BVB-Präsident Niebaum Entmachtung in drei Schritten

Borussia Dortmunds Präsidium beugt sich den massiven Forderungen des Großaktionärs Homm: Es muss alle Finanzbereiche aus der Hand geben - und bald gehen.

Von Von Freddie Röckenhaus

Wenn nicht alles täuscht, sind die Tage des Präsidenten Gerd Niebaum beim finanziell taumelnden Bundesligisten Borussia Dortmund gezählt. Nach eigenen Angaben hat der neue BVB-Großaktionär Florian Homm mit einem rund 20 Millionen Euro schweren Engagement die Kapitalerhöhung des börsennotierten Fußball-Unternehmens erst am Freitag, kurz vor der Bilanzpressekonferenz des BVB, fast im Alleingang gerettet. Als Bedingung für seinen rettenden Einstieg hat sich der Fondsmanager und Neckermann-Erbe Homm von den beiden Geschäftsführern Gerd Niebaum und Michael Meier offenbar eine ¸¸Drei-Punkte-Erklärung" gegenzeichnen lassen, die der Süddeutschen Zeitung vorliegt.

Gemäß dieser Erklärung verpflichtet sich Niebaum, ¸¸spätestens im Rahmen der Neuwahl des Präsidiums des BVB im Jahre 2006" sein Amt ¸¸zur Verfügung zu stellen". Im gleichen Abschnitt heißt es, dass ¸¸die Gesellschaft schnellstmöglich einen externen dritten Geschäftsführer für die Bereiche Finanzen und Controlling suchen und einstellen" wird. Mit dieser Maßnahme sollen alle Bereiche der Geschäftsführung, die im weitesten Sinne mit Geld und Finanzen zu tun haben, Meier und Niebaum aus den Händen genommen werden. Das kommt einer Entmachtung Niebaums gleich. Die langjährigen BVB-Chefs hatten am Freitag in ihrer Jahresbilanz einen Saisonverlust von unfassbaren 67,7 Millionen Euro präsentiert, sowie Verbindlichkeiten von 118,8 Millionen und ¸¸sonstige finanzielle Verpflichtungen" (überwiegend aus Leasing-Geschäften) von 363 Millionen Euro.

BVB-Manager Michael Meier sagte der SZ am Sonntag zu dem Vorgang: ¸¸Ich dementiere das nicht. Ich gebe keinen weiteren Kommentar ab." Homm erklärte der SZ am Samstag: ¸¸Es ist noch nicht ausreichend klar geworden, dass am Freitag der große Verein Borussia Dortmund gerettet worden ist." Diese Aussage bedeutet, dass die Liquiditätsprobleme des BVB noch in dieser Woche eskaliert wären. Ohne die Kapitalerhöhung hätte gar die Gefahr einer Insolvenz gedroht, wie das Nachrichtenmagazin Focus in seiner heutigen Ausgabe schreibt. Offenbar hält der wegen rigoroser Methoden häufig in die Schlagzeilen gekommene Fondsmanager Homm die Geschäftsführer Niebaum und Meier nicht für fähig, einen tatsächlichen Sanierungskurs durchzuziehen.

Der Ernst der Lage, von Finanzexperten und Medien bereits seit Dezember 2003 immer wieder beschworen, dokumentiert sich nun sogar im offiziellen BVB-Geschäftsbericht. Auf Seite 44 gestehen Niebaum und Meier ein, dass es ¸¸für die Bestandserhaltung des Unternehmens (...) zwingend erforderlich" sei, das ¸¸Konsolidierungsprogramm" erfolgreich umzusetzen. Höchst ungewöhnlich ist auch, dass die beiden Wirtschaftsprüfer des BVB, Schäfermeyer und Rumphorst, im BVB-Geschäftsbericht 2003/ 2004 ausdrücklich die ¸¸angespannte Liquiditätslage" der Borussia vermerken. Weiter gehen die Wirtschaftsprüfer auf Distanz mit dem Satz: ¸¸Bei der Beurteilung von prognostischen Aussagen im Lagebericht stützen wir uns weitgehend auf Erklärungen der Geschäftsführung."

Offenbar hat sich Aktionär Homm von Niebaum und Meier ebenfalls quittieren lassen, dass künftig ¸¸die diskutierten Kostenplanungen ohne Erlöse Uefa und Transfers" erstellt werden müssten. Dies hatten die beiden BVB-Geschäftsführer am Freitag als Errungenschaft ihres eigenen Sparwillens verkündet. In dem erst vor drei Wochen erstellten ¸¸London Road Show"-Papier des BVB, das der SZ ebenfalls vorliegt und mit dem um Neuaktionäre geworben wurde, sind noch Uefa-Cup-Einnahmen für die kommende Saison Bestandteil der dortigen Planungen. Homm fordert außerdem, dass sich Niebaum und Meier dafür zu verwenden haben, dass Homms Fondsfirma FM Limited so bald wie möglich drei Positionen im ¸¸Beirat der geschäftsführenden GmbH" sowie ¸¸zwei Entsendungsrechte in den Aufsichtsrat der KGaA" erhält.

Entscheidungen über die Bestellung des von Homm geforderten dritten Geschäftsführers und über Plätze in den Klubgremien fällen Niebaum und Meier aber ausnahmsweise nicht allein. Im komplizierten Gestrüpp aus Altverein Borussia Dortmund (Präsident: Gerd Niebaum), einer ¸¸geschäftsführenden GmbH" Borussia Dortmund (Geschäftsführer: Niebaum und Meier) und der börsennotierten ¸¸Borussia Dortmund KG auf Aktien" (Geschäftsführer ebenfalls Niebaum und Meier), ist dafür der sogenannte ¸¸Präsidialauschuss" zuständig. Dieser könnte darüber hinaus Niebaum und Meier aus ihren Geschäftsführer-Positionen entlassen. Als bekanntermaßen Niebaum-kritische Mitglieder sitzen dort der Beirats- und Aufsichtsrats-Vorsitzende Winfried Materna und BVB-Schatzmeister Hans-Joachim Watzke. Im November steht außerdem die Mitgliderversammlung des BVB an, die Niebaum abwählen dürfte.

Großaktionär Homm soll über verschiedene Gesellschaften inzwischen in Besitz von rund 35 Prozent des BVB-Aktienkapitals sein. Homm ist offenbar auch im Dialog mit Stephen Schechter, dem amerikanischen Finanzmakler, der dem BVB mit einer über 120 Millionen Euro schweren Anleihe weiter aus der Bredouille helfen soll. Schechter hatte, angesichts etwa des Verkaufs des Westfalenstadions an die Commerzbank-Tochter Molsiris gegenüber der SZ drastisch formuliert: ¸¸Mit diesem Vertrag hat sich das BVB-Management praktisch das Klo runtergespült." Und auch die Politik in Nordrhein-Westfalen schreitet nun ein. So soll Wirtschaftsminister Harald Schartau Focus gesagt haben, der BVB könne nur noch gerettet werden, wenn Niebaum gehe: ¸¸Da hilft jetzt nur noch ein harter und kompetenter Sanierer." Noch allerdings klebt Niebaum, der als BVB-Geschäftsführer über eine Million Euro Jahresgehalt kassieren soll, an seinem Stuhl. Die Präsidentendämmerung ließ er am Samstag dementieren.