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Düsseldorf gewinnt 2:0 :Kein Kraut gewachsen gegen Usain Bolt

Sport-Club Freiburg v Fortuna Duesseldorf - Bundesliga

Überraschender Schlusspunkt: Erik Thommy trifft beim kaum erwarteten Auswärtserfolg Düsseldorfs in Freiburg zum 2:0.

(Foto: Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

Als wären sie kollektiv auf der Toilette eingepennt: Seltsam schläfrige Freiburger verzweifeln an kratzbürstigen Düsseldorfern - und an den immensen Sprinterqualitäten von Fortuna-Angreifer Erik Thommy.

Nach dem Spiel erfuhr die Blase von Nicolas Höfler Rehabilitation. Nein, Harndrang sei nicht der Grund gewesen, warum Freiburgs Mittelfeldspieler nach einer Stunde vom Platz rannte und in der Kabine verschwand, wie geraunt wurde. In Wahrheit, verriet sein Trainer Christian Streich nach dem Spiel, sei Höfler verbunden worden: "Er ist umgeknickt und hat gefragt, ob er raus kann."

Der Zeitpunkt für die Behandlungspause war allerdings schlecht gewählt, die zehn verbliebenen Freiburger postierten sich nach eigenem Eckball so ungeschickt auf dem Platz, dass Düsseldorfs Erik Thommy bei seinem Usain-Bolt-verdächtigen Sprint über 70 Meter nur noch Freiburgs Torhüter Alexander Schwolow vor sich hatte, als er das zweite Düsseldorfer Tor erzielte (61.) und somit den Sieg gegen merkwürdig ideenlose Freiburger sicherstellte. Von einem "Tor des Willens" sprach Thommy nach dem Spiel. "Ich hatte plötzlich die ganze Wiese vor mir und wollte einfach unbedingt das Tor machen."

Freiburg hätte eigentlich gewarnt sein müssen vor Düsseldorf

Aufgrund der Niederlagen von Bremen und Paderborn konnte die Fortuna also durch ein Willens- und ein Kopfballtor (André Hoffmann/37.) drei Punkte im Kampf um den Klassenerhalt gutmachen. Dementsprechend trocken fiel die Einordung aus: "Das war vielleicht nicht attraktiv, das war vielleicht nicht sexy, aber wir haben gewonnen", fasste Trainer Uwe Rösler den Vortrag zusammen, der tatsächlich auch jede Menge taktische Fouls und Reklamationen vorsah, bei denen der Düsseldorfer Spieler jeweils der einzige war, der ein Foul wahrgenommen haben wollte. "Wir haben viele Freistöße rausgeholt und den Rhythmus der Freiburger unterbrochen", gab auch Angreifer Rouwen Hennings zu, der prognostizierte, dass "die nächsten Tage allen ein bisschen leichter fallen werden", womit der norddeutsche Karnevals-Agnostiker definitiv nicht auf die fünfte Jahreszeit angespielt haben wollte.

Freiburgs Torhüter Schwolow wollte den Düsseldorfer Kollegen nicht widersprechen. Doch wie sein Trainer wollte er sich nicht über die Kniffe der Düsseldorfer beschweren. Zumal nur ein Bruchteil der Entschlossenheit und Abgezocktheit gereicht hätte, um nach der Heimniederlage gegen Paderborn vor vier Wochen nicht nun auch noch gegen die nächste Mannschaft zu verlieren, die man am Ende der Saison eigentlich hinter sich lassen will. "Ich kann es nicht so richtig verstehen, wie wir heute gespielt haben", sagte Alexander Schwolow. "Wir wussten eigentlich genau, was uns erwartet."

Tatsächlich war die Fortuna vor dem Spiel als besonders gefährlicher Gegner ausgemacht worden. Denn die Spielweise der Fortuna scheint beim Sportclub im Moment kein Kraut gewachsen zu sein. Gegen tiefstehende Mannschaften, die das Freiburger Offensivpressing mit langen Bällen umgehen, tut sich der Sportclub in dieser Saison schwer, weil statt Balleroberungen im vorderen Drittel ein möglichst kreativer Spielaufbau von hinten heraus gefragt ist. Und dabei hapert es beim SC seit längerem gewaltig.

Luca Waldschmidt und Vincenzo Grifo, die beiden Hochbegabten in der Freiburger Offensive, spielten auch am Samstag schwach, Lucas Höler versprangen Bälle, die in der ersten Liga in aller Regel produktiv verarbeitet werden. Ein zielführendes Aufbauspiel fand nicht statt, die Fünferkette der Fortuna dichtete die an guten Tagen durchaus gefährlichen Freiburger Außenbahnen ab, die Zentrale wurde mit beachtlicher Zweikampffreude entnervt.

Nach zuletzt nur acht Punkten aus neun Spielen darf sich derweil Streich bestätigt fühlen, der Fragen nach Ambitionen auf den internationalen Wettbewerb immer sehr energisch als hanebüchene Spinnereien abtut. Angesichts von immer noch 13 Zählern Vorsprung auf den Relegationsrang reicht aber auch der scheinbar angeborene Pessimismus des Freiburger Trainers nicht dafür, um ernsthaft noch akute Abstiegsnot zu beschwören. Die Gefahr, eine so vielversprechend begonnene Saison mit mittelmäßigen bis schlechten Leistungen ausdimmen zu lassen, besteht aber durchaus.

© SZ vom 23.02.2020
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