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Kobe Bryant:In dichten Nebel geraten

Sheriffs and officials investigate the helicopter crash site of NBA star Kobe Bryant in Calabasas, California

Spurensuche am Unglücksort: Die Trümer des Helikopters sind weit verstreut.

(Foto: Danny Moloshok/Reuters)

Während weltweit die Anteilnahme am Tod des ehemaligen Basketballers anhält, versuchen Experten den Absturz des Helikopters zu rekonstruieren. Offen bleibt, warum der Pilot in den Nebel steuerte.

Während der amerikanische Sport über den Tod des Ausnahme-Basketballers Kobe Bryant und weiterer acht Opfer trauert, treten immer mehr Details über das Helikopter-Unglück zutage. Nach Erkenntnissen der US-Behörde für Transportsicherheit (NTSB) habe der Pilot den Fluglotsen mitgeteilt, er werde aufsteigen, um eine Wolkenschicht zu umfliegen, erklärte Jennifer Homendy von der NTSB. Warum er dann in dichten Nebel geraten war und die Kontrolle verlor, ist noch ungeklärt. Berichten zufolge, so der Nachrichtendienst Bloomberg, sei der erfahrene Pilot wegen eines unüblichen Vorgangs wohl kurz verwirrt gewesen, als er seine Route verließ. Wenige Minuten vor dem Unglück hatte ihm die Flugkontrolle noch mitgeteilt, dass seine Flughöhe zu niedrig sei. Schon vor dem Start hatte er eine Sondererlaubnis für den Flug eingeholt. Die Hubschrauber der Polizei waren wegen der schlechten Sicht am Boden geblieben.

Die Untersuchungen sollen bis mindestens Ende der Woche andauern. "Es ist eine recht katastrophale Unfallstelle", sagte Homendy. Die Trümmer seien in dem hügeligen Terrain nahe Los Angeles weit verstreut. Einen Flugdatenschreiber habe der Hubschrauber nicht gehabt, dies sei aber auch nicht Vorschrift. Die NTSB bat alle Menschen, die Fotos vom Wetter in der Gegend zum Zeitpunkt des Absturzes gemacht haben, ihr diese zu schicken.

Der US-Sport steht weiter im Zeichen der Trauer. In einem emotionalen Abschiedsbrief drückte Basketball-Topspieler LeBron James seine Anteilnahme aus. Er habe mehrmals zu einer persönlichen Stellungnahme angesetzt, schrieb James, sei aber von den Tränen übermannt worden. Die Los Angeles Lakers, für die Bryant 20 Jahre lang spielte, erhielten weitere Zeit zur Aufarbeitung der Tragödie. Das für Dienstag angesetzte Stadtderby gegen die Clippers werde zu einem noch unbestimmten Zeitpunkt nachgeholt, erklärte die Liga. Das nächste Spiel der Lakers findet nun am Freitag statt. Auch der Auftakt der Super-Bowl-Woche in Miami stand im Zeichen von Bryants Tod. Bei der Eröffnungsfeier hielten die Fans in einer Gedenkminute inne. Das Empire State Building in New York leuchtete am Montagabend in lila und gold, den Farben der Lakers.

Die Trauer ist auch im europäischen Sport allgegenwärtig. Der AC Mailand wollte am Dienstagabend im Pokal mit schwarzer Armbinde auflaufen. Bryant hatte in seiner Kindheit auch in Italien gelebt. Um Missbrauch mit dem Gedenken an Bryant zu verhindern, habe Ausrüster Nike den Online-Verkauf von Artikeln mit Bezug zu der Sportlegende gestoppt, berichtete der US-Sportsender ESPN. Damit solle verhindert werden, dass sich Wiederverkäufer mit großen Mengen eindecken und diese zu Wucherpreisen anbieten.

© SZ vom 29.01.2020 / dpa, sid, SZ
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