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Reisebuch:Gegen den Wind fotografiert

Ein atmosphärischer Bildband erzählt vom Weltnaturerbe Wattenmeer.

Von Stefan Fischer

Für die ersten Fotos in diesem Band hat Martin Stock seine Kamera nach Westen gerichtet. Von dort kommt in der Regel der Wind, "der Regie führt in diesem sagenhaften Naturdrama, der jedem Akt eine besondere Stimmung verleiht", wie der Autor Tim Schröder etwas pathetisch schreibt. Ihr gemeinsames Buch ist betitelt mit "Wunderwelt Wattenmeer", und sie beginnen den Band mit einigen Gewitterstimmungen. Es ist ein dräuender Blick in die Weite einer sich unentwegt verändernden Landschaft.

Immer wieder wechseln der Fotograf und der Autor die Perspektive, blicken aus der Luft aufs Watt, zoomen sich heran an Details, in den Bildern wie auch den Texten. Nur an einem sind Schröder und Stock nicht interessiert: an festem Boden unter den Füßen. Die Inseln im Wattenmeer streifen sie mehr, als dass sie sich mit ihnen tatsächlich befassen, ebenso das Festland.

So geht es auch bei Sylt vor allem um das, was sich im Watt um die Insel herum abspielt, um die Muschelaufzuchtanlagen südlich von Sylt, um natürliche Muschelbänke, in denen Austern dominieren und die Miesmuscheln zurückdrängen. Der Band gibt einen anschaulichen Einblick in die Tier- und Pflanzenwelt des Watts, er macht aufmerksam auf menschliche Einflüsse - lokale und globale, die sich auf diesen wilden Lebensraum auswirken, positiv wie negativ.

Martin Stock, Tim Schröder: Wunderwelt Wattenmeer. Das Weltnaturerbe neu entdecken. Delius Klasing Verlag, Bielefeld 2020. 160 Seiten, 19,90 Euro.

© SZ vom 01.10.2020
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