Galoppsport:Knackig in die Zukunft

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02 04 2018 Koeln Nordrhein Westfalen GER Dr Michael Vesper Praesident des Direktoriums fuer V; Vesper Pferd

Gut verhandelt: Michael Vesper, Präsident des Direktoriums für Vollblutzucht und Rennen.

(Foto: Sandra Scherning/Sorge/Galoppfoto/Imago)

Aus "German Racing" wird "Deutscher Galopp": Mit neuem Namen hofft der Verband auf ein Ende der Krise, in die der deutsche Pferderennsport in den vergangenen 30 Jahren hineingaloppiert ist.

Von Ulrich Hartmann, Düsseldorf

Die Tradition spielte im deutschen Galopprennsport bislang eine prägende Rolle. Man war stolz auf das erste Galopprennen im Jahr 1822 in Bad Doberan und auf die Gründung des Dachverbands 1947 mit dem recht behördlichen Titel 'Direktorium für Vollblutzucht und Rennen'. Als internationale Marke hat man vor zehn Jahren den Begriff 'German Racing' zu etablieren versucht. Manager Jan Pommer, einst Geschäftsführer der Deutschen Basketball-Liga, fand nun dieses Sammelsurium der Begrifflichkeiten irgendwie "unentschlossen". Zusammen mit dem neuen Präsidenten Michael Vesper, ehedem Vorstandsvorsitzender des Deutschen Olympischen Sportbunds, nahm sich Pommer vor knapp zwei Jahren vor, den deutschen Galoppsport "ins 21. Jahrhundert" zu führen. Nun haben sie einen Anfang gemacht und das Direktorium umbenannt. Der Verband heißt ab sofort kurz und knackig ,Deutscher Galopp', hat ein markantes grünes Logo mit einem Pferde- und einem Reiterkopf und einen Untertitel, der die Leidenschaft betont: "Mit Herzblut für Vollblut".

Allein mit neuen Begriffen lässt sich die Krise natürlich nicht bewältigen, in die der deutsche Pferderennsport in den vergangenen 30 Jahren hinein galoppiert ist. Die Zahl der Züchter und der Galopprennen und erst recht der Gesamtumsatz bei den Wetten - das alles ist dramatisch eingebrochen. Ende des vergangenen Jahres hat mit Neuss eine weitere Rennbahn den Betrieb eingestellt. Und doch war 2019 ein positives Jahr für den deutschen Galopp, weil die Politik die erweiterte Erstattung von Rennwettsteuern beschlossen hat, weil der Wettumsatz auf den deutschen Bahnen erstmals seit 25 Jahren wieder spürbar gestiegen ist und weil mit Waldgeist beim Prix de l'Arc de Triomphe in Paris ein deutsches Pferd das bedeutendste europäische Rennen gewonnen hat.

Solche Indizien nehmen sie in der Verbandszentrale in Köln erleichtert auf, aber ins 21. Jahrhundert gelangt man damit nicht. So sollen Präsidium und Vorstand zwecks kürzerer Entscheidungswege zu einem achtköpfigen Führungsgremium zusammengefasst werden. Auch arbeitet man intensiv an einer besseren Übertragung von Galopprennen, und sogar das Tierwohl steht nun auf der Agenda. "Ich kann mir vorstellen, dass der Einsatz der Peitsche irgendwann ganz verboten wird", sagt Pommer über ein viel diskutiertes Thema. Dass der Tierschutz den 7,5 Millionen grundsätzlich am Galopprennsport interessierten Menschen in Deutschland ziemlich wichtig ist, das hat der Verband aus einer selbst in Auftrag gegebenen Marktforschungsanalyse erfahren.

Eingestellt wurde unterdessen die 2016 erstmals ausgetragene Champions League, bei der die elf bedeutendsten deutschen Rennen zu einer Serie zusammengefasst wurden. Weil die Teilnehmerfelder der einzelnen Rennen allzu unterschiedlich ausfielen, erfüllte die Serie ihren Zweck nur sehr bedingt. "Es ergibt keinen Sinn, Rennen zusammen zu schmieden, die keinen inneren Zusammenhang haben", sagt Pommer. Eine neue Serie ist nicht geplant.

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