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Korruption in der Fifa:Freiwillige Niederlage

Mexikos Fußballverband gerät in die FBI-Ermittlungen: Die Mannschaft soll in der Qualifikation für die WM 2006 eine Partie gegen Trinidad und Tobago abgeschenkt haben - was der Karibik-Auswahl die Teilnahme in Deutschland ermöglichte.

Neuigkeiten vom FBI: Auch der Fußballverband Mexikos (FMF) ist in den Fokus weitflächiger Ermittlungen der US-Bundespolizei geraten. Übereinstimmend berichten die Korrespondenten mehrerer lateinamerikanischer Medien aus Washington unter Berufung auf hohe Polizeiquellen, dass Mexikos Nationalmannschaft im regionalen Qualifikationsturnier für die Fußball-WM 2006 in Deutschland eine entscheidende Partie gegen Trinidad und Tobago abgeschenkt habe - was der Karibik-Auswahl die Reise zur Sommermärchen-WM ermöglichte.

Tatsächlich hatten sich die Insel-Kicker mit dem 2:1-Sieg im Oktober 2005 über Mexiko den vierten WM-Startplatz des Kontinentalverbandes Concacaf und damit erstmals überhaupt eine WM-Teilnahme sichern können. Der Spielausgang hatte die Fachwelt überrascht. Die Mexikaner selbst waren schon vor dem Match qualifiziert, sie benötigten keine Punkte mehr. In Trinidad war ihre Auswahl mit auffallend vielen Ersatzleuten bestückt, die den Karibik-Kickern wenig Gegenwehr boten.

Verrechnet mit einem Dopingfall aus dem Jahr 2005?

Damit verlassen die Ermittlungen den Bereich der reinen Wirtschaftskorruption und erreichen den sportlichen Wettbewerb. Das FBI stützt sich bei seiner Ermittlungsarbeit in der amerikanischen Hemisphäre insbesondere auf Aussagen und Dokumente des kooperierenden Kronzeugen Chuck Blazer. Der US-Fußballfunktionär war über fast zwei Dekaden Generalsekretär des Erdteilverbandes für Nord- und Mittelamerika, Concacaf; im Ehrenamt hatte er viele Millionen Fußballgelder in die eigenen Taschen umgeleitet. Die Concacaf hatte Blazer seit den Neunzigerjahren gemeinsam mit Jack Warner geleitet. Letzterer, der aus Trinidad und Tobago stammt, war von 1990 bis zu seinem durch eine Bestechungsaffäre erzwungenen Rücktritt 2011 Präsident der Concacaf. Er gilt als eine der schillerndsten Skandalnudeln im Fifa-Korruptionsskandal; das FBI hat bereits seine Auslieferung beantragt. Blazer und Warner saßen zudem viele Jahre lang im Vorstand des Fußball-Weltverbands Fifa, wo sie Präsident Sepp Blatter die Stimmpakete der Concacaf-Hemisphäre zuführten.

Vier Jahre nach der überraschenden 1:2-Niederlage im Hasely Crawford Stadium von Port of Spain hatte Ricardo La Volpe, der damalige Coach der Mexikaner, bei einer Pressekonferenz freimütig eingeräumt, dass man in jener Partie mit angezogener Handbremse gespielt habe und auch die Wünsche der damaligen Concacaf-Führung eine Rolle gespielt hätten. Das Thema machte schon damals Furore.

Dazu passt, dass die sportliche Manipulation über das Match Mexiko/Trinidad hinausgegangen sein soll. Mexiko hatte seinerzeit viel Anlass zur Dankbarkeit gegenüber der Concacaf. Monate zuvor, beim Confed-Cup-Turnier 2005 in Deutschland, der Mini-WM, waren die Nationalspieler Aarón Galindo und Salvador Carmona wegen positiver Dopingtests für ein Jahr gesperrt worden. FMF-Chef Alberto de la Torre zufolge hatten die Abwehrspieler das anabole Steroid Norandrosteron von einem Fitnesstrainer ihres Heimatklubs Cruz Azul erhalten und konsumiert. Die zwei Profis waren per Nacht-und-Nebel-Aktion aus Barsinghausen bei Hannover ausgeflogen worden; zwei Tage nach Mexikos 1:0-Sieg über den späteren Turniersieger Brasilien. Der FMF hatte sogar versucht, die Sache zu vertuschen und erklärt, die Kicker seien aus "disziplinarischen Gründen" heimgeschickt worden.

Mexiko kam damals in doppelter Hinsicht glimpflich davon. Die Doper wurden nur für ein Jahr international verbannt, anstatt die fälligen Zwei-Jahres-Sperre zu kassieren. Und Mexiko durfte beim Confed-Cup 2005 in die Endrunde einziehen. Die Siege über Brasilien und Japan wurden, obwohl mit Dopingsündern erzielt, nicht aberkannt.