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Ponants neue Schiffe:Tiefe, blaue Stille

Eine Klasse für sich: Die "Le Laperouse" befährt den Indischen Ozean. Die Yacht ist gebaut für flache Gewässer, denen sich große Schiffe nicht nähern können.

Gespannt fahren die Passagiere mit dem Lift hinab in den Bauch der Le Lapérouse . Die Tür öffnet sich: Willkommen im Blue Eye. Als erstes Kreuzfahrtschiff der Welt hat die neue Luxusyacht der französischen Reederei Ponant im Rumpf eine Unterwasserlounge verbaut, mit Blick direkt hinaus ins Meer. In neonblaues LED-Licht getaucht empfängt sie die Gäste. Weiße Streben entlang der gewölbten Wände erinnern an ein Walskelett. Dazu weiße, geschwungene Sofas, riesige Monitorwände, Klänge der Tiefsee. Der Clou sind große ovale Fenster auf jeder Seite mit Blick in den Ozean. Wie im James-Bond-Film schlürfen die Gäste stilecht einen Blue Curaçao, den Signature-Drink im Blue Eye.

Die Reederei Ponant, deren bisherige Expeditionsschiffe jeweils 250 Passagiere aufnehmen, hat die Yachten ihrer neuen Schiffsklasse noch einmal verkleinert. Maximal 184 Gäste gehen an Bord der Le Lapérouse und ihrer fünf Schwesterschiffe, die bis 2020 gebaut werden.

Die Le Lapérouse ist so elegant wie ihre Vorgänger. Aber die Formen sind weicher geworden. Der zentrale Treffpunkt mittschiffs mit Rezeption und Boutique hat einen Wartebereich bekommen mit luftigen Raumteilern und warmem Deckenlicht. Französische Eleganz, kombiniert mit Außenterrassen, Panoramafenstern, Korbmöbeln und Livemusik verbreiten eine Atmosphäre von ewigem Sommer.

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Die Le Lapérouse auf tropischer Expedition im Indischen Ozean.

(Foto: Olivier Anrigo/Ponant)

Das gehört zum neuen Konzept. Die Le Lapérouse und ihre Schwestern sollen vor allem in warmen Gewässern zwischen den beiden Wendekreisen unterwegs sein. Sie können mit ihren geringen Abmessungen auch flache Gewässer, etwa kleine Korallenatolle, anlaufen, ohne - hoffentlich - allzu viel Schaden anzurichten. Diese Reise geht von den Seychellen über die Malediven nach Sri Lanka, entlang der Gewürzroute, die schon Vasco da Gama befuhr.

Gleich zu Beginn gibt es mehrere Tage auf See, Zeit, die neuen Sonnendecks am Heck auszuprobieren. Es ist angenehm, nachmittags im Pool auf Deck 3 abzukühlen. Der ist zwar immer noch klein, hat jetzt aber zum Meer hin eine Glaswand. Der Kellner bringt einen Cocktail an den Pool. Der schönste Außenbereich liegt auf Deck 7, dem Oberdeck. Dort befindet sich das neue, größere Spa. Die Liegen auf der Dachterrasse sind fast familiär, ein kleiner Ort der Ruhe. Die Leute lesen oder dösen, vom Rauschen der Wellen eingelullt. Von hier oben aus kann man den ganzen Tag dem Lauf der Sonne folgen, sie auf-und wieder untergehen sehen.

Die Ruhe stört allenfalls das Schiffshorn: Am vierten Reisetag überquert die Le Lapérouse den Äquator, es wird Champagner gereicht. Nun hat man zwar die Hemisphäre gewechselt. Aber außer Wasser ist weiterhin nichts zu sehen.

Auf der Reise durch den Indischen Oze-an verbringen die Passagiere die meiste Zeit irgendwo im Freien. Es macht Spaß, kleine Nischen zu entdecken: die runden, weißen Sitzgruppen am äußersten Ende des Hecks, von denen man einen einmaligen Panoramablick hat; die kühlen Schattenplätze unter der Brücke am Bug.

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Die Le Lapérouse vor der Insel La Digue in den Seychellen.

(Foto: Tamar Sarkissian/Ponant)

Auch die Landgänge sind bequemer geworden, dank einer neuartigen, hydraulischen Marina. Sie kann über dem Wasser schweben und passt sich dem Wellengang an. Das Einsteigen in die Zodiacs ist jetzt sehr einfach. Vor allem aber ist die Marina erheblich größer als früher. Mitten im Ozean stoppt der junge Kapitän Florian Richard das Schiff und ruft zum Baden im Meer. Zwei Zodiacs ziehen ein Bojenband um das Schiffsheck. Ein bisschen mulmig ist einigen schon, als Richard erklärt, unter ihnen lägen nun 2000 Meter Meerestiefe, ohne Netz und doppelten Boden. Aber egal, bei dreißig Grad mitten im Ozean zu schwimmen, ist zu verlockend. Am Morgen näherte sich zum ersten Mal eine Schule Delfine. Sie dürften jetzt gerne wiederkommen.

Natürlich leben auch die Kreuzfahrten in warmen Gewässern von den Landgängen. Wenn eine Insel auftaucht, füllen sich die Außendecks. So auch auf der Seychelleninsel La Digue. Dort geht es zu den berühmten Granitfelsen am Strand der Anse Source d'Argent, Drehort für einen Baccardi-Werbespot.

Die Malediven-Atolle Rasdhoo und Baa können nur kleine Schiffe wie die Le Lapérouse anlaufen. Die Besatzung setzt Kanus, Schnorchelausrüstung und ein Picknickzelt aus. Auf der Insel lebten früher Fischer. Heute sieht man neben verfallenen Hütten noch ein paar freilaufende Hühner. Abgesehen von den Hühnern ist der Strand sehr einsam. Wer ein Stück weiter läuft, kann sich für kurze Zeit fühlen wie Robinson Crusoe.

Die Stadt Galle, südlichster Hafen Sri Lankas, ist Endstation. Schon von weitem ist der Verkehrslärm der Stadt hörbar. Palmen, Häuser, buntgekleidete Menschen, eine fast unmöglich geglaubte Rückkehr aus dem Meer der Stille in die Zivilisation.

Ponant bietet 2020 viele neue Routen im Indischen Ozean an. Beispiel: Die Le Bougainville, baugleich mit der Le Lapérouse, fährt vom 29.3. bis 10.4.2020 zwischen Seychellen und Aldabra-Atoll, 13 Tage ab 6270 Euro. Tel.: 040 /808 09 31 43, www.ponant.com