Kurz gesichtet Bunter Sommermix

Die Stil-Entdeckungen der Woche: Hermes bittet zur Vinyl-Party in die Boutique, der Westen entdeckt grüne Kosmetik aus Korea, Angela Merkel trägt weiterhin Blazer - und die Mode von Zazi Vintage macht ein gutes Gewissen.

Von Anne Goebel und Silke Wichert
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Hermès mischt Seide und Musik - und bringt seinen Silk Mix Pop-Up-Store nach München. Die französische Marke mit dem gediegen exklusiven Charme möchte damit Männern ihre Produkte näherbringen, für die ein seidenes Einstecktuch nicht unbedingt zur Grundausstattung gehört. Die temporäre Boutique ist aufgemacht wie ein Plattenladen, nur dass die Cover auf Motiven der gemusterten Hermès-Schals basieren. Kunden können sich Empfehlungen von Stilberatern holen oder ihre Krawatte personalisieren lassen. Die Musik im Store stammt von Thierry Planelle, Mitbegründer des Pariser Alternativ-Senders Radio Nova (19. Juli bis 28. Juli, Brienner Straße 12).

Woche eins nach Angela Merkels Modepremiere: Bahnbrechende Veränderungen ihrer Garderobe sind nicht zu erkennen. Blazer in Himmelblau und Korallenrot beim Treffen mit Chinas Staatschef, auf dem Nato-Gipfel die Variante in elegantem Königsblau - bewährte Klassiker. Zum Ende der Fashion Week in Berlin hatte sich die Kanzlerin bei einem Empfang erstmals mit deutschen Modegrößen gezeigt. Auf der Terrasse des Kanzleramts gruppierten sich Anita Tillmann und Christiane Arp vom Fashion Council und Designer wie Adrian Runhof oder Lutz Huelle zum Erinnerungsfoto. Wobei der Fokus nach vorn gerichtet war: Man werde künftig die Branche "wo es sinnvoll ist" unterstützen, versprach Merkel. Das schürt Hoffnungen, aber es braucht Geduld - nichtmal in Frankreich wird la mode konstant hofiert. Dort hatte Emmanuel Macron kürzlich große Couturiers zum Diner geladen. Das letzte Mal gab es das vor mehr als 30 Jahren.

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Hübscher Ethno-Look mit viel dahinter, damit wurde das Berliner Label Zazi Vintage bekannt. Denn für ihre Kreationen verwendet die gebürtige Niederländerin Jeanne de Kroon Textil aus alten Beständen, damit keine neuen Rohstoffe verbraucht werden. Die Kleider mit Ikat-Print sind aus leuchtender usbekischer Seide gefertigt, die fliegende Händler für de Kroon aufspüren und auf dem Landweg ins indische Jodhpur bringen. Dort werden die Kleider in Zusammenarbeit mit einer NGO von Näherinnen zu fairen Löhnen gefertigt, damit sie sich eine eigene Existenz aufbauen können. Jede Kollektion von Zazi Vintage erzählt ihre eigene Geschichte. Die aktuelle ("Chapter Six") heißt "Yves Klein Blue in the Pink City": Viele Blusen und Kostüme sind aus Mulberry-Seide in leuchtendem Yves-Klein-Blau, benannt nach dem französischen Maler, oder strahlendem Weiß. Mit dem Erlös soll die medizinische Versorgung der indischen Frauen verbessert werden. Gute Sache (zazi-vintage.com).

Wasserlandschaft aus Plastik: Der neue Recycled Park in Rotterdam besteht vollständig aus wiederaufbereitetem Abfall. Die schwimmende Anlage setzt sich aus achteckigen Elementen mit üppiger Bepflanzung und Sitzbänken zusammen, über Fußwege sind sie miteinander verbunden. Der Plastikmüll für die Bausteine wird aus der Nieuwe Maas gefiltert, auf dem Fluss haben die Initiatoren sogenannte Müllfallen installiert. Jährlich gelangen mehr als 1000 Kubikmeter Plastikabfall über die Maas in die Nordsee. Die schwimmenden Inseln werden auch unter der Wasseroberfläche begrünt, um Fischen Platz zum Laichen zu bieten (recycledpark.com).

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Der Name Korea hatte zuletzt, fußballtechnisch gesehen, hierzulande keinen guten Klang - Kosmetik aus Südkorea gilt weiter als Non Plus Ultra bei Beauty-Kennern. Jetzt entdeckt der westliche Markt Innisfree, die erste südkoreanische Naturkosmetik-Marke. Für seine Produkte bezieht das Unternehmen einen Teil der Inhaltsstoffe aus Jeju-do, einer Provinz im Süden des Landes mit Kraterseen. In der Vulkanlandschaft wächst auch der grüne Tee für den Bestseller "Green Tea Seed Serum", der das Hautbild klären soll. Innisfree, benannt nach einer Insel in Irland, unterstützt südkoreanische Umweltschutz-Initiativen (innisfree.com).

Karl Lagerfeld, neuerdings als Bartträger offenbar frei von Berührungsängsten mit Massentrends, setzt auch geschäftlich auf Breitenwirkung. Der Chanel-Designer hat eine Kollektion für das Versandhaus Zalando lanciert. Im Online-Shop sind die Entwürfe des 84-Jährigen seit dieser Woche zu haben. Inspiriert von Streetwear - Lagerfelds Verfemung der Jogginghose ist eine Weile her -, umfasst die schwarz-weiße Serie Kapuzenpullis, Lederhosen und Trainingshosen. Logos wie der "Karl"-Schriftzug sind prominent platziert.