Basketball Männer Dominant ab dem Sprungball

Zion Williams gilt bereits jetzt als sicherer Kandidat für den ersten NBA-Draftpick im kommenden Juni und konnte im Spiel gegen die North Dakota Bisons einiges bieten.

(Foto: Jacob Kupferman/imago)

Die Erwartungen an Zion Williamson waren vor seinem ersten March-Madness-Auftritt gigantisch. Schon die ersten Sekunden zeigen: vollkommen zurecht.

Von Raphael Weiss, Columbia/ München

Alle Augen waren auf ihn gerichtet. Ein oft bemühter Satz im Sport, doch bei dem 18-jährigen Zion Williamson traf er vor seinem ersten Spiel in der Endrunde der NCAA-College-Meisterschaft ganz besonders zu. Seit den Highschooljahren von LeBron James hat wohl kein Amateurspieler den Basketballkosmos in solch eine Aufregung versetzt, wie der Power Forward der Duke University. Schon jetzt gilt er als sicherer Kandidat für den ersten NBA-Draft-Pick im kommenden Juni. Viel wurde in den vergangenen Monaten über ihn gesprochen und nun wollten Fans und Journalisten endlich sehen, wie sich diese muskelgewordene Sensation auf großer Bühne gegen die North Dakota Bisons präsentieren würde. Der Fernsehsender CBS (dessen Logo passenderweise ein Auge ist) hatte sogar extra eine Kamera eingerichtet, die sich nur auf ihn fokussierte, die jede seiner Bewegungen festhalten, keine Geste, keine Regung verpassen sollte.

Und Williamson schien dem Publikum von Anfang an genau das geben zu wollen, was es erwartet hatte. In den ersten 30 Sekunden des Spiels gewann er den Sprungball gegen den sieben Zentimeter größeren Rocky Kreuser, kämpfte sich anschließend durch die Defense der Bisons, um sich gegen zwei Verteidiger am Korb durchzusetzen und hämmerte dann in der Defense den Wurfversuch von Sam Greisel in Richtung Zuschauertribüne. Williamson brauchte keine Minute, um herauszustechen.

130 Kilogramm Muskeln auf 2,01 Metern

Das Spiel zwischen Williamsons Duke Blue Devils und den North Dakota State Bison schien schon entschieden, bevor es überhaupt begonnen hatte. Neben Williamson hat das Team mit R.J. Barret und Cam Reddish noch zwei weitere Spieler, die im kommenden NBA-Draft als Top-Fünf-Kandidaten gehandelt werden. Die diesjährige Duke-Mannschaft gilt als die vielleicht beste, die der fünffache NCAA Champion jemals hatte. Doch wie schwer es ist, den Titel in der als "March Madness" bekannten Turnierserie zu gewinnen, ließ sich in der ersten Hälfte erahnen. Denn jedes Spiel ist ein K.O.-Spiel, jeder Ausrutscher beendet die Saison. Und die klaren Außenseiter aus North Dakota starteten gut, verwandelten gleich zu Beginn zwei Drei-Punkte-Würfe und zogen schnell mit 12:5 davon.

Es dauerte, bis sich Duke im Spiel zurechtfand. Zur Halbzeit betrug der Abstand zwischen Favorit und Underdog noch vier Punkte. Die auf Williamson gerichteten Kameras taten genau das, was sie sollten, fingen seine Gesichtszüge ein, die erkennen ließen, wie unzufrieden der kommende Superstar mit der ersten Halbzeit seiner Mannschaft war. "Meine Teamkollegen und mein Trainer haben mir gesagt, ich solle ich selbst sein. Und genau das habe ich gemacht. Ich habe versucht, mit meiner Energie der Mannschaft zu helfen", erklärte Williamson die Halbzeitansprache. Was in der zweiten Hälfte folgte, war eine Machtdemonstration von ihm, in der Williamson zeigte, was es heißt, wenn dieser Basketballer er selbst ist. Zum einen: körperliche Dominanz. Fast 130 Kilogramm Muskelmasse, verteilt auf 201 Zentimeter. Gleich im ersten Spielzug in Halbzeit zwei setzte er sich gegen zwei Verteidiger durch und konnte auf seinem Weg zum Korb auch nicht durch ein Foul gestoppt werden. Den anschließenden Freiwurf, eine seiner wenigen Schwächen, verwarf Williamson zwar, doch er holte sich den Rebound und beendete mit einem krachenden Dunk.

Die Erwartung an dieses Team um Williamson heißt: Meisterschaft

Zum anderen: die Spielübersicht. Immer wieder leitete der 18-Jährige mit intelligenten, öffnenden Pässen die schnellen Gegenstöße seiner Mannschaft ein. Und drittens: seine Athletik, die Art wie er seinen massigen Körper bewegt. Als Duke zwei Minuten nach Beginn der zweiten Hälfte elf Punkte Vorsprung herausgespielt hatte, fälschte Williamson einen Pass auf Bisons-Guard Vinnie Shahid ab. Es folgte ein Laufduell zwischen zwei ungleichen Spielern - 130 Kilogramm gegen 95 Kilogramm, 201 Zentimeter Körpergröße gegen 180 - in das Shahid mit einem Meter Vorsprung startete und trotzdem als Verlierer herausging. Williamson überholte auf außen, kam schneller an den Ball, legte ihn sich hinter dem Rücken an Shahid vorbei und vollendete zum 40:27.

Weil auch Reddish (12 Punkte, drei Assists) und vor allen Dingen Barret (26 Punkte, 14 Rebounds) besser ins Spiel kamen, war in der Partie spätestens ab dieser Aktion die Spannung verflogen. Endstand 85:62. "Wir haben heute ein sehr gutes Team geschlagen. In der zweiten Halbzeit haben wir einfach schönen Basketball gespielt", sagte Duke-Coach Mike Krzyzewski. Für Duke war es ein guter Start in das Turnier, doch die Bisons sind nicht das Maß, an dem sich die Mannschaft messen lassen muss. Die Erwartung an dieses Team um Williamson heißt: Meisterschaft. Alles andere wäre eine Enttäuschung. "Früher haben ich die March Madness per Live-Stream angeschaut. Ich habe mir gesagt: Irgendwann werde ich ein Teil davon sein", sagte Williamson und legte später bei ESPN nach: "Ich möchte nicht an diese Zeit zurückdenken und sagen: Wir hätten mit dieser Mannschaft echt den Titel gewinnen können. Ich will keine Was-wäre-wenns."

Fünf Mal muss Duke noch gewinnen, um am 8. April die Erwartungen zu erfüllen. Schon am Sonntag wartet mit den UCF Knights aus Florida eine deutlich schwerere Aufgabe. Auch vor diesem Spiel werden alle Augen wieder auf Williamson gerichtet sein. Knights-Center Tacko Fall erklärte NCAA.com: "Ich werde auf keinen Fall zulassen, dass er gegen mich dunkt. Ich werde es nicht zulassen, dass ich auf einem seiner Highlighttapes erscheine." Es wird interessant werden, wie sich Williamson gegen den 2,28 Meter großen Falls schlagen wird. Zumindest beim Sprungball dürfte er es diesmal deutlich schwerer haben.