1860 München Plötzlich spielen sie Fußball

Glücksmoment: 1860-Mittelfeldspieler Daniel Adlung bejubelt seinen Treffer zum 2:2, Nürnbergs Torwart Thorsten Kirschbaum kann es nicht fassen.

(Foto: Micha Will/Bongarts/Getty Images)

Die Löwen zeigen beim 2:2 in Nürnberg zum dritten Mal hintereinander eine gute Leistung, warten aber immer noch auf den ersten Zweitliga-Sieg in dieser Spielzeit.

Von Markus Schäflein

Unter den 36 547 Zuschauern im Frankenstadion befand sich auch ein gewisser Felix Magath. Der 62-Jährige wurde unlängst vom jordanischen Gesellschafter Hasan Ismaik hochoffiziell von der Liste der möglichen neuen 1860-Sportchefs gestrichen, auf der er sich aus Ismaiks Perspektive nie befunden hatte; das hielt Magath aber nicht davon ab, das Zweitliga-Auswärtsspiel der Löwen beim 1. FC Nürnberg (der ja auch einen neuen Sportvorstand sucht) zu besuchen. Siegfried Schneider, Präsident des TSV 1860 München, erklärte aus diesem Anlass bei Sky mal wieder, Magath sei "derzeit kein Thema". Er freue sich aber, "dass sich Felix Magath so für unsere Spiele interessiert. Er ist bei uns ein gern gesehener Gast."

Auch Stefan Mugosa, derzeit Gast, demnächst gern gesehener neuer Spieler, saß interessiert auf der Tribüne. Und was der noch nicht spielberechtigte Stürmer aus Montenegro von seinen künftigen Mannschaftskameraden sah, dürfte ihm ziemlich gut gefallen haben. Einerseits, weil sie beim 2:2 (0:1) schwungvoll und mutig nach vorne spielten, so wie das sich ein Angreifer erträumt; andererseits, weil er feststellte, dass er dringend gebraucht wird. Das Manko der Löwen blieb das Verwerten der Tormöglichkeiten, also jene Disziplin, für die der vom 1. FC Kaiserslautern gekommene Mugosa zuständig sein soll.

1860-Trainer Torsten Fröhling, der am späten Montagabend noch ein wenig berauscht von der Leistung seiner Mannschaft gewesen war, wirkte angesichts der liegen gelassenen Chance auf den ersten Sieg am Morgen danach recht ernüchtert. "Ich habe nicht gut geschlafen, weil wir uns einfach nicht belohnt haben", sagte er. "Wir ärgern uns, dass wir erst einen Punkt haben. Wenn man so viel investiert, so dominant ist und nicht erntet, tut das weh."

Neben drei Aluminiumtreffern grämte sich Fröhling vor allem über das nicht gegebene 2:0 des erneut überragenden Marius Wolf, kurz vor dem Nürnberger Ausgleich, als sich Rubin Okotie aus Sicht des Schiedsrichters im Abseits befunden hatte - eine strittige Entscheidung. "Ich hoffe, dass jetzt langsam mal alles abgegolten ist, vom Glück und von den Schiedsrichtern her", sagte der Trainer in Anspielung auf die Endphase der vergangenen Saison. Im Kampf gegen den Abstieg war Sechzig von den Unparteiischen teilweise übervorteilt worden, so dass "sehr viel hochgekocht" wurde, wie Fröhling sagt, sprich: Gerüchte aller Art die Runde machten. Er ist überzeugt, dass die Debatten noch immer auf die Entscheidungen der Schiedsrichter in engen Situationen nachwirken.

Pyrotechnik im Fanblock: Der TSV 1860 hofft, dass es bei einer Geldstrafe bleibt

Was die Münchner aus dem Abend mitnehmen konnten, war zwar einerseits nur ein Pünktchen - aber auch das Gefühl, dass aus den Trümmern der vergangenen Saison tatsächlich eine funktionierende Mannschaft mit Perspektive entstanden ist. Jedenfalls dominierte sie die äußerst schwachen Nürnberger leichtfüßig.

"Ich will jetzt nicht übertreiben, wir müssen trotzdem realistisch sein. Aber wir haben jetzt einen guten Trend und eine gewisse Konstanz reingekriegt", sagte Fröhling. Dass die Mannschaft, die sich in der vergangenen Spielzeit zum Klassenverbleib kämpfte, in fast unveränderter Besetzung nun wesentlich ansehnlicher auftritt, ist für Fröhling keine Überraschung. In der vergangenen Saison, unter dem früheren Sport-Geschäftsführer Gerhard Poschner vom Aufstiegs- zum Abstiegskandidaten abgerutscht, sei das Team "durch gewisse Umstände" gehemmt gewesen, am Ende zudem durch die Tabellensituation zum reinen Ergebnisfußball verurteilt. "Ich habe immer gesagt: Wenn wir drinbleiben, gehen wir zum Fußballspielen über", erklärte Fröhling. Das sieht besser aus, bringt bislang aber nicht mehr Punkte. "Wo die Tendenz hingeht, sieht man ab dem achten bis zehnten Spiel", sagte Fröhling. Dann wird Mittelfeldspieler Dominik Stahl noch fehlen. Er unterzieht sich angesichts anhaltender Kniebeschwerden in der kommenden Woche einer Operation. Immerhin hat sich Zugang Milos Degenek mittlerweile auf der Sechserposition etabliert.

Für Ärger sorgte in Nürnberg - neben der Chancenverwertung - nur der eigene Fanblock. Einige der rund 4000 mitgereisten Münchner Anhänger setzten während der zweiten Hälfte mal wieder Pyrotechnik ein, und das, obwohl der Deutsche Fußball-Bund dem TSV 1860 in einem schwerwiegenden Wiederholungsfall einen Zuschauer-Teilausschluss für ein Heimspiel in der Arena angedroht hat. Die Vereinsverantwortlichen gehen davon aus, dass es sich in Nürnberg nicht um einen solchen schwerwiegenden Fall handelt und sie mit einer Geldstrafe davonkommen. Eine offizielle Stellungnahme wollte der Verein am Dienstag nicht abgeben.