bedeckt München 26°

FC Heidenheim:Ein Dorf voller Schnattis

Tim Skarke 1 FC Heidenheim 38 Neuzugang Niklas Dorsch 1 FC Heidenheim tragen Marc Schnattere

U-21-Neu-Nationalspieler Tim Skarke und der 20 Jahre junge Heidenheim-Neuzugang Niklas Dorsch (r.) tragen Masken mit dem Konterfei von Marc Schnatterer.

(Foto: imago/Eibner)

Marc Schnatterer geht in seine zehnte Saison für den FC Heidenheim, seine fünfte in der Liga, in der er zu den besten Spielern gehört und zur Kultfigur geworden ist. Doch er denkt nicht an einen Wechsel - nicht mehr.

Ist ein Zweitligaspiel wie das an diesem Sonntag gegen Arminia Bielefeld noch ein Besonderes für ihn? Marc Schnatterer antwortet sehr höflich auf diese Frage, auch wenn er sie sich selbst nie stellen würde. Der Kapitän des FC Heidenheim geht in seine fünfte Zweitligasaison, in seine zehnte insgesamt für den Klub. Nur 16 Spiele verpasste er in zehn Jahren beim FCH, in Liga zwei sogar nur zwei Pflichtspiele. Schnatterer, 32, spielt immer. Schnatterer ist Kult. Neulich, beim Test gegen Hellas Verona, liefen alle Spieler ihm zu Ehren in "Schnatti-Masken" ein.

Es gibt wohl keinen Spieler in Deutschland, über den man mit mehr Berechtigung sagen kann: Er ist das Gesicht der zweiten Liga. "Ein Auftakt in der zweiten Liga ist immer etwas Besonderes", sagt er also. Er fügt sogar hinzu: "Eine große Ehre." In der abgelaufenen Runde mussten die Württemberger bis zuletzt um den Klassenverbleib zittern. Nun soll es wieder aufwärts gehen.

Heidenheim erfuhr zuletzt, dass nach Jahren des Aufstiegs, nach dem Wandel eines Dorfklubs aus Liga vier zu einem etablierten Zweitligisten, die Erwartungen gestiegen sind. Nicht mehr jede Grätsche wird von den Fans wie ein Tor gefeiert. Die Professionalisierung hat das Familiäre auch in Heidenheim etwas in den Hintergrund gedrängt. Man könne die Situation nicht mehr mit der vor fünf, sechs Jahren vergleichen, sagt Schnatterer. Aber der FCH sei immer noch ein kleiner Verein, in dem ein ganz besonderer Umgang gepflegt werde.

In Stuttgart und Karlsruhe wollten sie ihn nicht

Als Schnatterer vor zehn Jahren vom Karlsruher SC in die kleine, rund 50 000 Einwohner zählende Stadt an der Brenz kam, hatte er gerade schlechte Erfahrungen im Profifußball gemacht. Nach der C-Jugend wurde der gebürtige Heilbronner einst beim VfB Stuttgart nach Hause geschickt, "man setzte auf größere und stabilere Jungs", erzählt er ohne Gram: "Das ist legitim." Und beim KSC spielte er mehr in der zweiten als in der ersten Mannschaft. Dazwischen hatte der ehemalige Bundesligatrainer Willi Entenmann beim Oberligisten SGV Freiberg das Selbstvertrauen des schmächtigen Angreifers gestärkt. Er glaubte weiter an seinen Traum vom Profifußball, der sich dann aber erst spät in Heidenheim unter Anleitung von Trainer Frank Schmidt erfüllte. Schmidt, 44, ist noch ein Jahr länger als Schnatterer im Klub. "Wir haben natürlich ein professionelles Verhältnis, aber auch ein freundschaftliches", sagt Schnatterer. "Wir haben uns gemeinsam den Traum von der zweiten Liga erfüllt, und dafür bin ich ihm unheimlich dankbar."

Schnatterer war der herausragende Spieler in der vierten Liga, dann einer der besten in der dritten, nun ist er seit vier Jahren einer der stärksten in der zweiten, vor allem dank sagenhafter Fitness. Die schlechten Erfahrungen sind noch immer die Quelle seiner Motivation. "Ich habe, als ich die Chance bekommen habe, versucht, diese mit allen Mitteln zu ergreifen. Ich will auch beweisen, dass ich mich nicht mit einem guten Jahr zufriedengebe", sagt er. Noch zwei Jahre läuft Schnatterers Vertrag im Klub. Seine Karriere will er in Heidenheim beenden.

Immer wieder war er in den letzten Jahren mit Erstligisten in Verbindung gebracht worden, ein konkretes Angebot war aber nie dabei. "Vielleicht", sagt er lachend, "haben die Vereine gedacht, der geht eh nie weg aus Heidenheim." Bei aller Dankbarkeit: Er hätte ein Angebot wahrscheinlich angenommen.

Aber Schnatterer macht nicht den Eindruck, zu glauben, etwas verpasst zu haben. Er sagt: "Mit dem, was ich in Heidenheim erlebt habe, bin ich unheimlich glücklich." Und auch mit dem, "was ich vielleicht noch erleben darf". Zum Beispiel im nächsten ganz gewöhnlichen Zweitligaspiel gegen Bielefeld.