Kommentar Buntes Schmettern

Die Liga ist auch dank der United Volleys aus Frankfurt interessanter geworden, gewiss. Aber am Ende röhren wieder die Platzhirsche.

Von Sebastian Winter

United Volleys, das klingt zunächst einmal nach viel Gemeinschaftssinn. Tatsächlich ist die neue Frankfurter Mannschaft, die diesen Namen trägt, das spannendste Volleyballprojekt der neuen Saison. Die United Volleys Rhein-Main, die die Lizenz vom eher graumäusigen Aufsteiger Rüsselsheim übernommen haben, fordern nicht weniger als das Establishment heraus, das seit Jahren die Liga dominiert: Berlin und Friedrichshafen. Und das mit gewaltigem Aufwand.

Der Klub, der am Freitagabend zum Bundesliga-Auftakt Meister Friedrichshafen empfängt, spielt "zu Hause" in einer 5000 Zuschauer fassenden Arena in Frankfurt, mehr Volleyball-Fans passen in der Bundesliga nur in die Berliner Max-Schmeling-Halle. Der neue Kapitän Christian Dünnes, Olympia-Fünfter von London, wurde aus Berlin abgeworben, das deutsche Zuspiel-Talent Jan Zimmermann aus Friedrichshafen, Außenangreifer Jan Klobucar wurde gerade mit Slowenien EM-Zweiter. Durchschnittsalter: 22. Möglich macht all das ein spendabler Herr namens Jörg Krick, IT-Unternehmer aus Eschborn - und zugleich Vater des Frankfurter Mittelblockers Tobias Krick. United eben. Eine Dreiviertel Million Euro hat der Papa angeblich in das Projekt gesteckt, für einen Volleyball-Aufsteiger ist das vergleichsweise viel Geld. Obendrein hat die Mannschaft auch noch die Patenschaft für Kinder im Südwesten Ghanas übernommen, im Rahmen einer Kooperation mit der - nicht gerade unumstrittenen - Hilfsorganisation World Vision. United eben. Aber auch nachhaltig?

Mäzenatentum hat im Volleyball oft tiefe Krater hinterlassen, man denke an Moers oder auch die von einem großen Versicherer abhängigen Unterhachinger. Beide verschwanden vorletzte Saison von der Bildfläche, weil ihre Gönner nicht mehr wollten. Wenn ein Mäzen auch noch der ausgelagerten GmbH vorsteht und sein eigenes Kind im Kader steht, darf man doppelt gespannt sein auf die Dauerhaftigkeit dieses Projekts. Einer Liga, die zuletzt zum langatmigen Duell zwischen Berlin und Friedrichshafen verkam und auch weiterhin kaum öffentlich-rechtliche Fernsehzeiten generiert, können solche Klubs andererseits nur guttun, das zeigen auch die frechen Aufsteiger von 2014, Herrsching und Lüneburg. Die am Ammersee bei München beheimateten Herrschinger ("Geilster Club der Welt") lassen schon mal Spieler zu Werbezwecken ins eiskalte Wasser springen oder trampen zu PR-Zwecken zum Auswärtsspiel. Lüneburg schmetterte sich bis ins Pokalfinale und Playoff-Halbfinale. Die Liga ist bunter geworden, gewiss. Aber am Ende dürften wieder die Platzhirsche röhren.