TSG 1899 Hoffenheim "Ich bin kein Abramowitsch"

SZ: Ist es tatsächlich ein Gedanke, solche Top-Spieler zu verkaufen?

Hopp: Ich weiß, dass bei potenten Vereinen, etwa in England, die Begierde groß ist. Aber alle haben Verträge. Wir brauchen sie und wollen alle behalten.

SZ: Für 20 Millionen hätten Sie Nationalspieler kaufen können - Sie holten Talente, die keiner kannte. Meint Trainer Ralf Rangnick genau das, wenn er sagt: Einige "Schlaumeier" hätten "nicht geschnallt", dass Hoffenheim anders sei als Chelsea oder Red Bull Salzburg?

Hopp: Wir haben eine ganze Heerschar junger Spieler. Es geht bei uns um Konzepte, nicht um große Namen. Und wir haben mal ganz unten angefangen.

SZ: Für Neider ist Hoffenheim "Bonzenfußball". Gegnerische Fans spotteten: "SG Neureich Bimbeshausen", Sie selbst wurden in Auswärtsstadien angefeindet.

Hopp: Die Ewiggestrigen werden weiter so denken, es gibt viel Neid den Wohlhabenden gegenüber. Wenn ich mir vorstelle, welche Leute sich den Mund über uns zerrissen haben - peinlich. Wenn uns Fans auf der Tribüne nicht mögen, ist das okay, so lange es nicht unter die Gürtellinie geht. Aber bei Offiziellen anderer Vereine ärgert mich das. Die sollen darauf achten, was sie selbst vorzuweisen haben. Es ist im Sport wie in der Wirtschaft: Es kommen neue Firmen hoch - und die sollte man akzeptieren.

SZ: Sie mit Oligarch Roman Abramowitsch zu vergleichen, ist Unfug?

Hopp: Ich glaube, das hat der Letzte begriffen. Abramowitsch hat das x-fache in Chelsea gesteckt. Aber er hat nie für diesen Klub Fußball gespielt, und schaut sich wohl auch keine Jugendspiele an.

SZ: Sie selbst haben zwei Drittel ihres Vermögens in eine Stiftung umgeleitet. Sie unterstützen Biotech-Firmen, Kliniken, Altersheime und Ausbildungszentrem (Anpfiff ins Leben e.V.). Den früheren Topverein der Region, Waldhof Mannheim, retteten Sie vor der Insolvenz und spendeten ihm drei Millionen Euro für ein Talentzentrum. Warum?

Hopp: Mir ist es wichtig, die Menschen der Region mitzunehmen. Über meine Stiftung sind schon über 130 Millionen Euro in diverse Projekte geflossen. Auch das Verhältnis zum Waldhof ist freundschaftlich, wir unterstützen dort mit Geld und Know-how. Ich sehe das auch ein Stück als Sozialarbeit an, im Mannheimer Norden ist das besonders nötig.

SZ: Mischen Sie sich bei der TSG ins operative Tagesgeschäft ein?

Hopp: Nein, gar nicht. Dafür haben wir andere erstklassige Leute

SZ: Wie kamen Sie 2006 darauf, den früheren Schalker Trainer Rangnick in die Regionalliga zu locken?

Hopp: Dass ich so einen Supertrainer gekriegt habe, wundert mich selbst. Ohne unsere Jugendarbeit wäre er nie gekommen. Heute ist er froh darüber.

SZ: Stimmt es, dass in Ihrem Hoffenheimer Elternhaus eine Döner-Bude ist?

Hopp: Nee, das glaube ich nicht, aber Moment, ich frag mal den Fahrer (...). Er sagt: Ja. Das habe ich noch gar nicht gesehen. Ich habe zu dem Haus schon deshalb keine Beziehung mehr, weil der schöne Garten dort schon lange weg ist.