Unterhaching Einmal nicht aufgepasst

Redebedarf: Unterhachings Dominik Stahl sagt Schiedsrichter Henrik Bramlage seine Meinung.

(Foto: Sven Leifer/imago/foto2press)

Die SpVgg kassiert trotz guter Leistung gegen die Würzburger Kickers die erste Niederlage - und beklagt nur eine Schiedsrichterentscheidung.

Von Christoph Leischwitz

Dass es nichts bringt, mit dem Schiedsrichter zu diskutieren, musste Dominik Stahl am Sonntagnachmittag noch mal lernen. Er hatte den Weg zurück an den eigenen Sechzehnerraum angetreten, als der defensive Mittelfeldspieler stehen blieb und dem Schiedsrichter sagte, was er von dessen Freistoß-Entscheidung hielt. Dann flog der Freistoß an den Sechzehner der SpVgg Unterhaching, die Zuordnung stimmte nicht, der Würzburger Kai Wagner köpfte den Ball zu Dominic Baumann, und der köpfelte den Ball per Heber ins Tor (55.). Die Würzburger Kickers hatten mit dem vierten Ligasieg in Serie das bayerische Drittliga-Derby beim Spitzenreiter gewonnen, der bis dahin das einzige ungeschlagene Team der Liga gewesen war.

Die mitgereisten Würzburger Fans hatten noch ein wenig Frust mit in die Münchner Vorstadt gebracht: "Wer nicht kämpft hat im Derby nichts verloren", stand auf einem Transparent, in Anlehnung an das verlorene Toto-Pokalspiel gegen den FC Schweinfurt (1:3). Auch wenn ein Einspruch noch läuft - Schweinfurt hatte womöglich zu wenige U-23-Spieler im Kader -, waren Spieler und Trainer nicht zufrieden gewesen mit ihrer Leistung gegen den Regionalligisten. Gegen den Spitzenreiter der dritten Liga lief es dann viel besser. "Auch wenn sie mit uns stinkig waren, ich denke, wir haben heute eine gute Reaktion gezeigt. Wir hatten einen guten Plan", sagte Tor-Vorbereiter Wagner.

Hachings Trainer Claus Schromm fand, er habe schon lange keine so mutige Gästemannschaft mehr im heimischen Sportpark erlebt, der Sieg sei völlig verdient gewesen - auch wenn er die Entstehung des Tores kritisierte. "Ich glaube, jeder im Stadion hat gesehen, dass das kein Freistoß war." Nur den Ball gespielt? "Nur", antwortete Stahl zu der Szene, der unmittelbar nach Schlusspfiff seinen Zweikampf noch einmal auf einem Bildschirm zu sehen bekam. Schromm und Stahl waren sich aber auch einig: Diesen Freistoß aus dem Mittelkreis kann man besser verteidigen, "dann würden reden wir hernach nicht mehr von ihm reden", so der Trainer.

Auffällig war, dass die favorisierten Hachinger vor dem Gegentreffer keine einzige klare Torchance gehabt hatten. Der bis dahin einzige auffällige Spieler auf dem Platz war der spätere Torschütze Dominic Baumann gewesen, der über die rechte Angriffsseite die Hachinger Abwehr immer wieder vor Probleme stellte. Unmittelbar nach einer Verletzungspause tauchte der 23-jährige Angreifer erstmals vor Torwart Lukas Köningshofer auf, er konnte den halbhohen Schuss mit dem Arm abwehren. Kurz vor der Pause köpfte dann Dave Gnaase aus kurzer Distanz aufs Tor, der manchmal unsicher wirkende Königshofer lenkte den Ball um den Pfosten (45.). Die sonst so kombinationsstarken Hachinger fanden nur selten zum Abschluss, einmal köpfte Stephan Hain zu ungenau aufs Tor (22.). Die wenigen Chancen waren auch Resultat einer konsequenten Würzburger Spielweise, die Räume zuzulaufen. "Haching hatte keinen Zugriff", freute sich Würzburgs Trainer Michael Schiele.

Nach dem 0:1 kippte das Spiel, plötzlich kam Unterhaching zu Chancen. Danach sei man "einen Schritt tiefer gestanden", sagte Schiele. Zweimal Hain und einmal Alexander Winkeler vergaben die besten Hachinger Möglichkeiten zwischen der 58. und der 61. Spielminute. "Eigentlich müssen wir in der zweiten Halbzeit mehr Fußball spielen, aber wir sind riesenglücklich", sagte Schiele. Sein Trainerkollege Schromm sagte: "Jetzt haben wir mal nicht gepunktet. Des schadet auch mal nicht. Was wir die letzten Tagen und Wochen hören durften, das muss man erst mal verarbeiten", sagte er über die unerwartete Tabellenführung. Und mahnte zur Vorsicht: Das Auswärtsspiel in Meppen nehme womöglich niemand richtig ernst. Weil danach der "Wahnsinn", das Heimspiel gegen den TSV 1860 München anstehe. Eine Partie, in der mit Sicherheit auch wieder viel mit und über den Schiedsrichter gesprochen wird.