Hertha BSC Erlösung im zehnten Versuch

Die Berliner setzten sich auswärts bei den bereits abgestiegenen Darmstädter Lilien durch und hoffen auf die Europa League.

Von Tobias Schächter, Darmstadt

Das Beenden einer negativen Serie empfinden Sportler nicht selten als Erleichterung. Was kein Wunder ist: Die Fußballprofis von Hertha BSC etwa mussten sich den Spott gefallen lassen, eher sei der neue Hauptstadtflughafen BER vollendet, als dass die Hertha mal ein Auswärtsspiel gewinne. Nicht weniger als neun Mal nacheinander war die Elf in fremden Stadien geschlagen vom Platz gegangen. Nun glückte bei Absteiger Darmstadt 98 endlich ein 2:0-Erfolg: ein Sieg in der Fremde, der zum rechten Zeitpunkt kam.

Denn beim Saisonfinale am kommenden Samstag gegen Bayer Leverkusen können sich die Berliner als aktueller Tabellenfünfter mit einem Sieg die direkte Qualifikation für die Europa-League sichern. "Wir sind bereit", versprach Trainer Pal Dardai. Zumal seine Hertha dann den Vorteil hat, dass sie daheim im Olympiastadion antreten kann. Allerdings ärgerte die miese Auswärtsserie den ehrgeizigen Ungarn im Rückblick dann doch. Sie wird so leicht nicht der Vergessenheit geraten. "Diesen Rekord habe ich wohl ewig", fürchtet Dardai bereits.

Ob es als Kompliment für die Liga zu werten ist, dass eine Mannschaft mit einer so eklatanten Auswärtsschwäche das Rennen um die Europa-League-Plätze mitbestimmen kann, ist eine interessante Frage. Dem Berliner Team und seinem Trainer dürfte die Antwort egal sein: Immerhin haben sie ihre Chancen bis zuletzt gewahrt. Zumal sie im eigenen weiten Rund mit zwölf Siegen ja tatsächlich ziemlich europapokalverdächtig agieren.

In Darmstadt hatte Dardai nun zur Abwechslung "etwas Neues probiert", wie er sagte, und seine Elf statt in der gewohnten 4-2-3-1-Grundordnung in einer 4-4-2-Formation aufstellte, mit Salomon Kalou und Vedad Ibisevic als Doppelspitze. Taktisch lag der Fokus eher auf dem Konterspiel. Spielentscheidend war das wohl nicht, denn die Partie litt nach zwei Kopfballtoren von Kalou (14.) und Jordan Torunarigha (28.) früh an Spannungsarmut. Darmstadt agierte so harmlos wie zumeist in dieser Saison. Der Ausfall der gesperrten Innenverteidiger Sebastian Langkamp und Anthony Brooks fiel für Hertha BSC deshalb nicht ins Gewicht. Dardai konnte seine kaum geforderten Vertretungs-Defensivkräfte Jordan Torunarigha und Niklas Stark sogar besonders loben.

Der 19-Jährige Torunarigha erzielte im zehnten Einsatz sein erstes Bundesligator. Er spielt für Deutschlands U20-Team nach der Saison eine WM in Südkorea. So schnell kann's nach oben gehen, weshalb Dardai den schnellen und kopfballstarken jungen Mann als "wunderbares Vorbild" für den Hertha-Nachwuchs adelte. Niklas Stark, 22, hingegen lief trotz der Ermüdungserscheinungen im Fuß auf, die ihn zuvor vier Wochen gebremst hatten.

In Darmstadt feierten die Fans ihre abgestiegene Elf im letzten Heimspiel nach zwei Jahren in der ersten Liga übrigens enthusiastisch. "So etwas habe ich auch noch nicht erlebt", sagte Hertha-Trainer Dardai: "Das war ein Fußballfest." Nächste Woche will die Hertha dann ihr eigenes Europafest feiern.