Greuther Fürth Tüpfelchen auf dem Ö

Fürther für Folklore: Außenverteidiger Roberto Hilbert (links), 33, ist Abstiegskämpfer, aber auch bereits eine historische Figur.

(Foto: Zink/imago)

Die SpVgg atmet nach dem 2:1-Heimsieg gegen Sandhausen auf: Sie hat offenbar doch eine Abwehr.

Von Sebastian Leisgang

Da reihten sie sich also auf, bevor Schiedsrichter Christian Dingert zum ersten Mal in seine Trillerpfeife pustete. Da standen, von rechts nach links: Roberto Hilbert, Marco Caligiuri, Richard Magyar, Mario Maloca und Maximilian Wittek, von Berufs wegen Abwehrspieler der SpVgg Greuther Fürth und als solche der lebende Gegenbeweis für jenes Gerücht, das im Umfeld des Klubs die Runde gemacht hatte. Nach 16 Gegentoren in den vergangenen sechs Pflichtspielen hieß es: Die Mannschaft verfüge über keine Abwehr. Nun aber, bei diesem Heimspiel gegen den SV Sandhausen, stellte Fürth zweifelsfrei eine Verteidigungsreihe auf. In den ersten zehn Minuten war diese zwar nicht tadellos, dann aber fing sich die SpVgg und gewann das Spiel verdient mit 2:1.

Bei diesem dritten Saisonsieg begleitete der Mann ganz rechts in der Verteidigungsreihe zwar nur eine Komparsenrolle, dennoch ist Roberto Hilbert, 33, eine bemerkenswerte und in der zweiten Liga vielleicht sogar einmalige Erscheinung. Er lebt nachweislich in der Gegenwart und stand in dieser seinen Kollegen am Samstag in nichts nach, als es darum ging, gegen Sandhausen um die Fürther Existenz in der zweiten Liga zu kämpfen. Dennoch ist Hilbert irgendwie auch eine historische Figur, ein Fußballer aus der Gerald-Asamoah-Zeit, ein Teil der Stuttgarter Heldensaga rund um die deutsche Meisterschaft 2007. Im Fürther Kader steht dieser Hilbert mehr als jeder andere für Folklore.

Das allein war aber freilich nicht das Motiv, das die Verantwortlichen Anfang Oktober dazu bewogen hatte, Hilbert zum bereits dritten Mal den Dienst bei der SpVgg antreten zu lassen. Seine vergangenen Tage waren zwar durchaus von Belang, schließlich erklärte Helmut Hack: "Roberto hat auf hohem Niveau national und international viele Schlachten geschlagen." In erster Linie ging es dem Präsidenten aber um dieses: "Mit seiner Erfahrung kann er Stabilität und Sicherheit in unsere Mannschaft einbringen."

Nimmt man die 90 Minuten gegen Sandhausen zum Maßstab, so kann man festhalten: Auftrag erfüllt - wenngleich auch an Hilbert der Schneidezahn der Zeit nagt. Meistertitel, Champions League, Nationalmannschaft - das war vorgestern. Heute schert sich nicht einmal der Abstiegskampf der zweiten Liga um all seine Verdienste.

Eine erhabene Vergangenheit und eine triste Gegenwart: Damit steht die historische Figur Hilbert stellvertretend für die gegenwärtige Lage seines Klubs. Jahrelang fuhr Fürth als Ausbildungsverein gut, nicht umsonst thront die SpVgg in der ewigen Tabelle der zweiten Liga über dem Rest. Bis heute verstehen die Fans ihren Klub als einen der Branchenführer der zweiten Reihe, als große Nummer im Kreis der etwas kleineren Nummern.

"Man hat die Verkrampfung gesehen", stellt Trainer Buric fest

Dass etliche Fürther aber der Partie gegen Sandhausen fernblieben, war nicht nur dem Gegner geschuldet, der in der Szene noch immer als Chiffre für die kleinste Nummer der kleineren Nummern gilt. Gerade einmal 6780 Zuschauer - das war ein neuer Tiefstwert in dieser Zweitligasaison und ein Indiz, dass es den Fürthern gerade besonders schwer fällt, die Krise zu durchleiden. Jenen, die trotzdem den Weg in den Ronhof angetreten hatten, weil "die Färdder hald dahaam schbieln", wie es hier heißt, war die Angst anzumerken, bald nicht mal mehr gegen Sandhausen oder Heidenheim zu spielen - sondern gegen Meppen oder Großaspach. Die Mannschaft lieferte aber einen passablen Auftritt ab, den Khaled Narey (27.) und Mario Maloca (81.) trotz des zwischenzeitlichen Ausgleichs durch Richard Sukuta-Pasu (78.) mit drei Punkten entlohnten. Nach dem Spiel saß Fürths Trainer Damir Buric im Presseraum und sagte: "Man hat die Verkrampfung gesehen, aber was mir gefallen hat: dass wir sehr diszipliniert und sehr gut in der Organisation geblieben sind. Unser Hauptaugenmerk war, dass wir defensiv gut stehen - und wir haben wenig zugelassen."

Dann richtete er sich mit einem Versprechen an alle, die es trotz der misslichen Lage mit seiner Mannschaft halten. Nein, er sagte nicht: Es wird schon. Fürths Coach setzte die ö-Tüpfelchen noch obendrauf. "Es wird schön", versprach Buric.

Auch er wusste natürlich: "Es war kein schönes Spiel." Das durfte ihm an diesem Nachmittag aber herzlich egal sein.