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Dritte Fußball-Liga:Der Hachinger Weg

Muss zusehen, „dass es liquiditätsmäßig bei uns nicht eng wird irgendwann“: Präsident Manfred Schwabl.

(Foto: Claus Schunk)

Obwohl sich der Hauptsponsor verabschiedet, beantragt die SpVgg weiter keine Kurzarbeit - die Spieler spenden.

Immer wieder hatte Manfred Schwabl betont, dass es jetzt doch um Wichtigeres gehe als Profifußball. Und als den Präsidenten des Fußball-Drittligisten SpVgg Unterhaching dann die ersten schlechten Nachrichten erreichten, blieb er dieser Linie tatsächlich treu. Am Montag wurde bekannt, dass der Haupt- und Trikotsponsor Frostkrone nach zweieinhalb Jahren sein Engagement aufgibt, und zwar schon am 30. Juni diesen Jahres. Als Aktiengesellschaft war die SpVgg verpflichtet, die Trennung bekannt zu machen. Das Unternehmen selbst gibt die unsichere wirtschaftliche Lage als Begründung an. Schwabl sagt: "Ich habe volles Verständnis. Es kann ja nicht sein, dass Frostkrone 50 Leute entlässt, nur damit sie uns weiter bezahlen."

Er werde jetzt auch nicht rechtlich prüfen, ob die vorzeitige Beendigung des Sponsorenvertrages überhaupt rechtens ist - so etwas sei ein völlig falsches Signal. Und selbst, wenn es den Verein zerreiße, man werde weiterhin diesen geradlinigen Weg gehen.

Es dürfte in diesem Fall nicht Schwabls Taktik sein, aber: Der 53-Jährige ist langfristig schon oft gut damit gefahren, branchen-unüblich zu handeln und ökonomische Interessen hintenan zu stellen. So kamen schon mehrere Spieler, die anderswo nicht glücklich wurden, gerne nach Unterhaching zurück. So könnte es sich eines Tages auch mit dem Noch-Sponsor verhalten, der für die kommende Drittliga-Saison immerhin 450 000 Euro gezahlt hätte. Für den Fall, dass es der Firma eines Tages wieder gut gehe, stehe die Tür natürlich offen, sagt Schwabl.

"Gern hätten wir mit diesem Schritt noch gewartet. Aber wir können die wirtschaftliche Lage derzeit nicht absehen und müssen daher vorausschauend handeln", sagt Frédéric Dervieux, der Vorstandsvorsitzende der Frostkrone Food Group. Diese war zuletzt größer geworden und hatte sich weiter internationalisiert. Man habe demnach eine Verantwortung für Mitarbeiter weltweit, nicht nur für deutsche. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass Dervieux dennoch Aufsichtsratsmitglied der Unterhachinger Fußball GmbH bleibt. Dort hatte sich zuletzt viel getan, weil Robert Perchtold überraschend verstorben war und sich der Großaktionär Andreas Kögl aus gesundheitlichen Gründen zurückzog. Nachfolger für Perchtold als Vorsitzender ist seit der letzten Aktionärsversammlung Florian Kainz.

Für Aufsehen hatte vor einigen Tagen Schwabls Aussage im Bayerischen Fernsehen gesorgt, wonach die SpVgg keine Kurzarbeit für ihre Spieler beantragen wolle. Das bekräftigte er am Dienstag noch einmal, und die Spieler zögen da auch mit: Zurzeit verzichteten sie auf einen Teil des Gehalts, das aber voll ausbezahlt werde und diese Woche in Form von Spenden an gemeinnützige Einrichtungen in der Gemeinde gehe. Auch die Mitarbeiter der Geschäftsstelle seien zuletzt voll ausbezahlt worden, sagt Schwabl, für sie überlege man sich aber gerade die Umstellung auf Kurzarbeit. Natürlich müsse man auch zusehen, "dass es liquiditätsmäßig bei uns nicht eng wird irgendwann".

Wenn der Ball auch im Sommer noch nicht rollen sollte, müsste man womöglich auch für die Spieler Kurzarbeit beantragen. Diese befinden sich zurzeit übrigens in einer speziellen Form der Teamarbeit. Trainer Claus Schromm hat ihnen Hausaufgaben gegeben: Jeder muss auf einem Server hinterlegte Spielszenen, in denen er vorkommt, taktisch aufarbeiten und dem Trainerteam präsentieren.

Viele Planungen sind zurzeit auch in Unterhaching auf Eis gelegt, allerdings nicht die Pläne für die eigene Heimat. Schwabl erklärt, dass man sich mit der Gemeinde ja "grundsätzlich einig" sei, dass das Stadion in den Besitz des Vereins übergeht. Dass jetzt eine außerordentliche Mitgliederversammlung und eine Gemeinderatssitzung ausfallen mussten, um den Beschluss auch auf den Weg zu bringen, ändere nichts an den grundsätzlichen Plänen.

Und das, obwohl Schwabl davon ausgeht, dass die Corona-Pandemie weitreichende gesellschaftliche Folgen nach sich ziehen wird, und dass sich auch im Profifußball sehr viel ändern werde. "Wir können doch im Moment nicht einmal sicher sagen, ob wir in der kommenden Saison in der vierten, dritten oder zweiten Liga spielen werden", sagt Schwabl. Am kommenden Freitag steht eine weitere DFB-Videokonferenz an, danach wissen die Drittligisten vielleicht, ganz vielleicht schon ein bisschen besser, wie die Zukunft aussehen wird.

© SZ vom 01.04.2020
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