Pferdesport:Alles, was gut ist

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Hamburg 89 Deutsches Spring und Dressur Derby 2018 TEBBEL Maurice GER Chaccos Son Hamburg 8

Auf dem Sprung in die Weltspitze: Maurice Tebbel reitet mit Chaccos’ Son auf Platz zwei beim Hamburger Turnier.

(Foto: Stefan Lafrentz/imago)

Springreiter Maurice Tebbel empfiehlt sich mit Platz zwei bei der Global Champions Tour nachdrücklich für die Nationenpreis-Auswahl von Bundestrainer Otto Becker.

Von Gabriele Pochhammer, Hamburg

"Schade, dass es nicht noch ein Springen gibt heute", sagte Maurice Tebbel und strahlte übers ganze Gesicht. So redet einer, für den es bestens gelaufen ist. Der 24-Jährige gewann auf dem Hamburger Derbyplatz mit Don Diarado die Qualifikation zur Global Champions Tour (GCT) und wurde wenig später mit seinem Starhengst Chacco's Son in der GCT-Wertung auch noch Zweiter. Im Stechen versuchte er vor allem, ohne Fehler zu bleiben, ganz reichte die Zeit nicht, um den Weltranglisten-Ersten Harry Smolders aus den Niederlanden auf Don VHP Z zu schlagen, aber von der 300 000-Euro-Prämie blieben immerhin 60 000 für Tebbel übrig. Eine gute Nachricht auch für Bundestrainer Otto Becker, der stets nach Reitern sucht, mit denen er seine Nationenpreis-Teams bestücken kann, vor allem im September bei den Weltmeisterschaften in Tryon im US-Bundesstaat North Carolina. Dort geht es für die deutschen Springreiter auch um die Olympia-Qualifikation für Tokio 2020. "Ich nehme alles, was gut ist", sagte Becker, wissend, dass nur eine Handvoll Reiter und Pferde für Championate taugt.

Noch mehr als über den Tageserfolg freuten sich Trainer und Reiter über das neue Arrangement mit der Familie Münter, Eigentümer eines Gestüts in Königslutter bei Braunschweig. Sie haben von Tebbels beiden Spitzenpferden je die Hälfte gekauft. Damit ist gesichert, dass sie im Stall des Emsbüreners bleiben können, mindestens bis nach den Spielen in Tokio. Damit können Maurice Tebbel und sein Vater René, die im Emsland einen Zucht- und Handelsstall unterhalten, alle Kaufgebote gelassen abwehren. "Wir müssen ja auch mal Pferde verkaufen", sagt Maurice Tebbel, "schließlich leben wir davon, deshalb bin ich froh, dass mir diese beiden erstmal bleiben." So spricht ein Profi, der schon als Junge gelernt hat, dass das Leben kein Ponyhof ist, sondern Pferde manchmal ganz einfach Handelsware sind.

Die deutschen Routiniers haben die Athletenvereinbarung noch nicht unterschrieben

Der Junior steckt voll drin im Betrieb, er reitet nicht nur seine Turnierpferde, sondern auch die Verkaufspferde und hilft, die jungen Hengste für die Körung vorzubereiten, bei der die künftigen Vatertiere ausgewählt werden. Dann sieht man ihn etwa bei der Holsteiner Körung in Neumünster in weißen Hosen und Turnschuhen durch die Halle traben, neben sich einen Junghengst am Zügel. "Da muss man laufen können", sagt er, "und ganz schön fit sein." Was ja auch einem Springreiter nicht schadet. Sandro Junior, der Sieger der Körung 2017 und ersteigert von Familie Münter, steht inzwischen auch in Emsbüren. Der Sohn von Sandro Boy, mit dem Marcus Ehning einst den Weltcup gewann, geht vorläufig noch in die Grundschule und wird in Nachwuchsprüfungen vorbereitet. Wenn er gut genug ist, kann auch er sich eines Tages in Maurice Tebbels Elitegarde einreihen.

Dort dominieren zur Zeit noch Chacco's Son und Don Diarado, selbstbewusste Hengste alle beide. Chacco's Son ist sogar noch ein bisschen eigenwilliger und überehrgeizig, er lässt es manchmal auf eine Diskussion mit dem Reiter ankommen. Don Diarado ist der Brave, der alles richtig machen will. "Da muss ich mir wenig Gedanken um Fehler machen", sagt Tebbel.

Er war für Becker nicht der einzige Lichtblick in Hamburg, auch die 24 Jahre alte Laura Klaphake, wie Tebbel schon bei der EM 2017 in Göteborg dabei, ritt auf Championatskurs. Zwar verpasste sie mit der zehnjährigen Stute Catch Me If You Can das Stechen, aber sie hat in diesem Jahr bereits in wichtigen Prüfungen überzeugt. Die Stute gehört Paul Schockemöhle, der zugesagt hat, sie bis 2019, also bis zu den Weltreiterspielen, nicht zu verkaufen. Dann wird man weitersehen, das vorolympische Jahr ist in der Regel ein Erntejahr für Pferdehändler, wenn alle Welt noch einen Untersatz für Olympia sucht.

Von den deutschen Routiniers gab Christian Ahlmann das beste Bild ab, er wurde Fünfter in der Global Champions Tour mit Tokio, einem Pferd, das nach langen Verletzungspausen nun zu der Form gefunden hat, die man sich von ihm versprach. Aber Ahlmann hat wie sein an diesem Wochenende im Schlosspark von Windsor startenden Kollegen Daniel Deußer die Athletenvereinbarung des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) nicht unterschrieben, in der sie sich zu Trainingskontrollen ihrer Pferde durch die nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) verpflichten. Damit gehören sie auch nicht dem Olympia-Kader an. Beide Reiter haben langwierige gerichtliche Auseinandersetzungen mit dem deutschen und dem internationalen Verband hinter sich. Sie verfügten aber in der vergangenen Saison über kein Championatspferd, Otto Becker hofft auf die Unterschrift, wenn ein Teamplatz winkt. Er rechnet auch damit, dass bis zum Sommer Alice wieder fit ist, die Stute von Simone Richter, die im Herbst soviel Aufsehen erregte und nun wegen einer Beinverletzung täglich vom Tierarzt besucht wird, Wiedereinsatz ungewiss. Also genug Stoff, um Bundestrainer Otto Becker schlaflose Nächte zu bereiten.

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