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Futsal:Coaching per E-Mail

Die Corona-Krise trifft den Futsal in Bayern mit zwei neuen Stützpunkten mitten im Aufschwung.

Von Lukas Brems

So ganz verzichten kann Philipp Ropers auf das Trainersein auch in der Coronavirus-Krise nicht. Zusammen mit seinen Kollegen Sarah Romert und Daniel Jungwirth hat er auf der Website des Bayerischen Fußball-Verbands (BFV) 33 Videos veröffentlicht, in denen die drei Fußballtrainer verschiedene Übungen für Zuhause zeigen. In einem Video dribbelt Ropers zwischen Hütchen hindurch, in einem anderen spielt er mit seinem Kollegen Fußball-Tennis, zwei Kisten dienen dabei als Netz. Die Übungen, die Ropers vorstellt, schulen vor allem Fähigkeiten, die in seinem Fachgebiet besonders gefragt sind: dem Futsal.

Bei der südamerikanischen Version des Hallenfußballs ist eine geschickte Ballbehandlung wichtiger als Athletik. Besonders junge Spielerinnen und Spieler können daher vom Futsal profitieren. Die Bayern-Stars Thiago und Philippe Coutinho gehören zu einer Reihe von Fußballprofis, die sich ihre technischen Fertigkeiten als Kinder in der Halle aneigneten. In der Jugend spielte Ropers ebenfalls beim FC Bayern, landete dann aber vor drei Jahren durch Zufall beim Futsal. Dort können Karrieren genauso schnell verlaufen wie das Spielgeschehen auf dem Feld: Ein Dreivierteljahr nach seinem ersten Futsalspiel debütierte Ropers in der Nationalmannschaft. Inzwischen hat der 26-Jährige eine A-Trainer-Lizenz, spielt in der Regionalliga-Süd für Jahn Regensburg und verantwortet beim BFV den Bereich Futsal.

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Keine Playoffs zur EM 2022: Auch die deutsche Futsal-Nationalmannschaft (im weißen Trikot Muhammet Sözer) muss eine Pause einlegen.

(Foto: Michael Meindl/GEPA pictures/Imago)

Der Hallenfußball ohne Bande wird im Freistaat immer heimischer, besonders der Jugendbereich wächst. In der aktuellen Saison nehmen insgesamt 230 Juniorenmannschaften am Spielbetrieb teil, in der Runde 2016/17 waren es lediglich 16 Teams. Laut dem BFV sind aktuell 2400 Kinder und Jugendliche in den Futsal-Ligen aktiv. "In Bayern sind wir auf einem guten Weg", sagt Ropers. "Ich denke, dass wir da im bundesweiten Vergleich gut aufgestellt sind." Im Februar gewannen die BFV-Futsal-Männer zum ersten Mal das Landesauswahlturnier.

Um die Entwicklung im Jugendbereich weiter voranzutreiben, eröffneten Ende 2019 zwei Stützpunkte in Bayern, einmal in der Woche wird in München und Regensburg für U19-Talente eine zusätzliche Trainingseinheit angeboten, Ropers leitet das Ganze. Aber auch die Arbeit am Stützpunkt muss nun aufgrund der Pandemie umgestellt werden. Die Corona-Krise trifft den Futsal in Bayern mitten im Aufschwung. Wann wieder in der Halle gespielt werden kann, ist noch nicht abzusehen. Ropers muss die Spieler derzeit vom Schreibtisch aus trainieren. Den Futsal-Auswahlmannschaften schickt er seit Mitte März jede Woche ein Trainingsprogramm per E-Mail zu. "Insbesondere der Futsal, der noch nicht so gefestigt ist wie der Fußball, wird unter der Krise leiden", vermutet Ropers. Im Hallenfußball steckt ohnehin nur wenig Geld, und wenn Verbände und Vereine finanziell geschwächt werden, könnte sich das auch negativ auf die noch jungen Futsal-Abteilungen auswirken. "Ich hoffe, dass der Futsal und die Stützpunktprogramme nicht so sehr unter der finanziellen Krise leiden wird. Aber treffen wird es uns auf jeden Fall."

Die Tabelle der Regionalliga-Süd nach 15 Spielen

1. TSV Weilimdorf 45 Pkt

2. SSV Jahn 1889 Regensburg Futsal 30 Pkt

3. TV Wackersdorf 25 Pkt

4. FC Deisenhofen 24 Pkt

5. GO Rhein-Main Futsal 22 Pkt

6. TSV Neuried 19 Pkt

7. FC Penzberg 19 Pkt

8. SV Pars Neu-Isenburg 19 Pkt

9. Villalobos F.C. 9 Pkt

10. Gehörlosen SV Karlsruhe 8 Pkt

Das letzte Saisonspiel fand am 7. März statt. Aufgrund des Coronavirus pausiert die Liga derzeit. Ab der Saison 2021/2022 soll es eine Futsal-Bundesliga geben, für die sich die Regionalligisten in dieser Runde qualifizieren können.

Grundsätzlich fällt sein Fazit zu den Stützpunkten nach ein paar Monaten unterschiedlich aus: "In München läuft es sehr gut, da haben wir einen relativ großen Kader und einige richtig gute Jungs. Sieben davon waren schon bei einer U19-Stützpunktauswahl vom DFB." In Regensburg hingegen mangele es vor allem noch an der Quantität. "Dadurch, dass Regensburg als Stadt deutlich kleiner ist und noch der ein oder andere Verein fehlt, der in diesem Altersbereich Futsal anbietet, fehlen uns da Spieler", erklärt Ropers. Jahn Regensburg geht in der kommenden Saison zwar mit vier Futsal-Jugendmannschaften an den Start, trotzdem muss das Stützpunkttraining in der Oberpfalz meist mit Spielern aufgefüllt werden, die eigentlich schon zu alt sind. Im nächsten Jahr sei eine Verjüngung das Ziel, so Ropers. Aber erst mal muss es bald überhaupt irgendwie weiter gehen.

© SZ vom 07.05.2020

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