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Ultra-Fanszene:Kritik an Geisterspiel-Plan

Ultra-Fanszene kritisiert Geisterspiel-Plan

Die Vorhaben der Deutschen Fußball Liga (DFL), mit Geisterspielen den Bundesliga-Betrieb aufzunehmen, stößt auf Widerspruch in Teilen der Stammkundschaft. Die "Fanszenen Deutschlands", ein Zusammenschluss der deutschen Ultra-Szenen, äußerten sich in einer via Facebook verbreiteten Botschaft wie folgt: "Eine baldige Fortsetzung der Saison wäre blanker Hohn gegenüber dem Rest der Gesellschaft und insbesondere all denjenigen, die sich in der Corona-Krise wirklich gesellschaftsdienlich engagieren. Wenn seit Wochen über einen Mangel an Kapazitäten bei Covid-19-Tests berichtet wird, ist die Idee, Fußballspieler in einer extrem hohen Taktung auf das Virus zu untersuchen, schlicht absurd." Es dürfe "keine Lex Bundesliga" geben: "Fußball hat in Deutschland eine herausgehobene Bedeutung, systemrelevant ist er jedoch ganz sicher nicht." Ab wann Geisterspiele stattfinden sollen, ist offen. Dennoch folgert die Ultra-Szene: Bei einem Neustart in den nächsten Wochen würde sich der Fußball vom Rest der Gesellschaft entkoppeln - und somit "ein Eigentor schießen".

Zudem lasse der Plan der 36 in der Deutschen Fußball Liga (DFL) organisierten Erst- und Zweitligisten die Belange der Ligen drei und vier außer Acht, für die "Geisterspiele ohnehin keine Option" seien. "Es darf unter den Vereinen keine Krisengewinner und -verlierer geben", heißt es. Die Schere zwischen ,,groß'' und "klein'' dürfe nicht weiter auseinandergehen.

Auch der Profifußball täte gut daran, die Krise als Chance zu begreifen. Die Vereine sollten sich überlegen, was strukturell falsch laufe, wenn Klubs mit dreistelligen Millionenumsätzen binnen weniger Wochen vor der Pleite stünden. "Ein System, in das in den letzten Jahren Geldsummen jenseits der Vorstellungskraft vieler Menschen geflossen sind, steht innerhalb eines Monats vor dem Kollaps, der Erhalt der Strukturen ist vollkommen vom Fluss der Fernsehgelder abhängig, die Vereine existieren nur noch in totaler Abhängigkeit von den Rechteinhabern", heißt es. Deshalb laute das Fazit: "Der Profifußball ist längst krank genug und gehört weiterhin in Quarantäne."

© SZ vom 17.04.2020
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