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Stressbewältigung:Trauma vom Fliegen

Vierzig Prozent aller Passagiere leiden unter panischer Flugangst. Dabei gibt es eine todsichere Strategie dagegen.

Dies ist die Geschichte eines Menschen, der unter Flugangst litt. Dies ist die Geschichte eines Menschen, der trotzdem mit 29 Jahren Chefredakteur der Reisezeitschrift Globo wurde. Dies ist die Geschichte eines Menschen, der als Reisejournalist arbeitet und mit Auto, Zug und Fähre reist. Dies ist meine Geschichte.

SZ-Magazin

Ich habe meine Flugangst auf sehr einfache Weise besiegt: Ich fliege nicht mehr. Als ich mich zu diesem Schritt entschloss, dachte ich zuerst an eine kleine, hübsche Story, die mir weitere Erklärungen ersparen könnte, etwa folgende: Mein Onkel hatte eine Cessna und wir flogen durch den Himmel Niedersachsens. Da begann der Motor zu stottern. Dann setzte er aus. Wir rasten auf einen frisch gefurchten Spargelacker zu, überschlugen uns, überlebten wie durch ein Wunder und krabbelten, nur mit ein paar Schnittwunden und blauen Flecken, aber fürs Leben traumatisiert, aus dem Wrack.

Die Absturz-Schlagzeile vor Augen

Nein, ein solches Erlebnis gab es nicht. Das letzte Mal bin ich im Oktober 1997 geflogen. Ich kehrte aus London zurück, wo ich eine Reportage über Windhunderennen recherchiert hatte. Es war schon Abend, als das Flugzeug auf die Piste rollte, eine Reisegruppe aus dem Westfälischen schnatterte vergnügt und freute sich auf den Piccolosekt. Dann fiel das Licht aus. Dass das Licht beim Start immer ausgemacht wird, erfuhr ich erst Jahre später. Ich dachte, das Flugzeug habe Probleme mit der Elektronik, der Pilot riskiere den Start aber dennoch, um keinen Ärger mit den Chefs zu bekommen. Dann fing einer aus der Reisegruppe an, in der dunklen Maschine mit Blitzlicht die lachende Westfalen-Meute zu fotografieren. Ich sah die Fotos schon mit verkokelten Rändern in Bild, unter der Überschrift: SO GLÜCKLICH FLOGEN SIE IN DEN TOD.

Weil meine Flugverweigerung branchenweit bekannt ist, entsteht auf Empfängen irgendwelcher Touristik-PR-Agenturen daraus gern das zentrale Gesprächsthema. Dabei werde ich immer mit den gleichen Sprüchen konfrontiert, etwa dem hier: "Das Gefährlichste am Fliegen ist die Autofahrt zum Flughafen." Aber stimmt das denn? Nein, denn leider beruht die vermeintliche Sicherheit in der Luft auf einem statistischen Trick.

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