Kommentar:Nur noch eine Baustelle

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Der Deutsche Handballbund ist vor der Heim-WM im Januar eine große Sorge los: ARD/ ZDF sichern sich bis 2025 die Übertragungsrechte für WM und EM und verschaffen dem DHB damit Planungs­sicherheit. Jetzt hakt es nur noch an einer Stelle - der Mannschaft.

Von Joachim Mölter

Das ist tatsächlich eine höchst erfreuliche Nachricht für den deutschen Handballsport: Knapp drei Monate vor der Männer-WM steht schon fest, wer die Veranstaltung hierzulande auf die Bildschirme überträgt. Die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF haben sich die Rechte gesichert für das im Januar 2019 in Deutschland und Dänemark stattfindende Turnier, und sogar noch weitere, die lange darüber hinaus reichen: Bis 2025 werden alle Welt- und Europameisterschaften von den frei empfangbaren Anstalten gesendet. Angesichts dieses Szenarios dürften ein paar Sektkorken geknallt haben in der Zentrale des Deutschen Handballbundes (DHB).

Für den Verband ergibt sich daraus eine langfristige Planungssicherheit beim Werben um Sponsoren: Die fragen ja meistens, wie lange und wie vielen Menschen sie ihr Logo am Rande der Partien im Fernsehen präsentieren können, und zuletzt konnte der DHB bis wenige Tage vor Turnierbeginn nicht einmal sagen, ob überhaupt irgendwo irgendwas von irgendwem zu sehen sein würde. Die WM 2015 in Katar war wegen Streitigkeiten zwischen dem damaligen Rechteinhaber und ARD/ZDF schließlich im Bezahlfernsehen gelandet, die WM 2017 in Frankreich aus dem gleichen Grund nur im Internet. Erst kürzlich präsentierte der Weltverband IHF seinen neuen Rechtevermarkter, und mit dem einigten sich ARD und ZDF nun erstaunlich schnell.

Die Spiele der deutschen Handballer sind künftig also wieder einem größeren Publikum zugänglich. Sie haben damit im Kampf, sich hierzulande als Sportart Nummer zwei hinter Fußball zu behaupten, wieder Abstand hergestellt zu Eishockey und Basketball; alle anderen liegen weit dahinter in der Zuschauergunst. Der DHB muss jetzt nur noch eine Baustelle schließen vor der Heim-WM: die Mannschaft. Zuletzt häuften sich wieder Krank-oder-verletzt-Meldungen, flammte die seit Jahren geführte Debatte um die Überlastung der Spieler im dicht gedrängten Terminplan auf. Auch die Diskussion um den bei der EM im Januar mit Platz neun doch sehr erfolglosen Bundestrainer Christian Prokop und seine Personalpolitik schwelt. Prokop hat für die EM-Qualifikationsspiele gegen Israel am Mittwoch und den Kosovo am Sonntag den im Grunde schon ausgemusterten Spielmacher Martin Strobel, 32, vom Zweitligisten Balingen reaktiviert, was als bedenkliches Zeichen interpretiert wird - wahlweise für Personalnot oder für Ideenlosigkeit. Was auch immer es ist: Nun, da gesichert ist, dass die Nationalmannschaft wieder von einem großen Publikum zu sehen ist, muss der DHB daran arbeiten, dass sie so attraktiv und erfolgreich auftritt, dass man sie auch sehen will.

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