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Fußballpolitik:Ostelbien ausgeschlossen

Ein von Rechtsextremen durchsetzter Klub ist nicht länger im Verband. Der Verein verliert damit auch die Mitgliedschaft im Fußballverband Sachsen-Anhalt. Ostelbien kann aber noch Einspruch einlegen.

Nach dem Spielbetrieb-Ausschluss des von Rechtsextremisten durchsetzten FC Ostelbien Dornburg ist die Erleichterung bei den anderen Fußball-Kreisligisten groß. "Das ist ein gutes Zeichen. Der Sport soll Spaß und keine Politik machen", sagte Ulrich Schmidt, Vereinspräsident des TSG Parchen. Am Montagabend hatte der Landessportbund Sachsen-Anhalt (LSB) den FC Ostelbien wegen "Verstößen gegen sportliches Verhalten oder gegen die Interessen des LSB" sowie wegen der "Duldung extremistischer, rassistischer und fremdenfeindlicher Gesinnung" ausgeschlossen. Der Verein verliert damit auch die Mitgliedschaft im Fußballverband Sachsen-Anhalt (FSA).

Der Kreisligist aus der Nähe von Magdeburg hatte zuletzt für Aufsehen gesorgt. 15 Spieler sind dem Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt als Rechtsextreme bekannt. Bei Spielen des FC Ostelbien war es zudem vermehrt zu Ausschreitungen, Bedrohungen und Beleidigungen gekommen. Der FSA hatte daher den Ausschluss beim LSB beantragt. "Wir sind erleichtert und hoffen, dass jetzt etwas Ruhe einkehrt. Aber ehrlich gesagt glaube ich nicht daran", sagte FSA-Vorstandsmitglied Werner Meinschien. Ostelbien kann binnen sechs Wochen Einspruch beim Sportbund einlegen und zudem bei einem ordentlichen Gericht eine einstweilige Verfügung beantragen. Schon 2011 erstritt sich der Klub vor Gericht die Spielberechtigung. Sollte der Verein Erfolg haben, würde es dennoch kaum zu Spielen kommen. Viele Klubs hatten bereits angekündigt, Partien gegen Ostelbien zu boykottieren. Auch die meisten Schiedsrichter weigern sich, dort aufzulaufen.

"Meine Spieler haben gleich gesagt: Wir haben auch einen Ausländer, da fahren wir nicht hin!", sagte Parchens Vereinschef Schmidt. Er kritisierte jedoch die Haltung der Politik: "In dieser Sache ist zu wenig Unterstützung gekommen." Zumindest die Linke begrüßte die Entscheidung. Ein Verein, der durch rassistische und rechtsextreme Beleidigungen auffalle, habe "in unserem Sportbetrieb keinen Platz", sagte die sportpolitische Sprecherin der Partei, Katrin Kunert. Rainer Milkoreit, Präsident des Nordostdeutschen Fußball-Verbandes (NOFV), begrüßte die Entscheidung. "Man muss diese extremen Tendenzen im Sport bekämpfen", sagte er.

Den Behörden ist das Problem Ostelbien bekannt. "Das geht von Körperverletzungen, Beleidigungen, bis hin zu volksverhetzenden Äußerungen. Das ganze Repertoire. Mitunter tauchen die Personen auch bei anderen rechtsextremistischen Aktivitäten auf", sagte Hilmar Steffen vom Landesverfassungsschutz kürzlich dem MDR und der Mitteldeutschen Zeitung. In einem Anhörungsverfahren hatte der FC Ostelbien die Möglichkeit, Argumente gegen einen Ausschluss vorzubringen, konnte den Landessportbund jedoch nicht überzeugen.

© SZ vom 02.09.2015 / sid
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