Rodel-WM in Nagano Medaillenregen für Deutsche

Silke Kraushaar ist zum ersten Mal Rodel-Weltmeisterin. Platz Zwei und Drei belgeten Barbara Niedernhuber und Titelverteidigerin Sylke Otto. Die Bayern Patric Leitner und Alexander Resch siegten im Doppelsitzer vor dem thüringisch-sächsischen Duo André Florschütz und Torsten Wustlich.

Erst fuhr Silke Kraushaar Bahnrekord, dann beobachtete sie im Ziel ihre Teamkolleginnen und ließ kurz darauf den Tränen freien Lauf: Die 33-jährige Oberhoferin gewann in der Spirale von Nagano erstmals in ihrer Laufbahn die WM-Goldmedaille im Rodeln. Patric Leitner/Alexander Resch feierten bereits ihren dritten Titel nach 1999 und 2000.

"Das Abwarten im Ziel war viel schwieriger als die Fahrt. Ich war total aufgeregt, jetzt freue ich mich riesig", sagte Kraushaar. Die Nagano-Olympiasiegerin hatte nach dem ersten Durchgang auf Rang vier gelegen.

Die "ewige Zeite" Barbara Niedernhuber als Führende leistete sich kleine Unsauberkeiten und holte mit 0,042 Sekunden Rückstand wieder mal Silber, Bronze gab es für Titelverteidigerin Sylke Otto. WM-Neuling Tatjana Hüfner (beide Oberwiesenthal) wäre fast gestürzt und fiel von Rang zwei auf Position acht zurück.

"Aber eigentlich ist das der Wahnsinn"

Die optimale Ausbeute für den Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD) komplettierten Andre Florschütz/Torsten Wustlich (Oberhof/Oberwiesenthal), die um 0,344 Sekunden geschlagen Silber holten. Bronze sicherten Mark Grimmette/Brian Martin (USA) mit 0,350 Sekunden Abstand.

Kraushaar hatte schon vor sechs Jahren bei den Winterspielen vor Niedernhuber triumphiert. Nun ist ihre Titelsammlung komplett, ans Aufhören denkt die Thüringerin aber nicht: "Ich bin nach wie vor motiviert, mein nächstes großes Ziel sind die Olympischen Spiele 2006 in Turin."

Die 29-jährige Niedernhuber freute sich über Silber. "Ein bisschen trauere ich der Goldmedaille schon nach. Aber eigentlich ist das der Wahnsinn. Zur Feier des Tages werde ich jetzt mein Hirn fluten", sagte die Athletin vom WSV Königssee: "Vielen Dank an Georg Hackl, der sein ganzes Wissen in meinen Schlitten gesteckt hat."

Die Konkurrenz "nach dem ersten Lauf geschockt"

Weltcup-Gewinnerin Otto verpasste die Chance, als zweite Frau nach Margit Schumann (1973, 1974, 1975, 1977) zum vierten Mal in Serie den WM-Titel zu gewinnen. Die deutschen Rodlerinnen sind seit November 1997 in 84 internationalen Rennen ungeschlagen. Bei einer WM konnte letztmals 1993 die Italienerin Gerda Weissensteiner in die Phalanx der Deutschen fahren, die nun zum fünften Mal hintereinander bei Titelkämpfen alle Podestplätze besetzten.

Olympasieger Leitner sah die Konkurrenz "nach dem ersten Lauf geschockt". Auch im zweiten Durchgang gelang dem Bayern-Duo die Bestzeit. "Wir sind langsam in die Saison gestartet, haben hart an Schlitten und Athletik gearbeitet und sind jetzt belohnt worden", erklärte der 26-Jährige aus Berchtesgaden: "Da wir erst am Montag zurückfliegen, haben wir jetzt zwei Tage für eine richtige Sause Zeit."