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Fußballpolitik:Videobeweis droht schnelles Ende

DFB und DFL zu Videobeweis

Hellmut Krug.

(Foto: Frank Rumpenhorst/dpa)

Projektleiter Krug bezeichnet die Situation als "unzumutbar". Ein überlastetes Glasfaserkabel soll Schuld an den Pannen des ersten Wochenendes gewesen sein.

Dem Videobeweis droht in der Fußball-Bundesliga ein schnelles Ende. Nach den massiven technischen Problemen zum Saisonstart hält Projektleiter Hellmut Krug, 61, bei weiteren Pannen einen Abbruch der Testphase für möglich. "Wir können nicht Wochen und Wochen so weitermachen. Vor allem für Schiedsrichter ist das unzumutbar", sagte der Schiedsrichter-Manager des Deutschen Fußball-Bundes im TV-Sender Sky. "Wenn es weiterhin so läuft, müssen wir uns etwas anderes überlegen." Am 1. Spieltag konnte der neue Videoassistent in einigen Spielen nur teilweise oder gar nicht zum Einsatz kommen. Zudem stand die zur Unterstützung bei Abseitsentscheidungen vorgesehene kalibrierte Hilfslinie in den Samstagsspielen nicht zur Verfügung. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hatte diese Pannen als "nicht hinnehmbar" kritisiert und ein Krisengespräch mit der Geschäftsführung des Dienstleiters Hawkeye angekündigt.

Überlastete Glasfaserkabel die Ursache für Funkstörungen?

Krug zufolge könnte ein überlastetes Glasfaserkabel Ursache für die Probleme gewesen sein: "Das ist natürlich nicht das, was wir erwarten. Daran müssen wir in den nächsten Tagen mit Hochdruck arbeiten", sagte der frühere Bundesliga-Schiedsrichter. Sollte es keine schnelle Lösung des Problems geben, sei vieles vorstellbar: "Man müsste zurückgehen zur alten Form ohne Videoassistenten oder eine Van-Lösung wie in Italien ausprobieren." Dabei sitzt der Schiedsrichter-Assistent nicht in einer zentralen Leitstelle (für die Bundesliga ist diese in Köln), sondern in einem Fahrzeug neben dem Stadion.

DFB-Präsident Reinhard Grindel würde ein schnelles Ende für den Videoassistenten bedauern, sieht er ihn doch als "äußerst nützlich" an. "Die technischen Pannen sind bedauerlich. Dafür kann die Liga nichts, dafür können auch die Schiedsrichter nichts. Aber dort, wo er funktionierte, wurden klare Entscheidungen getroffen", sagte Grindel, 55: "Wenn sich die Technik eingespielt hat, bringt das mehr Gerechtigkeit in den Fußball. Es ist auch ein Beitrag, die Schiedsrichter zu entlasten."

Liga-Präsident Reinhard Rauball äußerte sich zurückhaltender. "Es ist der Versuch, mehr Gerechtigkeit in die Bundesliga zu bringen. Das ist eine Phase der Erprobung, und es passieren Dinge, die so nicht vorgesehen sind", so Rauball, der auch Präsident von Borussia Dortmund ist. Der Technik-Blackout zum Bundesligaauftakt ist natürlich Wasser auf die Mühlen der Kritiker, zu denen auch Bayern-Präsident Uli Hoeneß gehört. "Ich habe nach wie vor meine Bedenken, aber ich lasse mich gerne eines Besseren belehren", sagte er.

Trotz der Probleme sorgte die technische Neuerung am ersten Bundesliga- Spieltag aber gleich mehrmals für gerechtere Entscheidungen. Der FC Bayern profitierte mit einem nachträglich zugesprochenen Elfmeter beim 3:1 gegen Bayer Leverkusen ebenso davon wie Eintracht Frankfurt beim 0:0 in Freiburg, wo Schiedsrichter Manuel Gräfe nach Intervention des Videoassistenten ein irreguläres Tor der Hausherren zurücknahm.

© SZ vom 23.08.2017 / dpa
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