Glosse:Brexit-Lösung Tennis

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Im ewigen Streit des britischen Parlaments um den EU-Austritt zeichnet sich bekanntlich kein Sieger ab. Keiner? Doch, einen gibt es, Roger Federer.

Von Barbara Klimke

Vier weitere Niederlagen in den Houses of Parliament; vier alternative Brexit-Lösungen, die abgeschmettert wurden. Der politische Höllensturz an der Themse ist wieder ein Stückchen näher gerückt. Aber zumindest eine kleine Gruppe Unbeteiligter durfte sich als Sieger fühlen: Die Profitennis-Organisation der Männer, ATP, stellte erfreut ein Video von John Bercow ins Netz. In diesem fasst der Sprecher des Unterhauses ("Order! Order!!") die Montags-Misere so zusammen: "Wir sind, wo wir sind." Nichts sei gewonnen: "Aber woraus ziehe ich Trost? Roger Federer hat in Miami eine majestätische Meistervorstellung gezeigt, und darüber bin ich froh."

Nun gehört es zu den Vorzügen dieses staunenswerten Mannes im Talar mit Zepter, dass er im Tumult von Westminster nicht nur den Überblick behält. Sondern dass er mit feiner Ironie, großer Geste und donnerndem Ordnungsgebell mitunter humoristische Erleichterung im belastenden Brexitklima erzeugt. Den Unterhaltungswert von Tennis für die Politik indes hat nicht John Bercow exklusiv erfunden - den hat schon vor ihm William Shakespeare entdeckt: Der lässt im Drama "Henry V." eine Schatzkiste der rivalisierenden Franzosen als Geschenk vor den Thron des jungen Königs tragen, gefüllt nicht mit Klunkern, sondern mit Tennisbällen. Was dieser prompt als Kriegserklärung missversteht.

Derlei hintersinnige Gedanken lagen Bercow am Montag vermutlich fern. Der Parlamentssprecher hat tatsächlich ein Faible für Federer. Als Jugendlicher hat er leidlich Stopps und Volleys gespielt und vor einigen Jahren zum Zeitvertreib ein Buch über "Tennis Maestros" verfasst. Das Beste an der Schweiz, merkte er bereits vor einem Monat bei einer Handelsdebatte an, seien weder Uhren noch Schokolade; das Beste sei Roger Federer. Es lässt sich darüber spekulieren, ob Bercow in seiner Rolle als Speaker, als Unparteiischer auf dem Schiedsrichterstuhl des Parlaments, von seiner Tennisleidenschaft profitiert. Als Mann des Ausgleichs hat er am Abend der Montags-Misere jedenfalls einen weiteren Grund zu Freude erwähnt: Arsenals 2:0-Sieg über Newcastle in der Premier League.

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