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Plastikverbote in Afrika:Der radikale Weg

Kenia 2017: Nach dem Plastikverbot konfiszieren Nationalparkwärter in Nairobi Einwegflaschen.

(Foto: Monika Maier-Albang)

Marokko, Kenia, Südafrika: Viele afrikanische Regierungen haben Plastik den Kampf angesagt. Und sie versuchen zugleich, mit der Herstellung alternativer Materialien aus Sisal, Bambus oder Wasserhyazinthen Arbeitsplätze zu schaffen.

Von Susanne Maria Krauß

Viele afrikanische Regierungen haben Plastik den Kampf angesagt. Als Vorbilder dienen Ruanda, Marokko, Kenia. Alle drei haben Einweg-Plastiktüten rigoros aus dem Alltag verbannt. Import, Export, Produktion, Verkauf - alles ist dort verboten. In Kenias Hauptstadt Nairobi machen viele Supermärkte wie auch kleine Läden mit dem Schild "no plastic bags" auf das Verbot aufmerksam. Wer sie trotzdem verkauft, dem drohen seit 2017 Geldstrafen bis zu 40 000 US-Dollar und bis zu vier Jahre Gefängnis. Kenia hat aktuell das härteste Anti-Plastiktüten-Gesetz des Kontinents.

Für einen ähnlich radikalen Weg hat sich Marokko entschieden. Bereits 2009 verbot das nordafrikanische Land jene dünnen, schwarzen Einweg-Plastiktüten, die nicht nur die Sandstrände verschmutzten, sondern auch dem Image Marokkos schadeten. Bis dahin lag der Plastiktüten-Verbrauch des Landes weltweit an zweiter Stelle, nach den USA. Jeder Marokkaner benutzte im Schnitt 900 Tüten pro Jahr - und schmiss sie anschließend in den Müll oder an den Straßenrand. Als 2016 auch alle anderen Plastikbeutel verboten wurden, lief es nicht sofort glatt. Straßenverkäufer und Einzelhändler horteten Tüten. Am Ende aber hätten in Marokko Wirtschaftsvertreter und Ministerien "an einem Strang gezogen," sagt Mohamed Atani, Leiter für Kommunikation beim Umweltprogramm der Vereinten Nationen.

Südafrika wiederum will einen stufenweisen Ausstieg und setzt vor allem auf Eigeninitiative. 2018 wurden bei der Kampagne "Bring Your Own Bag" landesweit Verkäufer und Kunden dazu aufgerufen, Körbe und Stoffbeutel zum Einkauf mitzubringen. Südafrikaner verbrauchen rund acht Milliarden Plastiktüten pro Jahr. In Kenia hatte zum Umdenken geführt, dass nach einer Dürreperiode viele Kühe verendet waren. Plastik, das sie gefressen hatten, verstopfte ihre Mägen. Auch Kenias Pfadfinder haben seit kurzem eine neue Mission. Für eine plastikfreie Zukunft sind sie als Junior-Botschafter in ihren Schulen und Dörfern unterwegs, um Nachbarn und Freunde zum Umdenken zu bewegen. Gleichzeitig erhofft sich das Land, dass die Herstellung alternativer Verpackungsmaterialien aus Sisal, Bambus oder Wasserhyazinthen Arbeitsplätze schafft. Die Firmen, die Taschen, Beutel und Körbe aus jenen Materialien produzieren, sind allerdings skeptisch. Ihre Produkte seien schlicht zu teuer, um die billige Plastiktüte als Massenprodukt ersetzen zu können.

Auch wenn Kenia wie andere afrikanische Länder Fortschritte macht, bleiben große Herausforderungen. In Nairobis Slums stapfen nach wie vor Kinder zwischen Müll herum. Von einer funktionierenden Müllentsorgung ist das Land weit entfernt. "Ein solches Verbot kann nur ein erster Schritt sein", mahnt Mohamed Atani. "Es muss eingebettet sein in eine ganzheitliche Strategie, die Recycling einschließt." Er appelliert auch an Investoren aus den reicheren Nationen, den Ländern Afrikas zu helfen, auch mit Know-how.

© SZ vom 20.09.2018
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