Basketball-Finalrunde Drohendes Donnerwetter

Die Schwankungen, die in Ludwigsburg innerhalb von einem Spiel auftraten, sind offenbar auch dem Trainer Svetislav Pesic ein Rätsel.

(Foto: Sergei Ilnitsky/dpa)

Über den Profis des FC Bayern braut sich etwas zusammen - nicht nur wegen der unerwartet deutlichen Playoff-Niederlage bei den MHP Riesen in Ludwigsburg.

Von Joachim Mölter, Ludwigsburg/München

Alex Renfroe zum Beispiel: Anhand des 29 Jahre alten Spielgestalters kann man die ganze Bandbreite des Leistungsspektrums der FC-Bayern-Basketballer in dieser Saison ablesen. Am Dienstagabend, in der zweiten Viertelfinal-Partie bei den MHP Riesen Ludwigsburg, trieb er die Münchner zunächst an, mit acht Punkten im ersten Viertel und 14 bis zur Pause. Nach dem Wechsel kam freilich nur noch ein Zähler dazu, Renfroe tauchte ab, und in seinem Sog ging die ganze Mannschaft unter: Sie verlor 74:93 (45:49). Vier Tage zuvor hatte sie den gleichen Gegner noch souverän besiegt, 97:80. In der Best-of-five-Serie steht es nun 1:1.

So unentschieden geht das schon die ganze Saison zu bei den Basketballern des FC Bayern München, mal hin, mal her. Sie sind in der Lage, den Meister und Bundesliga-Ersten aus Bamberg zu bezwingen (86:79 im Pokal-Halbfinale) und wenig später beim Tabellenletzten und späteren Absteiger Mitteldeutscher BC zu verlieren (90:93). Wozu sie allem Anschein nach nicht in der Lage sind: mal über zwei, drei Partien hinweg konstant gut zu spielen.

Die Schwankungen, die in Ludwigsburg innerhalb von einem Spiel auftraten, sind offenbar auch dem Trainer Svetislav Pesic ein Rätsel. Er hat im Verlauf der Saison viel probiert, um seine Spieler wachzurütteln: Mal hat er sie in einer Auszeit angeschrien, mal hat er sie angeschwiegen. Am Dienstagabend kritisierte er seine Mannschaft in der Pressekonferenz öffentlich und warf ihr Überheblichkeit vor. "Ich habe es noch nicht erlebt, dass man vor dem Spiel ein Spiel gewonnen hat", sagte er: "Diese Arroganz hatte unser Gegner nicht verdient."

Als Argument für mehr Geld taugt der Auftritt der Mannschaft kaum

Und weil er schon dabei war, sandte er mit ironischem, fast sarkastischem Unterton eine Botschaft hinterher an alle, die glaubten, seine Basketballer seien allein aufgrund des FC-Bayern-Logos auf den Trikots unbezwingbar: "Wir sind der FC Bayern! Wir haben Geld! Wir haben alles! Wir haben eine lange Bank! Gucken Sie, was Ludwigsburg hat: Die haben zwei Spieler und einen Trainer. Alle anderen haben keine Ahnung. Alle anderen sind Anfänger." So wie sich das anhörte, war das eher nicht abwertend gegenüber den Gastgebern gemeint, sondern sollte heißen, dass man das Team seines Kollegen John Patrick nicht unterschätzen dürfe, auch wenn es nur ein, zwei namhafte Profis habe wie zum Beispiel den mit 2,01 Meter für einen Center eher klein gewachsenen Jon Brockman. Der war am Dienstag mit 19 erzielten Punkten und neun gefangenen Rebounds der beste Mann auf dem Parkett.

Über den Basketball-Profis des FC Bayern braut sich nun vermutlich ein Donnerwetter zusammen vor dem dritten Spiel dieser Playoff-Serie am Samstagabend in München. Als gäbe es noch nicht genug Unruhe im Verein. Für die hatte Svetislav Pesic bereits am Wochenende in einem Interview mit der SZ gesorgt, in dem er dem Präsidium des FC Bayern mangelnde Unterstützung vorwarf, vor allem finanzieller Art. Angesprochen fühlte sich dabei offensichtlich nicht nur der für die Basketballer zuständige Vizepräsident Rudolf Schels, sondern auch Klubchef Karl Hopfner. Wegen der Playoffs wollen beide allerdings vorerst nicht auf die Vorwürfe eingehen.

Der Auftritt der Mannschaft in Ludwigsburg taugt jedenfalls kaum als Argument, mehr Geld für Spieler einzufordern - auch wenn Trainer Pesic mehrmals wiederholte: "Wir haben diese Qualität nicht!" Die man für Spitzen-Basketball nach seinen Vorstellungen braucht, meinte er wohl. Der 66-Jährige hat sich zwar einen Spalt in der Tür offen gelassen für einen Rücktritt von seinem bereits im März angekündigten Rücktritt; aber für ein weiteres Engagement könnten seine Äußerungen eher kontraproduktiv gewesen sein.

Es wäre jedenfalls interessanter, mal zu sehen, was einer wie John Patrick oder der gerade zum Trainer des Jahres gekürte Frankfurter Coach Gordon Herbert mit den Möglichkeiten anstellen würden, die beim FC Bayern zur Verfügung stehen. Gerade Patrick hat ja in der Vergangenheit bei diversen Klubs gezeigt, wie man auch mit kleinem Budget respektable Teams formt. Dass er mit seinen Ludwigsburgern nun gleich den FC Bayern aus dem Wettbewerb wirft, ist dennoch nicht zu erwarten. Wie man Svetislav Pesic kennt, wird er seinen Akteuren schon Beine machen, um das zu verhindern.