Deutschland schlägt die Färöer-Inseln 2:0:Kampf, Krampf und spätes Glück

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Viel hat nicht mehr gefehlt beim EM-Qualifikations-Match, dann hätten die Männer von den Schafsinseln ein weiteres Mal Fußballgeschichte geschrieben und die Deutschen sich endgültig einen Platz auf dem walk of shame gesichert. Doch dann kam Klose und auch Bobic stocherte den Ball noch irgendwie in die Maschen.

Miroslav Klose hat Vizeweltmeister Deutschland vor einer Riesen-Blamage bewahrt. Mit seinem Treffer in der 89. Minute legte der eingewechselte Torjäger des 1. FC Kaiserslautern den Grundstein zum glücklichen 2:0 (0:0)-Erfolg gegen den Fußball-Zwerg Färöer, Fredi Bobic stellte in der Nachspielzeit den Endstand her.

Deutschland schlägt die Färöer-Inseln 2:0: Fredi Bobic - er probierte es wenigstens, doch die Pfosten standen dauernd im Weg.

Fredi Bobic - er probierte es wenigstens, doch die Pfosten standen dauernd im Weg.

(Foto: AP)

Allerdings legte die DFB-Auswahl zum Abschluss der Länderspiel-Saison den spielerischen Offenbarungseid ab, übernahm aber trotzdem durch die späten Treffer die Tabellenführung der Gruppe 5 mit elf Punkten vor Island (9), das in Litauen mit 3:0 gewann.

"Solch eine Spiel habe ich selten erlebt. Es war ein Hammer. Du spielst auf ein Tor, rennst an, und dann kommt alles zusammen, auch Unvermögen. Gott sei Dank ging der Ball irgendwann rein, ich habe selbst nicht mehr daran geglaubt", meinte Torschütze Bobic selbstkritisch.

Und der Dortmunder Christian Wörns resümierte angesichts der vielen vergebenen Chancen: "Die hatten einen Engel im Tor." In erster Linie mit dem Ergebnis zufrieden war auch auch Teamchef Rudi Völler: "Ich habe immer an den Sieg geglaubt. Wir haben es leider recht spannend gemacht. In der ersten Halbzeit haben wir ein etwas behäbig gespielt, aber in der zweiten Hälfte haben wir alles versucht. Ich kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen. Gegen einen solchen Gegner kann man nicht glänzen, da geht es nur mit der Brechstange."

Vor 6000 Zuschauern im ausverkauften Stadion Torsvöllur war die deutsche Mannschaft zwar stets optisch überlegen, unter dem Strich enttäuschte der Favorit aber und konnte sich gegen den 113. der FIFA-Weltrangliste fast nie entscheidend durchsetzen.

Bis kurz vor dem Ende standen lediglich drei Pfostenschüsse zu Buche.

Bobic (23.), der färische Abwehrspieler Jon Roi Jacobsen im Anschluss an einen Bobic-Kopfball (43.) sowie Carsten Ramelow (65.) trafen nur den Pfosten.

Dennoch konnte angesichts der spielerischen Armut im deutschen Team nicht nur von Pech die Rede sein. Gegen die Feierabend-Kicker von den Schafsinseln ließ Deutschland wie schon vier Tage zuvor gegen Schottland in Glasgow (1:1) über weite Strecken das nötige Engagement, vor allem aber auch die spielerische Klasse vermissen.

Nach dem Seitenwechsel wirkten die Gäste zwar bei weitem wacher und bemühter als im ersten Durchgang, unter dem Strich war es aber eine katastrophale Vorstellung, bei der sich die Färinger mit großem Kampf und Leidenschaft einen Punkt gegen den haushohen Favoriten redlich verdienten hätten.

Völler hatte im Gegensatz zum Schottland-Spiel drei personelle Veränderungen vorgenommen. Für den verletzten Michael Ballack, der bereits gegen die Schotten wegen einer Wadenverhärtung gehandicappt war, kam Sebastian Kehl zum Einsatz.

Der Dortmunder war in der zentralen Rolle des Mittelfeldes allerdings völlig überfordert und konnte dem Spiel zu keinem Zeitpunkt seinen Stempel aufdrücken.

Der Bochumer Paul Freier spielte für den gesperrten Dortmunder Torsten Frings auf der rechten Seite, zudem ersetzte Oliver Neuville den zuletzt formschwachen Lauterer Klose im Angriff.

Der 25-Jährige, der in der 65. Minute für Totalausfall Jens Jeremies ins Spiel kam, setzte einige Impulse, köpfte schließlich sein Tor, hatte zuvor dem Spiel auch keine Wende mehr geben können.

Gegen die mehr als biederen Gastgeber, die allenfalls Regionalliga-Niveau besaßen, bot der Top-Favorit trotz optischer Überlegenheit im ersten Durchgang eine katastrophale Darbietung.

Die Gastgeber, die der DFB-Auswahl bereits beim 1:2 im Hinspiel im vergangenen Oktober in Hannover alles abverlangt hatten, stellten die Bundesliga-Millionäre mit ihrer geschickten Raumaufteilung zunächst vor unlösbare Probleme.

Die beiden besten Gelegenheiten der deutschen Mannschaft resultierten aus Fehlern der Gastgeber. In der 23. Minute traf Fredi Bobic nach einem fürchterlichen Patzer von Torwart Jakup Mikkelsen aus 14 Metern nur den Pfosten.

Zwei Minuten vor der Pause lenkte Jon Roi Jacobsen einen Kopfball des künftigen Berliners ebenfalls ans Aluminium. Bis auf diese zwei Gelegenheiten konnte sich das Team von Völler keine einzige Tormöglichkeit herausspielen.

Lediglich Bernd Schneider (14.) mit einem Freistoß sowie Kehl (18.) und Carsten Ramelow (20.) sorgten für etwas Verwirrung in der Hintermannschaft des Gruppen-Letzten.

Pech hatten in der Schlussphase erneut Bobic und Neuville. Zudem sah der künftige Münchner Tobias Rau die zweite Gelbe Karte und ist damit für das nächste EM-Qualifikationsspiel in Island gesperrt.

In der zweiten Hälfte musste die deutsche Elf ohne ihren Kapitän Oliver Kahn, der in Torshavn sein 60. Länderspiel bestritt, auskommen. Der Münchner musste wegen einer Bindehautentzündung am linken Auge durch den Schalker Frank Rost ersetzt werden.

Die neue Länderspielsaison für den Vizeweltmeister beginnt am 20. August mit einem Test gegen Italien in Stuttgart, am 6. September steht das nächste EM-Qualifikationsspiel gegen Island in Reykjavik an, ehe vier Tage später die Schotten zum Rückspiel in Dortmund antreten.

(sueddeutsche.de/sid)

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