Regionalliga-Serie Weniger Rumpeln

Der Überraschungsklub VfB Eichstätt, hinter dem FC Bayern Tabellenzweiter der Regionalliga Süd, plant für den DFB-Pokal: Er hat in Ingolstadt angefragt, ob er den Sportpark mieten kann. Die Einnahmen sollen in die Infrastruktur fließen.

Von Christoph Leischwitz

Kürzlich bekam Hans Benz einen Anruf aus dem hohen Norden, ein Vertreter des VfL Wolfsburg II war dran. Beim Tabellenführer der Nord-Regionalliga wollte man sichergehen, dass der VfB Eichstätt keine Ambitionen hegt, in die dritte Liga aufzusteigen. Die Sieger der Staffeln Nord und Bayern müssen Ende Mai schließlich gegeneinander antreten, und Eichstätt ist im Freistaat aktuell immerhin punktgleicher Tabellenführer mit dem FC Bayern München II. Doch der VfB-Abteilungsleiter machte dem Anrufer aus Wolfsburg klar, dass deren Reise gut 100 Kilometer weiter in den Süden führen wird, zum FC Bayern München II nämlich. Denn Eichstätt wird vielleicht ja noch Amateurmeister. Aber deswegen noch lange kein Profiklub.

Es ist gerade einmal zweieinhalb Jahre her, dass sie beim VfB zaghaft begannen, darüber nachzudenken, ob überhaupt die Regionalliga machbar ist. Das Stadion schien selbst dafür zu klein zu sein, doch die Mannschaft klopfte nach dem Wechsel aus der Bayernliga Süd in die Nordstaffel zwei Mal oben an. So wurden sie kreativ und erbastelten sich die Viertliga-Tauglichkeit. Jetzt ist der VfB auch dort eine Spitzenmannschaft. "Unglaublich" sei das alles, sagt Benz. Zumindest ein bisschen erstaunlich ist zugleich, wie wenige Regionalligisten selbst in Bayern mitbekommen hatten, dass außer dem FC Bayern München II nur noch der FC Memmingen einen Lizenzantrag für die dritte Liga gestellt hatte. Wohl auch deshalb, weil die Bayern selbst nicht viel darüber reden - sie warten noch auf die Erklärung der Verbände, wer nun hochoffiziell gemeldet hat und wer nicht.

Mal eben den Sprung in den Profibereich wagen, das ist für den VfB aktuell schlicht unmöglich, aus mehreren Gründen. Erstens ist die Mannschaft so sehr in der Stadt verhaftet, dass ein Ausweichen in ein größeres Stadion nicht infrage kommt. Der Ausbau des eigenen Platzes würde Millionen kosten, wenn er flächenmäßig überhaupt realisierbar wäre. Und das müsste der Verein dann auch noch weitgehend selbst stemmen. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Regionalligisten gehört dem VfB das Stadiongrundstück, auf Erbpacht bis 2035, und nicht der Stadt. Diese scheidet deshalb als möglicher Verhandlungspartner für eine Expansion aus.

Die Light-Variante des Profitums ist die Teilnahme am DFB-Pokal. Und diese haben die Eichstätter seit dem 2:1-Sieg am vergangenen Wochenende gegen Memmingen und dem sechsten Sieg in Serie nun so gut wie sicher, weil für die Amateurmeisterschaft keine Zweitvertretung eines Profiklubs in Frage kommt und der FC Schweinfurt bei noch 15 zu vergebenden Punkten 15 Punkte Rückstand hat. Das Erstrundenspiel werde man höchstwahrscheinlich nicht im heimischen Stadion spielen, "je nach Gegner", sagt Benz auf Anfrage, man hatte schon vor einigen Wochen beim benachbarten Zweitligisten FC Ingolstadt angefragt, ob die Möglichkeit bestehe, in dessen Sportpark anzutreten - und zumindest schon mal positive Signale erhalten.

"Die Einnahmen werden wir nicht in den Kader stecken, sondern in unsere Infrastruktur. Da hast du was davon", sagt Benz. Als Beispiel nennt er neue Duschen. Die Stimmung im Stadion sei ja immer hervorragend, aber die Verhältnisse alles andere als ideal. So könne man bestimmt noch ein wenig Geld in einen besseren Rasen investieren, zumal in Eichstätt ja jetzt "nicht mehr solche Rumpelfußballer" spielen. Das Umfeld soll etwas professioneller werden. Aber selbst dann wird der VfB der Regionalliga noch eine ganze Weile erhalten bleiben.