz gesichtet Schön und gut

Blick zurück: Ein alter Entwurf für ein Eames-Radio wird neu aufgelegt - und eine Versteigerung in Paris offeriert Designklassiker von Ettore Sottsass. Blick nach vorn: Warum gewinnt die Anti-Pelz-Bewegung in der Mode an Einfluss? Weil es sich auszahlt.

Von Anne Goebel, Max Scharnigg und Silke Wichert
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Das Ehepaar Eames experimentiert schon früh in seiner Designkarriere mit gebogenem Schichtholz, wie man es auch von der Schale des legendären Eames Lounge Chair kennt. Mit dem Material entstanden aber auch Gehäuse für Radioapparate. Ein Entwurf für ein kompaktes und minimalistisch gestaltetes Radio aus dem Jahr 1946 ging allerdings nie in Produktion, es war den Kunden damals einfach zu klein und zu technisch. Mehr als 70 Jahre nach seiner Entwicklung greift der Möbelhersteller Vitra in Zusammenarbeit mit dem Eames Office den Entwurf jetzt aber wieder auf und präsentiert das immer noch modern wirkende Radio - ergänzt mit Technik des britischen Radio-Herstellers Revo. Dieses wiederentdeckte Eames-Radio richtet sich aber vor allem an Sammler und Designfreaks, davon zeugt nicht nur der Preis von 999 Euro - es ist auch auf 999 Stück limitiert.

Bücher, Spielzeug, Mottenkugeln - bei Amazon kriegt man fast alles. Kleidung und Schuhe natürlich auch, aber davon verkauft der Online-Riese noch relativ wenig. Und genau das würde er gerne ändern. Seit Jahren werden Kollektionen mit Stars wie Drew Barrymore lanciert und Influencer wie Chiara Ferragni als Aushängeschild für "Amazon Fashion" verpflichtet. Slogan: "Don't look like me, look like you." Individualismus als Kernkompetenz des größten Warenhauses der Welt? Vielleicht kein Wunder, dass der gewünschte Erfolg bislang ausbleibt. Deshalb geht Amazon jetzt neue alte Wege. Am Dienstag öffnet für fünf Tage Europas erster "Amazon Pop-up Store" in London. So richtig zum Reingehen und Anfassen. Neben Eigenmarken wie Find werden dort auch Teile von Filippa K oder Tommy Hilfiger hängen. Wer etwas kaufen will, kann das - ganz altmodisch - an der Kasse tun. Oder die Etiketten scannen und alles nach Hause liefern lassen. Bleibt die Frage an Amazons Smart Speaker: "Alexa, reicht das, um fashionable zu sein?"

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Auf Pelz zu verzichten, zahlt sich für Modefirmen immer mehr aus. Wie der Branchendienst Business of Fashion berichtet, wiegt der Imagegewinn durch tierfreundliche Richtlinien fehlende Verkäufe von Nerzmänteln oder Fellstiefeln locker auf. Das Anti-Fur Movement habe weiter die junge Luxusklientel im Blick, für die neben dem Design ethische Kriterien bei der Markenwahl entscheidend sind. Der Onlineshop Net-à-porter etwa hat bei einer Befragung ermittelt, dass für 72 Prozent seiner Kunden Umweltschutz beim Kauf eine Rolle spielt - danach kündigte Net-à-porter das Aus für Echtpelz im Sortiment an. Marken wie Calvin Klein oder Armani verarbeiten schon länger kein Tierfell mehr. Zuletzt hatte Gucci eine regelrechte Welle ausgelöst mit seiner Verzichterklärung vor einem Jahr - und der entsprechende Instagram-Post, zehntausendfach geliked, macht für das italienische Label jedes Paar nicht verkaufte Pelzschläppchen wett. Stella McCartney - im Bild der Webpelz-Mantel Tianna aus der aktuellen Kollektion - hat als eines der ersten Designhäuser auf die Verwendung von echtem Fell verzichtet.

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Seine rote Schreibmaschine für den Hersteller Olivetti ist einer der bekanntesten Designklassiker. Der Italiener Ettore Sottsass schuf auch einen Mickymaus-Tisch, eine bananengelbe Bushaltestelle oder Möbelkollektionen im Stil von Pop-Art. Ebenfalls ziemlich bunt zusammengewürfelt sind die Objekte einer Auktion in Paris, die dem 2007 gestorbenen Gründer der Memphis-Design-Gruppe gewidmet ist. Mehr als sechzig Stücke aus allen Schaffensperioden stehen zum Verkauf, von Möbeln bis zu Keramiken und Glasarbeiten. Sottsass galt mit seinen knalligen Farbspielen als Querkopf der Branche, was seinem Erfolg nicht geschadet hat. Die Auktion bei Artcurial umfasst seltene Stücke wie den Barbarella-Schreibtisch aus den Sechzigern oder zwei gekurvte Sessel von 1970 (Foto). Infos und Schätzpreise unter artcurial.com.

Im Moment sieht es ganz so aus, als ginge der Sommer gar nicht mehr zu Ende. Aber irgendwann wird's soweit sein - für trübe Tage will die Marke Frau Tonis Parfum vorsorgen. Der neue Duft aus Berlin heißt Bouquin und soll mit Noten von Sizilianischer Zitrone und Moschus an einen Spaziergang im Spätsommer erinnern. In limitierter Auflage gibt es einen Doppelpack aus Flakon und Literatur - die Beigabe ist Kurt Tucholskys Schönwetter-Romanze "Rheinsberg".