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Margaret Court:Gift in der Tenniswelt

Bis heute unerreichte 24 Grand-Slam-Titel gewann Margaret Court, 77, im Frauentennis, aber ihr Ruf hat schweren Schaden genommen angesichts ihrer homophoben Äußerungen.

(Foto: William West/AFP)

Die 77-Jährige wird trotz untragbarer Ansichten in Melbourne geehrt. Derweil werden Stimmen lauter, die eine Umbenennung der Margaret Court Arena fordern.

Die Australian Open im Tennis sind ein Vermarktungsspektakel. Jeder Sponsor kann im Melbourne Park sein Festzelt aufschlagen: Es gibt Autosalons, Nudelbars, Champagnerlounges, Sonnencremestände, fast täglich präsentieren die Veranstalter neue Werbepartner. Nur bei der Reklame für einen Punkt im Rahmenprogramm zeigten sie sich zurückhaltend bis peinlich berührt: bei der Ehrung für die beste Tennisspielerin der australischen Sportgeschichte, für Margaret Court.

Margaret Court, 77 Jahre alt, ist Ehrengast des nationalen Verbandes Tennis Australia. Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren, als sie mit ihren homophoben Äußerungen und Schmähreden gegen Schwule, Lesben und Transsexuelle erstmals die Tenniswelt entsetzte, hat sie diesmal auf einer Einladung bestanden. Denn es jährt sich zum 50. Mal der Tag, an dem sie den Grand Slam gewann: die Titel aller vier Major-Turniere binnen eines Kalenderjahrs, Australien Open, French Open, Wimbledon Championships und US Open. Nur drei Tennisspielerinnen ist dies geglückt: Court (1970), Steffi Graf (1988) und der US-Amerikanerin Maureen Connolly (1953).

Um an diese "historische Leistung" zu erinnern, war geplant, dass Verbandschef und Turnierdirektor Craig Tiley vor Beginn des Abendprogramms am Montag eine Würdigung vornehmen sollte. Allerdings sah er die Notwendigkeit, dies mit einem Hinweis in eigener Sache zu verbinden: "Wie mehrmals wiederholt, teilt Tennis Australia die persönlichen Ansichten von Margaret Court nicht, die viele Menschen in den vergangenen Jahren erniedrigt und verletzt haben. Sie passen nicht zu unseren Werten von Gleichheit, Diversität und Inklusion."

Nicht wenige in der Szene finden, dass Tiley es sich zu einfach machte mit dieser Packungsbeilage, in der er vor dem Gift der Nebenwirkungen dieser Ehrung warnt. Court ist der Ansicht, dass "der Tennissport voller Lesben" ist. Sie ist gegen gleichgeschlechtliche Ehen und für "die Vereinigung von Mann und Frau, wie es in der Bibel steht". Vor zwei Jahren verstörte sie die Nation, als sie in einem Radiointerview mit einem christlichen Sender über den angeblich "schädlichen Einfluss der Homo-Lobby in Schulen" fabulierte: "Das ist des Teufels. Das ist das, was Hitler und der Kommunismus machten, sie beeinflussten die Köpfe der Kinder." Court, die in Perth eine freikirchliche Gemeinde gründete, in der sie seit 1991 als Predigerin auftritt, hat ihre Attacken auf die LGBTQ+Community kürzlich wiederholt.

Martina Navratilova, ebenfalls eine Tennislegende, die sich seit Jahren für Homosexuelle einsetzt, nannte die Kommentare "krank und gefährlich". Sie sei bereit, die sportlichen Meriten der Rekordsiegerin von 24-Grand-Slam-Titeln anzuerkennen - aber nicht, die Person zu würdigen. Prinzipiell stellt sich die Frage, wie weit es möglich ist, die Taten eines Menschen zu honorieren und sich gleichzeitig von seiner Ideologie zu distanzieren. Die Australian Open verstehen sich seit drei Jahren ausdrücklich als ein internationales LGBTQ-Event, wie Tiley erklärte. Vor der Margaret-Court-Arena im Park, einer der drei großen Spielstätten des Turniers, werden die Regenbogenfarben aufgesprüht.

Und so werden auch in diesem Jahr die Stimmen wieder lauter, die die Umbenennung der Arena anmahnen. Die frühere Größe Billy Jean King, 76, die seit Jahrzehnten für Gleichstellung stritt, glaubt, der Schritt ist überfällig. Die Arena sollte nicht mehr nach Court heißen, sagte sie: "Wenn etwas deinen Namen trägt, musst du offen sein und jeden empfangen wollen." Entscheidend ist wohl letztlich, womit der Name Margaret Court heute identifiziert wird. Mit der Tennislegende? Oder einer homophoben Eiferin?

© SZ vom 27.01.2020
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