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Zweiter Union-Sieg:Berliner Beruhigung

Gegen den SC Freiburg zeigt der 1. FC Union Berlin seine stärkste Leistung der Saison - und untermauert die Bundesliga-Tauglichkeit. Die Freiburger hadern mit der körperbetonten Spielweise der Unioner.

Am Ende konnte man sich kaum noch sicher sein, was Christian Streichs Stimmung am meisten verhagelt hatte. Der Umstand der 0:2-Niederlage beim 1. FC Union Berlin an sich? Weil er doch dazu führte, dass Streichs SC Freiburg an einem neuen Bundesliga-Startrekord vorbeischrammte? Dass der Schiedsrichter die körperbetonte Spielweise der Berliner als legitim interpretierte? Oder am Ende doch das, was Streich von sich aus thematisierte: der Einsatz pyrotechnischer Mittel durch Freiburger Fans im Gästeblock des Berliner Stadions An der Alten Försterei, der Schwaden über den Rasen ziehen ließ?

1. FC Union Berlin - SC Freiburg

Marcus Ingvartsen (Mitte), Unions Torschütze zum 2:0, jubelt mit Teamkollege Christopher Trimmel.

(Foto: Monika Skolimowska/dpa)

"Ich weiß nicht, ob sie besonders cool sein wollten, weil sie in der Hauptstadt sind", grollte Streich. Er nannte die Fackelei "eine Katastrophe", "du kommst auf den Platz und alles ist verraucht." - "Ich kenne das gar nicht von uns, ich weiß nicht, was das soll", fügte der Trainer hinzu, und wollte seine Bemerkungen nicht als Nebelkerzen verstanden wissen. Denn auch wenn man den Einsatz von Pyrotechnik "gar nicht gebrauchen" konnte, wie er sagte - "das ist keine Entschuldigung dafür, dass wir verloren haben. Verloren haben wir wegen uns." Und, wie Streich ebenfalls betonte: weil Union in vielen Belangen besser war.

Union bleibt erstmals ohne Gegentor

Mehr noch: Es war unter Umständen die vollständigste Leistung der Unioner der laufenden Saison. In jedem Fall war sie der Beweis dafür, dass sich die Unioner berechtigterweise der Bundesliga zugehörig fühlen dürfen. Kein Köpenicker hat den ersten Bundesliga-Sieg der Klubgeschichte vergessen, Ende August siegte der 1. FC Union bekanntlich mit 3:1 gegen Borussia Dortmund. Einer Mannschaft also, die mit ähnlich viel frischem Lorbeer auf dem Haupt daherkam wie nun die Freiburger. Zuletzt aber hatte Union vier Niederlagen aneinandergereiht. Das führte zwangsläufig dazu, dass zumindest "sotto voce", wie man in der Musik sagen würde, die Frage nach der Bundesligatauglichkeit zu hören waren. Trotz der vielfältigen Lobeshymnen der Gegner. So gesehen kam der zweite Saisonsieg der Köpenicker nicht bloß zur rechten Zeit. Er war für die Beruhigung des eigenen Nervenköstüms überfällig.

Brand in Freiburger Sonderzug

Im Berliner S-Bahnhof Bellevue ist am Samstagabend ein Sonderzug mit Hunderten Fußballfans in Brand geraten. Mindestens drei Menschen wurden durch Rauchvergiftungen verletzt, sagte ein Sprecher der Berliner Feuerwehr. Demnach brannte in dem Zug ein Waggon "in voller Ausdehnung". Offenbar handelt es sich um einen von einem privaten Unternehmen betriebenen Zug, mit dem Fans des SC Freiburg nach dem Bundesligaspiel bei Union Berlin zurückreisen wollten. Insgesamt waren dem Sprecher zufolge mehrere hundert Fans in dem Zug. Sämtliche Waggons wurden den Angaben zufolge geräumt, ebenso wie zwei S-Bahnen, die zeitgleich mit dem brennenden Zug in den Bahnhof eingefahren waren. Der Nah- und Fernverkehr auf der Strecke wurden gestoppt. dpa

Zu den kuriosen Begleitumständen des Sieges zählte erstens, dass der dienstälteste Profi Unions, Michael Parensen, mit 32 Jahren zu seinem Bundesligadebüt kam - und nostalgische Gefühle für den verletzt ausgefallenen Neven Subotic nicht aufkommen ließ. Und zweitens, dass Marius Bülter den Weg zum Sieg ebnete - er war schon gegen Dortmund mit zwei Toren der Siegesgarant gewesen. Diesmal wurde er es dadurch, dass er nach weniger als 60 Sekunden Spielzeit die Führung erzielte. Er zog aus gut 20 Metern Entfernung ab, der Ball bohrte sich unerreichbar für Freiburgs Torwart Alexander Schwolow ins Netz. Kurz danach verletzte sich ebendieser Schwolow an den Adduktoren - und musste durch den 20-jährigen Niclas Thiede ersetzt werden. Der Einsatz des nominell dritten Keepers der Freiburger war für die Niederlage der bisherigen Überraschungsmannschaft der Saison aber nur bedingt ursächlich - auch wenn sich Thiede beim 0:2 durch Ingvartsen (84. Minute) einen Stellungsfehler leistete.

Die Berliner verdienten sich den Sieg vor allem dadurch, dass sie es schafften, die Gefahr für das eigene Tor so sehr zu minimieren, dass sie am Ende erstmals in dieser Spielzeit ohne Gegentor blieben. Sieht man von einem traumhaften Spielzug in der Mitte der zweiten Halbzeit ab, bei dem der eingewechselte Nils Petersen nach zwei Doppelpässen zum Abschluss kam, fehlte es den Freiburgern an Klarsichtigkeit, um die Unioner wirklich in Bedrängnis zu bringen. "Es war ein toller Auftritt meiner Mannschaft und sie hat sich endlich mal belohnt", sagte Unions Trainer Urs Fischer, dessen Mannschaft nun erst einmal den Relegationsplatz verlassen durfte. "Für den weiteren Verlauf unserer Meisterschaft ist das entscheidend", fügte der Schweizer hinzu - was nicht heißt, dass er die drei Punkte, die beim nächsten Spiel zur Debatte stehen, fest eingeplant hätte. Denn am kommenden Wochenende reist der 1. FC Union Berlin zum FC Bayern nach München.