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VfL Wolfsburg:Eigentor am Faxgerät

Gewonnen und doch verloren: Nach dem Einsatz des gesperrten Marian Hristov und der damit verbundenen Disqualifikation im DFB-Pokal richtet sich beim VfL Wolfsburg die Kritik gegen Manager Pander. Und alles wegen eines verloren gegangenen Faxes.

Der Montag begann für Peter Pander, 53, den Geschäftsführer des VfL Wolfsburg, mindestens so unerfreulich, wie der Sonntag geendet hatte. Beim Blick in die Zeitungen hat Pander von den Wolfsburger "Pokal-Trotteln" lesen müssen, und - viel schlimmer noch - ein Interview, das der frühere Fußballchef des Klubs, Wolfgang Heitmann, der Wolfsburger Allgemeinen Zeitung gegeben hatte.

Hristov

Ohne Marian Hristov wäre der VfL wohl noch im Wettbewerb.

(Foto: Foto: dpa)

Der VfL, wurde Heitmann dort zitiert, habe "ein Führungsproblem. Das war auch der Grund, warum ich zurückgetreten bin. Ich bin jetzt gespannt, ob auch andere die Courage haben, zurückzutreten." Wem die unverhüllte Forderung galt, war klar: Pander, dem Mann, der in 13 Jahren die Profiabteilung des Klubs maßgeblich mit aufgebaut und geprägt hat und der nun, so der frühere Abteilungs-Boss, die Verantwortung dafür trage, dass sich der VfL "einfach lächerlich" gemacht habe.

Heitmann hat kein Amt mehr, aber noch immer Einfluss. Man könnte ihn als Sprecher der ersten Opposition in Wolfsburg seit dem Bundesliga-Aufstieg 1997 bezeichnen, deren Vertreter die Besetzung der sportlichen Leitung angesichts so ehrgeiziger Ziele wie Uefa-Cup und Champions League längst nicht mehr für optimal halten. Und Pander selbst hatte den internen Kritikern am Sonntag reichlich Argumente geliefert.

Suche nach DFB-Fax

3:0 hatten die VfL-Profis bei den Amateuren des 1. FC Köln standesgemäß in der ersten Runde des DFB-Pokals gesiegt - und waren dennoch ausgeschieden. Wegen eines Formfehlers. Pander war entgangen, dass der eingesetzte Zugang Marian Hristov wegen einer Roten Karte, die er im Pokalfinale 2003 im Trikot des 1. FC Kaiserslautern gegen den FC Bayern gesehen hatte, noch gesperrt war.

15 Minuten nach dem Anpfiff war Kölns Manager Andreas Rettig mit jener Auflistung des Deutschen Fußball-Bundes bei dem Kollegen vorstellig geworden, auf der die Namen der Spieler verzeichnet sind, die in der ersten Pokalrunde nicht spielberechtigt waren. Wenig später hatte das DFB-Sportgericht dem Protest der Kölner schon im Schnellverfahren stattgegeben und die Partie mit 2:0 Toren für den FC gewertet. Auch VfL-Anwalt Christoph Schickhardt hatte da längst eingeräumt, dass ein Widerspruch chancenlos sei. Andernfalls hätte die für den Abend anberaumte Auslosung der nächsten Runde abgesagt werden müssen.

In Wolfsburg begann am Montag ein hektisches Treiben. Bereits am Morgen wurde in einer Sitzung nach den Ursachen für den Fauxpas gesucht, den VfL-Sprecher Kurt Rippholz "einen handwerklichen Fehler" nannte, der dem Verein einen "Imageschaden" zugefügt habe. Gefahndet wurde auch weiter nach jenem Fax, in dem der DFB die Klubs am 3. August um 15.34 Uhr über die gesperrten Spieler informiert hatte.

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