DEL startet in 13. Saison Keiner wird bestraft

Die Deutsche Eishockey-Liga umfasst wieder 14 Mannschaften, nachdem Zweitligameister Straubing Tigers die Aufnahmekriterien erfüllte und den Platz von Absteiger Kassel Huskies einnahm.

Von Wolfgang Gärner

Das Kasseler Schicksal droht von nun an bis 2011 niemandem mehr in der deutschen Eishockey-Meisterschaft, denn die DEL hat den sportlichen Abstieg für fünf Jahre ausgesetzt. Ausgeschieden wird nur noch aus wirtschaftlichen Gründen. Obwohl: Es ist schon lange keiner mehr pleite gegangen. Die Liga hat sich konsolidiert. Von einem Boom kann dennoch nur beim Bau neuer Arenen gesprochen werden.

Das Logo der DEL

(Foto: Foto: www.del.org)

Augsburger Panther

Das punktgenau erreichte Saisonziel des letzten Jahres: Platz zwölf - um den Abstiegskampf zu umgehen - ist keine Option mehr, weil der Abstieg abgeschafft wurde. Von einer neuen Halle wird derzeit nicht mal gesprochen. Paulin Bordelau blieb Trainer, und der Etat mit 3,1 Millionen am unteren Ende der Liga.

Eisbären Berlin

Der Grundstein zur 17 000-Seelen-Arena am Ostbahnhof wird kommende Woche gelegt, aber bis 2008 hausen die Berliner im Wellblechpalast zu Hohenschönhausen. Der erwies sich zuletzt zwei Mal als geeignet für Meisterfeiern, angestrebt wird die Trilogie. Trainer Pagé bekam dafür den starken Verteidiger Andy Roach (zuletzt Mannheim). Ansonsten viel Jugend (Schnitt 23,4 Jahre - kein Team ist jünger). Etat: Hoch, aber nur zu schätzen - Patron Anschutz spricht nicht über Geld.

DEG Metro Stars

Sind aus ihrer legendären Heimstatt an der Brehmstraße in den neuen ISS Dome (13 400 Zuschauer, 9400 sitzend) umgezogen. Die Düsseldorfer lassen sich die Saison 7,5 Millionen kosten (mehr haben offiziell nur die Mannheimer), dafür wurde Verteidiger Sean Brown verpflichtet, ein echter NHL-Profi, der letzte Saison für New Jersey Devils und Vancouver Canucks spielte. Gecoacht wird die DEG weiter von Don Jackson, der das Team letztes Mal bis ins Finale führte.

Füchse Duisburg

Dieter Hegen durfte Trainer bleiben, weil er mit dem Aufsteiger von 2005 genau das schaffte, was ihm aufgetragen war: den Abstieg zu vermeiden (in der Playdown-Runde gegen Kassel). Nun wünscht es sich Hegens Arbeitgeber Ralf Pape drei Plätze besser, was nicht leicht wird, gemessen am Etat: noch niedriger als der von Augsburg.

Frankfurt Lions

Als die Lions 2004 das Finale gegen Berlin gewonnen hatten, verkündete Eigner Gerd Schröder, nun werde der Hallenneubau in Angriff genommen. 2006 ist die Spielstätte noch dieselbe wie damals, der Trainer auch: Rich Chernomaz. Der bekam Verstärkungen an die Hand wie Spielmacher Chris Taylor aus der AHL sowie Verteidiger Shane Peacock (zuvor Hamburg Freezers).

Hamburg Freezers

Das zweite Anschutz-Team der DEL, wirtschaftlich in der Color Line Arena eine andere Nummer als am früheren Standort München, sportlich nach vier Jahren aber längst noch nicht so weit. Zwar geht dem Besitzer Geschäft allemal vor sportlichem Ruhm, aber für sieben Millionen Einsatz muss das Team von Coach Mike Schmidt mehr bringen als Platz sieben wie 2006.

Hannover Scorpions

Der erstaunliche Aufschwung, der die Scorpions 2006 bis ins Halbfinale gegen Berlin führte, soll in der Tui-Arena unter Hans Zach fortgeführt werden. Für dessen Verpflichtung nahm man in Kauf, dass ein führender deutscher Spielgestalter abgegeben werden musste: Zach und Robert Hock zusammen geht nicht, weiß man. Dafür wurden die Amerikaner Nickulaus und Hisey geholt sowie Nationaltorwart Alexander Jung von der DEG.

ERC Ingolstadt

Die Saturn-Arena (4800 Plätze) ist der Prototyp der neuen kleinen Hallen der DEL. Darin wurde in der Vorrunde 2005/06 viel gejubelt, weil die Panther Tabellenführer waren. Anschließend erlebten sie die mangelnde Nachhaltigkeit dieses Zustandes: Der Halbfinalist der vorherigen zwei Jahre schied in der ersten Playoffrunde aus. Eine Wiederholung dieses Traumas für das Team von Trainer Ron Kennedy sollen die Verteidiger Tory (DEG) und Bakos (Mannheim) vermeiden helfen.

Iserlohn Roosters

Dass sie es noch nie in die Playoffs schafften, ist bei einem 3-Millionen-Etat keine Schande. Für Doug Mason, der zu den Kölner Haien wechselte, kam als Trainer Geoff Ward aus dem Stab von Stanley-Cup-Gewinner Edmonton. Er soll die Roosters unter die besten Acht führen. Einen der besten deutschen Spielmacher haben sie bekommen: Robert Hock, das Gehalt zahlen angeblich die Hannover Scorpions.

Kölner Haie

Bei ihnen begann die Ära der neuen deutschen Eishockey-Dome mit der Kölnarena. Die Ära des Hans Zach ist nach vier Jahren vorbei. Der letzte Titel datiert von 2002, aber Patron Heinz-Hermann lässt sich so was nicht mehr jeden Preis kosten (dem Vernehmen nach nur noch 6,5 Millionen). Immerhin haben die Haie aus der NHL Verteidiger Jason Marshall (Anaheim) geholt sowie die DEL-Cracks Trygg, Adams (Iserlohn) und Tallaire (Ingolstadt). Die Ligenleitung bewies Sinn für Spezialeffekte, indem sie zum vorgezogenen Auftakt für diesen Donnerstag in Köln Zachs erste Wiederkehr mit Hannover ansetzte.

Krefeld Pinguine

Beim Überraschungsmeister von 2003 wurde der Assistent Jiri Ehrenberger zum Cheftrainer befördert. Torwart Robert Müller, eine der Schlüsselfiguren beim Titelgewinn, spielt lieber wieder für Topfavorit Mannheim.

Adler Mannheim

Beeindruckende Erfolgszahlen werden von der SAP-Arena gemeldet, welche die Familie Hopp, Eigentümer der Adler, vor einem Jahr einweihte. Die Bilanz der Adler war weniger beeindruckend: Das Acht-Milionen-Euro-Team verpasste erstmals die DEL-Playoffs. Dafür halfen die Mannheimer dem Deutschen Eishockey-Bund bei der Lösung eines Personalproblems durch Übernahme von Greg Poss (bis dahin Coach der Auswahl und mit dieser abgestiegen). Die Teilnahme an der Endrunde konnte auch er nicht mehr bewerkstelligen, umso höher sind die Erwartungen für die neue Saison.

Nürnberg Ice Tiger

Der neue Patron Günther Hertel entschuldete nicht nur die DEL-Franchise, sondern übernahm als Farmklub auch gleich Regionalligist Riessersee. Manager Otto Sykora und Trainer Benoit Laporte dürfen weitermachen und haben viereinhalb Millionen, um es ins Halbfinale zu schaffen. In der neuen Arena waren die Ice Tigers noch nicht annähernd so gut wie im alten Schuppen am Nordostbahnhof (1999 im Finale - verdammt lang her!). ´

Straubing Tigers

Der Aufsteiger fühlte sich zunächst von der Liga abgelehnt, wurde nach Nachbesserungen am Stadion am Pulverturm doch halbwegs herzlich aufgenommen. Die Tigers wählten vorwiegend regionale Lösungen mit Landshutern wie Trainer Kühnhackl und den Stürmern Günter Oswald (zuletzt Ingolstadt) und Tobias Abstreiter (Kassel/zog sich eben einen Kreuzbandriss zu). Manager Jürgen Pfundner hat einen Etat von drei Millionen zusammengebracht, Kühnhackl weiß, was einem dafür zugetraut wird: der letzte Platz. Den zu vermeiden, ist ihr Ziel, auch wenn er nicht mit dem Abstieg bestraft wird.