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Sturmberatung für Schiffe:Den Hurrikan auf dem Schirm

Nautiker überwachen in "Fleet Operations Centern" Wetterphänomene weltweit. Sie beraten die Kaptitäne dabei, wie sie große und für das Schiff gefährliche Stürme umfahren können.

Offiziell reden Kreuzfahrtgesellschaften ungern über Seegang, Monsterwellen und Wirbelstürme. Es könnte den Passagieren den Ferienspaß verderben. Unvorbereitet sind Reedereien aber nicht. Für sie steht die Wahl der richtigen Route ganz oben auf der Prioritätenliste. Extreme Wetterphänomene wie jüngst der Hurrikan Dorian nehmen weltweit zu. Sie lassen sich aber austricksen. Kreuzfahrtschiffe können mithilfe einer Wetterberatung zum Teil bis kurz vor Eintreffen der Unwetter die Häfen verlassen und Hurrikane umfahren. Und geht das mal nicht, gibt es von Hamburg aus Tipps für den besten Weg aus dem Orkan heraus - nicht nur in der Karibik.

Als etwa am 6. Oktober Kapitän Jens Janauscheck mit der Aidastella abends die Bucht von Palma de Mallorca verließ, hatte er eine schwere Aufgabe vor sich. Die knapp 340 Seemeilen von den Balearen bis Ajaccio auf Korsika hätte die Aidastella in weniger als 18 Stunden bewältigen können. Als aber die rund 2500 Passagiere am 7. Oktober morgens aufwachten, fanden sie sich nicht mitten im Mittelmeer, sondern im Schutz der katalanischen Küste nördlich von Barcelona wieder. Janauscheck hatte nachts den Kurs geändert. Der gefürchtete Mistral tobte mit Windstärke 12 zwischen den Balearen und Korsika. Meterhohe Wellen hätten der Aidastella zwar nichts anhaben können - sehr wohl aber dem Wohlbefinden der Passagiere. Janauscheck hatte einen Ausweichkurs gewählt. Mit langsamer Fahrt fuhr er unter der schützenden Landabdeckung entlang der Küste.

In Seattle, Miami, Shanghai und auch in Hamburg gibt es dafür seit einigen Jahren sogenannte Fleet Operations Center - kurz FOCs. Pate standen die großen Kommandozentralen des Militärs. Diese Zentralen sind Knotenpunkte, an denen Daten zusammenfließen und ausgewertet werden. Das Ziel: Unheil von Schiffen abzuwenden. Zu den modernsten zivilen Kommandozentralen gehört das FOC von Carnival Maritime in Hamburg. In einem verglasten Geschäftshaus in der Hamburger Hafencity sind zwei Etagen mit Technik und Schaltzentralen vollgestopft. An Großbildschirmen lassen sich Wetterdaten visualisieren, Vorhersagen von Wetterdiensten vergleichen und Wellenhöhen ermitteln.

"Wo es rot wird, wird es für ein Kreuzfahrtschiff nicht angenehm", sagt Jørgen Strandberg. Der Schwede hat das Lagezentrum mit aufgebaut und 2015 eingeweiht. Wirbelstürme sind tiefrot und werden mit Zugrichtung auf den Wänden abgebildet. Kommt ein Schiff in die Nähe solch eines roten Ungeheuers, wird es hektisch. Das FOC arbeitet dann Alternativrouten aus, die mit der Crew an Bord abgesprochen werden. Michael Thamm, der Vorstand der Costa-Gruppe, zu der auch Aida gehört, war der Verfechter der Zentrale. 28 Schiffe von Costa und Aida betreut Carnival Maritime rund um die Uhr. "Mit Carnival Maritime haben wir in das modernste Schiffsführungszentrum investiert, um unsere Kapitäne bestmöglich zu unterstützen", sagt Thamm. 14 Nautiker mit Kapitänspatent überwachen im Schichtbetrieb die Bewegungen aller Aida- und Costa-Schiffe. Insgesamt sind bei Carnival Maritime rund 150 Mitarbeiter beschäftigt.

Die Angst vor Stürmen hat der Kieler Wissenschaftler Meeno Schrader zum Geschäftsmodell gemacht. Seit 1999 berät seine Firma Wetterwelt Weltumsegler, Tanker und Regattasegler. 2011 etablierte er einen weltweiten Beratungsdienst für Reedereien. Heute ist Wetterwelt eines der führenden Unternehmen im Schifffahrtsmarkt. Auch das Team, das Greta Thunberg über den Atlantik brachte, gehört zu seinen Kunden. Zeitpunkt der Abfahrt und die Route der Segeljacht Malizia wurden von Kiel aus genau berechnet.